Vortrag Dr. Jung: Der heilige Martin von Tours

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Vortrag: Dr. Norbert Jung

Mehr als eine Laternenlegende – das Leben des Heiligen Martin von Tours

Herzogenaurach. Seit Jahren fasziniert Dr. Norbert Jung, Domkapitular der Erzdiözese Bamberg, mit Vorträgen beim Heimatverein. Nach Vorträgen über die „Päpstin“ oder über das amtierende Oberhaupt, Papst Franziskus, referierte der Leiter für Kunst und Kultur am Bamberger Domberg rechtzeitig zur Martinikirchweih über den Heiligen Martin.

Zwischen Aurach und Regnitz gab und gibt es eine Reihe von Martinskirchen, die meistens aus dem 7. und 8. Jahrhundert stammen (Bamberg, Eggolsheim, Forchheim). Bekanntlich wurde die Verehrung des einstigen römischen Offiziers auch in Herzogenaurachs Pfarrkirche gepflegt, schließlich soll sie einst dem heiligen Martin gegolten haben.

Dr. Jung stellte den Heiligen dar im Spannungsfeld zwischen seinem heidnischen Soldatenberuf und dem christlichen Pazifismus, den er nach dem Ausscheiden aus der römischen Armee pflegte. Gemäß den Aussagen Christi „Selig, die Frieden stiften!“ Oder „Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen“, lebte Martin echten Pazifismus: befreite Gefangene aus den Kerkern, ermöglichte Verbannten die Heimkehr und ihre eingezogenen Güter zurückzugewinnen. Der identifizierte sich mit den Leidenden und Armen, so wie es das derzeitige Oberhaupt der katholischen Kirche, Jorge Bergoglio, tut.

Martin blieb auch nach seiner Wahl zum Bischof, - damals wirkte auch das Volk mit-, das was er immer war: er blieb authentisch. Er blieb trotz des hohen Amtes der, der er war und wie er war. Wenn es um das Christentum ging, war er anfangs alles andere als tolerant. Er ging mit Gewalt gegen Einrichtungen der alten Religion vor und setzte sich gegen die ungetaufte Landbevölkerung durch. Er fällte eine kultisch verehrte Kiefer und gewann durch seine überzeugenden Auftritte großen Einfluss. Wo immer er heidnische Heiligtümer zerstörte, errichtete er christliche Kirchen oder Klöster. Und gerade das war es, was seine Anhänger, aber auch die Gegner überzeugte. Dabei setzte er sich aber stets für Toleranz und Verständnis füreinander ei, was heute für alle Christen selbstverständlich sein sollte.

Martin ist und war noch vor Benedikt von Nursia dem „Vater des abendländischen Mönchtums“ (496) der eigentliche Begründer dieser mönchischen Einrichtungen. Sein erstes Kloster, Ligugé bei Poitiers, kann als das älteste Kloster Galliens gelten und Marmoutier, der Rückzugsort, den er bei seiner Bischofsstadt Tours für sich errichtete, hat eine überragende Bedeutung als Ausbildungszentrum, das schließlich in das ganze Land ausstrahlte.

Auf seinem Totenbett ließ Martin keinen Augenblick vom Gebet ab. Als er auf Bitten der Ärzte sich auf eine Seite umdrehen sollte, entgegnete er:“ Lasst mich Brüder, lasst mich lieber zum Himmel als zur Erde blicken, damit mein Geist, der sich schon anschickt zum Herrn zu gehen, die Richtung einhalte“. Nach diesen Worten sah er den Teufel neben sich stehen. „Was stehst du hier blutdürstige Bestie, Unheilstiftender, du wirst an mir nichts finden. Mich nimmt der Schoß Abrahams auf“ Mit diesen Worten gab er seinen Geist auf…

So starb Martin als Vorbild der Nächstenliebe und Kämpfer für Gerechtigkeit.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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