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Seraphisches Liebeswerk 125 Jahre alt

 

 

Herzogenaurach.Vor 125 Jahren gründete der aus Herzogenaurach stammende Kapuzinerpater Franz Xaver Fröhlich, alias Pater Cyprian, das „Seraphische Liebeswerk".

 Kinder sind die schwächsten Glieder in unserer Gesellschaft, das erkannte auch Pater Cyprian.. Täglich erfahren wir auch heute noch von Misshandlungen und Vergehen an den Jüngsten, nicht nur in Kriegs- und in Krisengebieten. Und das war schon so, als der 12-jährige Franz Xaver Fröhlich, 1853 in Eggolsheim, nördlich von Forchheim geboren wurde und im Alter von 12 Jahren  mit seinem Vater (Melchior) in dessen Heimatstadt Herzogenaurach gezogen ist (1865).

Melchior Fröhlich war alles andere als ein verständnisvoller Lehrer und Vater. Sein Einkommen war schmal, seine Strenge dem Sohn gegenüber unerbittlich. Statt Essen gab es Prügel. Bei seiner Großmutter und einer Tante in der Aurachstadt fand der kleineFranz Xaver Verständnis und hier suchte er Zuflucht.

Unter der Härte und Gefühlslosigkeit litt Franz Xaver und der Vater nötigte ihm das Versprechen ab: „Alles darfst Du werden, nur nicht Lehrer oder Pfarrer!"

Mit 12 Jahren durfte der junge Lehrerssohn die Lateinschule in Erlangen besuchen. Oft genug knurrte ihm der Magen vor Hunger. Schließlich wechselte er nach Bamberg, wo er das Abitur ablegte.  Eigentlich wollte er Priester werden, doch das Versprechen, das er seinem Vater gegeben hatte, hinderte ihn zunächst daran. Und so entschloss er sich für ein Studium an der Technischen Hochschule in München.

Da schlug das Schicksal zu. Weihnachten 1872 verstarb der Lehrer Melchior Fröhlich. Franz Xaver, knapp 20 Jahre alt, lernte bei einem Besuch in Würzburg die Kapuziner auf dem „Käppele" kennen. Er war begeistert von deren mönchischem Leben und ihrer Arbeit. Zurück in München wechselte er von der Technischen auf die Theologische Fakultät und ging ins Priesterseminar. Am 26. Juli 1877 wurde er in München zum Priester geweiht, am 05. August 1877 feierte er seine Primiz in Herzogenaurach.

Sechs Wochen nach der Priesterweihe trat er in den Orden der Kapuziner ein; sein Besuch bei ihnen in Würzburg hatte ihn so beeindruckt, dass er einer von ihnen werden wollte, - und ebenso beeindruckt war er vom Leben und Wirken des bekannten Mainzer Bischofs Emmanuel von Ketteler, des Arbeiterschischofs und großen Sozialreformers, in dessen Fußstapfen er treten sollte. Ab 1881 nahm der den Namen „Pater Cyprian" an und band sich an den Kapuzinerorden. Längst hatte er sich auch im sog. Kulturkampf engagiert für die katholische Richtung gegen die von Bismarck und dem Staat propagierte antiklerikale Richtung eingesetzt.

Fröhlichs ursprüngliche Idee war es, Menschen jeglichen Alters, die unverschuldet in Not geraten sind, zu unterstützen. Ihnen wollte er eine Heimat geben, sie sollten durch Bildungsangebote auf eigenen Beinen stehen können und bei Krankheit medizinisch versorgt werden. Erst heute kann vielfach angeboten werden, was Pater Cyprian schon  1889 als sozial notwendig ansah: Kindertagesstätten, stationäre und teilstationäre Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, ambulante Dienste, Betreuung junger Erwachsener und das Zusammenleben von Jung und Alt unter einem Dach.

Nach seinem Wirken als „Volksmissionar" in den 80-er Jahren, wirkte P. Cyprian ab 1887 in Ehrenbreitstein bei Koblenz und hier kam es auch 1889 zur Gründung des Seraphischen Liebeswerks. Ein Bericht in der „Kölnischen Volkszeitung über die Arbeit des „Vereins der Kinderfreunde Tirols", der in drei Anstalten an die 400 Kinder betreute, inspirierten P. Cyprian. Warum sollte das, was ein Tiroler Benediktiner Pater geschaffen hatte, nicht auch in Deutschland möglich sein?

                    Und es war möglich! Nachdem die Spenden immer größer geworden waren, wurde ein Verein geschaffen, durch den sich dieses Kinderrettungswerk entfalten sollte. Sitz des „Liebeswerks" war zunächst Koblenz-Ehrenbreitstein; 1893 erfolgte eine Trennung in eine westdeutsche und in eine süddeutsche Abteilung.. Sitz der süddeutschen Niederlassung wurde daraufhin Altötting, wohin Pater Cyprian 1893 zurückberufen worden war.

1899 erfüllte sich Pater Cyprian Fröhlich einen Herzenswunsch: In dem Ort, in dem er aufgewachsen war, in Herzogenaurach, gründete er das „Liebfrauenhaus". Es war zunächst als Waisenhaus für Mädchen gedacht, doch bald wurden hier auch Buben untergebracht. Deren Betreuung in Schule und Heim wurde von Mallersdorfer Schwestern übernommen.

In beiden Kriegen diente das Liebfrauenhaus zusätzlich als Lazarett. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das ehemalige Exerzitienhaus in ein Alten- und Pflegeheim umgewidmet. Heute genießt diese Einrichtung mit seiner privaten Volksschule und allen weiteren sozialen Einrichtungen einen hervorragenden Ruf, weit über die Landkreisgrenzen hinaus.

Außerdem betreut das „Seraphische Liebeswerk" allein in Süddeutschland sieben Einrichtungen . Neben Herzogenaurach gibt es das Walburgisheim in Feucht, das Pädagogische Zentrum St. Josef in Parsberg, das Josefsheim in Wartenberg, das Franziskushaus in Altötting, das Antoniushaus in Marktl und  St. Josef in Traunstein.

Heutze gibt es das SLW (Seraphische Liebeswerk) in Deutschland, Österreich, in Südtirol und in der Schweiz. Jede Abteilung hat ihre eigene Entwicklung genommen und eigene Schwerpunkte gesetzt. Der Schwerpunkt in Tirol liegt auf der Betreuung von Menschen mit Behinderung und in der Schweiz auf dem Gebietv der Erziehung und Sozialberatung. In Herzogenaurach unterhält das Liebeswerk eine private Volksschule , die weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen hervorragenden Ruf genießt sowie ein bestens geführtes Altenheim. 101 Frauen und Männer leben zur Zeit im Altenheim; solche, die noch rüstig sind und sich weitgehend selbst versorgen können bis hin zu Pflegefällen.Und Schulleiter Michael Richter ist solz auf 140 Mädchen und Jungen, die in der Grundschule unterrichtet werden sowie auf 210 Schülerinnen, die den Qualifizierenden Hauptschulabschluss bzw. in zwei Jahren den Mittelschulabschluss anstreben.

Außerdem gibt es inzwischen eine eigene Schwesternschaft auf den Philippinen sowie ein Kinderheim und eine Berufsschule in Uganda, so dass das SLW auf drei Kontinenten aktiv ist.

Pater Cyprian war nicht nur an 77 Volksmissionen beteilligt, er hat sich in schwierigen Zeiten auch für seine Heimatstadt Hwerzogenaurach eingesetzt.

Dezember 1907 haben ihn das „Magistrats- und Gemeindebevollmächtigten Kollegium"mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnt 07. Dezember 1907). Und 20 Jahre nach dieser Auszeichnung hat er sich in einer Notlage der Stadt Herzogenaurach (71% Arbeitslosigkeit im Jahr 1927) für die finanzielle Unterstützung der Notleidenden bei den Regierungen in München und Berlin eingesetzt.

Begriff „Seraphisches Liebeswerk"

Dieses „Werk der Liebe" ist nicht nach den Engeln benannt (Seraphin), sondern nach  dem „seraphischen Heiligen", dem hl. Franziskus von Assisi, der sich Zeitlebens bewusst auf die Stufe der Armen gestellt hat.

Die Serafim werden den obersten Rängen der Engel zugeordnet und sind der Inbegriff der Anbetung und der Liebe. Auf Deutsch heißen sie „die Brennenden" und sie brennen in der Anbetung und Liebe Gottes. Der Legende nach soll Franziskus zwei Jahre vor seinem Tod sichtbar an seinem Leib die Wundmale des Herrn empfangen haben. Diese Stigmatisation  durch den Heiligen machte Franziskus zum „seraphischen Heiligen". Nach dem „seraphischen Heiligen" bildete sich der seraphische Orden, eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die sich auf Franziskus beriefen. Und der Gründer dieses „Seraphischen Liebeswerks" ist der Herzogenauracher Kapuziner  Pater Cyprian Fröhlich. Sein Liebeswerk verstand der als „seraphisch" und meinte damit „franziskanisches Liebeswerk".

Klaus-Peter Gäbelein

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