Sebastian

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und seine Verehrung als Stadtpatron (1496 – 2021)

Seit 525 Jahren wird der heilige Sebastian in Herzogenaurach verehrt.

Blättern wir zurück in der Geschichte:

In der hiesigen Pfarrchronik liest man: „Man schrieb das Jahr 1496 als sich in unserer Pfarrei eine so verheerend wütende und gefürchtete Krankheit einschlich, dass täglich mehrere Leichen zu Grabe getragen wurden und durch den Tod der Stadt völlige Entvölkerung drohte.
Da nahm die hiesige Bürgerschaft Zuflucht zum heiligen Sebastian, ließ ihm zu Ehren für die Abwendung der Pest einen Altar errichten und trat in ein Bündnis zusammen( = Sebastiani-Bruderschaft), so zu lesen in der Herzogenauracher Pfarrchronik.
Bei einer weiteren Pestepidemie (den Begriff „Pandemie“ kannte man damals noch nicht) wurden 1520 aus der Pfarrei 608 hinweggerafft und um weiteres Unheil zu vermeiden, rief man 1607 den heiligen Sebastian um seinen Beistand an und jedes mal, wenn das geschah, sei die Seuche auf wunderbare Weise zum Stillstand gekommen.

Der „ Erhabene“

Sebastian, der Name bedeutet im Griechischen soviel wie der „Erhabene“, wurde im Christentum verehrt, und zwar beim Ausbruch schwerer Krankheiten und Seuchen. Dass man, besonders in Pestzeiten seine Hilfe erflehte, lag daran, dass früher weitgehend die Auffassung herrscht, die Pest werde von Pestengeln oder Dämonen durch geheimnisvolle Pfeile ausgelöst.

Der heilige Sebastian wird daher auf allen Abbildungen und Statuen gleichermaßen dargestellt: der spärlich bekleidete Märtyrer ist an einen Pfahl gebunden und von Pfeilen durchbohrt. Diese Darstellung hängt wohl mit seinem legendären Tod zusammen. Wegen seines christlichen Glauben war Sebastian vom heidnischen Kaiser Diokletian ( um 300n. Chr.) zum Tode verurteilt und von einer afrikanischen Spezialeinheit im römischen Heer von Pfeilen durchbohrt schwer verwundet worden. Doch Sebastian genas wieder. Der legte erneut ein Bekenntnis für seinen christlichen Glauben ab, wurde darauf im Auftrag des Kaisers wie ein Hund niedergeknüppelt.
Sein Leichnam wurde später an der Stelle beigesetzt, an der Papst Damasus eine der 7 Hauptbasiliken Roms, die Kirche St. Sebastian, errichten ließ.

Sebastian in Herzogenaurach

Für Herzogenaurach wurde der Seuchenheilige gleichsam zum Stadtheiligen. Auf Initiative von Stadtpfarrer Trossler wurde 1505 an der Südseite der Pfarrkirche ein erster Sebastian-Altar eingeweiht.
Es könnte jedoch auch sein, dass die Verehrung des Heiligen in der Stadt noch älter ist. Heimatforscher Luitpold Maier schreibt 1934, dass im Sockel des Altars in der Marienkapelle ein Reliquiengrab entdeckt worden sei, welches sogar Überreste des Heiligen enthalten hat, die bereits 1401 an diese Stelle gebracht worden waren.
Es ist durchaus möglich, dass die Verehrung des Heiligen also schon im 14. Jahrhundert erfolgte, denn aus dieser Zeit stammen die die ältesten Fresken in unserer Pfarrkirche, die nach Augenzeugenberichten von Luitpold Maier Abbildungen des Hl. Sebastian enthalten haben sollen.
Sebastian genoss bis Ende der 60er Jahre große Verehrung. Vor ca. 50 Jahren waren noch alle Dienststellen der Stadtverwaltung geschlossen, die Schulkinder konnte sich über einen freien Tag freuen und die katholische Bevölkerung des Umlandes strömt in die Stadt, um in der Pfarrkirche die Sakramente zu empfangen und selbst im Pfarrhaus wurde damals die Beichte abgenommen.
Pfarrer Rathgeber hat im 3. Reich die Sebastiani-Bruderschaft wieder aufleben lassen. Durch sein Engagement wurde auch der Altar des Heiligen (südliche r= rechter) Seitenaltar, der zwischenzeitlich entfernt worden war, wieder aufgestellt und die Bruderschaft wieder neu ins Leben gerufen. Die Sebastiani-Figur von G.J. Mutschele (um 1780) geschaffen ist Mittelpunkt der Herzogenauracher Sebastian-Verehrung.

Figur des Heiligen an der Ostfassade der Marienkapelle

Besucher des Herzogenauracher Kirchenplatzes werden jedoch auch vom Heiligen Sebastian aus luftiger Höhe von der Fassade der Marienkapelle begrüßt. Als diese Plastik vor Jahren durch Wind und Wetter arg gelitten und dringend einer „Verjüngungskur“ bedurfte, hat der Heimatverein, die Kosten zu übernehmen.
Man nahm Kontakt zu einem anerkannten Restaurator auf (der Herzogenauracher Erwin Rösch, der u. a. in Bamberg durch sehr gute Arbeit in und an verschieden Bauwerken geleistet hatte), holte die Genehmigung beim Pfarramt ein. Die Idee, den Heiligen vor Witterungseinflüssen künftig durch eine vorgesetzte Glasscheibe zu schützen, ließ man auf Anraten des Restaurators allerdings wieder fallen. Letzten Endes war man glücklich und zufrieden, als der Heilige in neuem Glanz erstrahlte und nach Herzogenaurach zurückkehrte. Der Vorsitzende des Vereins ließ dann die guten Beziehung zur Herzogenauracher Feuerwehr spielen, die in einer „Übung“ Sebastian an seinen früheren Platz zurückbrachte. Und es hatte den Anschein, dass Sebastian ebenfalls zufrieden war mit der Situation.
Die Restaurierung war gelungen. Dann jedoch hatten die Verantwortlichen beim Herzogenauracher Heimatverein eine „zündende Idee“. Man ersuchte beim Landratsamt ERH um eine Bezuschussung für die Restaurierung nach. Aber von wegen Zuschuss für eine denkmalschützerische Idee – weit gefehlt. Im Gegensatz: man handelte sich eine deftige Rüge beim Landratsamt ein, weil man ohne Genehmigung der Behörde das Ganze veranlasst hatte. „So geht das nicht…! Wo kämen wir denn hin, wenn jeder an öffentlichen Kunstwerken mitmischen würde…!“
Man ließ seitens der Behörde jedoch von einer Strafe gegen den „Urheber der vermeintlich guten Tat ab.“ Und die Moral von der Geschicht´: „Tu niemals ohne Genehmigung keine guten Taten nicht!“

Gä.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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