Stadterhebung

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Stadterhebung 1348  von Herzogenaurach.  

Das 14. Jahrhundert war eine bewegte Zeit in den deutschen Landen. In der Reichspolitik stritten sich Ludwig  der Bayer und Friedrich der Schöne um die Regentschaft, bis sich schließlich der Luxemburger Karl IV. durchsetzte. Karl, der von Böhmen aus das Reich regierte und Nürnberg neben Prag zu seinem Lieblingssitz erkoren hatte, musste erleben, wie im Jahr seines Regierungsantritts eine große Pestwelle über Europa hinwegfegte. Zwischen 1346 und 1350 starben starben in Europa etwa 25 Millionen Menschen an der Pest, vor allem in den Städten; das waren immerhin rund 25% der Bevölkerung.                  Und eben diese Zeit bildet auch einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte Herzogenaurachs. Zwar schweigen die Quellen über eine eventuelle Pestepidemie, doch das Jahr 1348 ist ein wichtiger Eckpfeiler in der Geschichte von „Hertzog-Awrach“. Seit 1344 hatte das Bistum Bamberg mit Friedrich I. von Hohenlohe ein neues  Oberhaupt. Mit seiner Ernennung stellte er sich hinter den  Herrscher Karl IV., der diese Loyalität zu schätzen wusste und sie mit mancherlei Gunsterweisen für das Bistum Bamberg quittierte. Nur acht Jahre währte seine Amtszeit (1344 - 1352), doch konnte sich das Bistum über erhebliche territoriale Gewinne freuen: die Burgen in Senftenberg und Streitberg, daneben Thüngfeld, Ebermannstadt, Schlüsselfeld, Neideck, Waischenfeld und Greifenstein  wurden zu Teilen dem Bistum übereignet.             Für Herzogenaurach von Bedeutung aber war das im Auftrag von Friedrich 1348 herausgegebene Rechtsbuch. Herzogenaurach besteht demnach aus einer befestigten, mit steinerner Mauer und Wassergraben umgebenen burgartigen Anlage, einem eigens befestigten Kirchenbezirk sowie einem Mauer mit Türmen. Innerhalb der Mauern zählt man 12 „Lehen“ und 17 Markthofstätten. Die 12 Lehen sind die 12 Häuser an der südlichen Seite der Hauptstraße zwischen Türmersturm und Vehnturm, die 17 Markthofstätten sind die Häuser , die an der nördlichen Seite der Hauptstraße uns am Markt selbst stehen. Damit war der Raum innerhalb der alten Stadtmauern ausgefüllt. Wir wissen nicht, wie viel Zeit der Bau dieser Häuser in Anspruch genommen hat.            1348 war aber nicht nur der Raum innerhalb der Stadtmauern ausgefüllt, sondern es gab damals schon eine nicht unbedeutende Vorstadt, die von 13 Söldnern, 12 Hofstätten und außerdem 15 weiteren Häusern gebildet wurde. Die Stadt als Gesamtsiedlung war schon auf das doppelte Ausmaß dessen angewachsen, was ursprünglich geplant gewesen war. Professor Theodor Mayer geht im Heimatbuch von 1949 davon aus, dass unsere Stadt, ursprünglich als „URAHA“ erstmals erwähnt, wohl um 1200 gegründet worden sein muss. Auch geht er davon aus, dass die Bezeichnung „Herzogen - Aurach“ (auch Hertzog-Awrach geschrieben wohl im 13. Jahrhundert entstanden sein und auf die Herzöge von Andechs-Meranien zurückgehen muss, die im Fränkischen reiche Besitzungen hatten. Auch die Frage nach der Einwohnerzahl versucht Mayer zu beantworten. Geht man davon aus, dass innerhalb der Mauern rund 30 Häuser standen, so kann man von rund 200 Einwohnern ausgehen und dass außerhalb der Mauern 1348 rund 250 bis 300 Menschen wohnten, so kann man davon ausgehen, dass Herzogenaurach Mitte des 14. Jahrhunderts von maximal 500 - 600 Einwohnern besiedelt war. Damit reihte sich die Stadt ein in die lange Liste von mehreren tausend 10000 Orten gleicher Größenordnung im gesamten deutschen Reich, in dem Köln mit rund 10000 alle anderen Städte überragte.   Herzogenaurachs Bevölkerung um 1348 Das Rechtsbuch des Bischofs Friedrich von 1348 gibt uns die Berufe der Markthofstätten an ( Besitzer der Häuser, in den Handel- oder Gewerbe betrieben wurde). So wird u.a. ein „Wollschlager“ (Walker oder Welker) erwähnt. Die Mehrzahl der Bewohner dürfte wohl ihren Lebensunterhalt aus der Landwirtschaft gedeckt haben. Die wohlhabendsten Einwohner waren wohl die Besitzer jener 12 Höfe auf der Südseite der Hauptstraße. Sie mussten neben Geldabgaben jährlich zusätzlich ein Schwein an den Landesherrn, den Bamberger Oberhirten oder dessen Stellvertreter abgeben,  eben an den Amtmann, der im Schloss residierte.. Noch 1764 wurde bezüglich dieser „Schweinelehen“ bestimmt, dass sie neben der Abgabe  auch zu Fronfuhren verpflichtet waren. Darunter verstand man kostenlose Fuhrleistungen für die Obrigkeit seitens der Hausbesitzer..                   Ein Lehen entsprach der Größe von rund 15 - 20 Morgen Ackerland und Wiesenfläche. Ein Morgen wiederum entsprach der Größe eines Grundstücks, das ein Bauer vom frühen Morgen bis zur Mittagsstunde bearbeiten konnte. Daneben verdienten sich die „Lehensbesitzer“ innerhalb der großen Stadttürme ihren Lebensunterhalt durch verschiedene Handwerksbetriebe. So ist ein Schmied genannt und daneben waren von den 12 Anwesen auch noch sechs Besitzer als Gastwirte tätig. (Noch im 20. Jahrhundert existierten auf der Hauptstraße die Gaststätten Krone, Heller, Weißes Ross, Schwarzer Bär und Walfisch sowie östlich des Vehnturms die Gaststätte Fröhlich). Die Lehenbesitzer durften außerdem die umliegenden Waldungen nutzen, sprich sich mit Holz versorgen: im Birkenbühl, im Tannwald (Donwald) und im Burgholz (Burgwald westlich von Burgstall). Der größte Teil der Besitzungen der Schweinelehen lag am Höchstadter Weg, , am Haundorfer Weg, am Schützengraben und bei der „Roten Klinge“ (Lohhofgebiet in Richtung Niederndorf)), südlich der Aurach am Burgstaller Weg und am Steinbacher Schleifweg, die Wiesen lagen entlang der Aurach. Weiter außerhalb der erwähnten Flurbezeichnungen lagen die Äcker der übrigen Hausbesitzer, also jenseits des Dambachs („in der Reuth“) oder am Beutelsdorfer Weg. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass hier außerhalb der „Lehensäcker“ Rodung ( = Reuth) betrieben worden ist. Es gab in Herzogenaurach nachweislich seit dem 14. Jahrhundert ein Gericht und einen Rat. König Ruprecht hat 1409 der Stadt außerdem zwei Jahrmärkte verliehen. Damit waren alle Erfordernisse erfüllt, die an eine mittelalterliche Stadt gestellt wurden. Herzogenaurach hat schon vor 650 Jahren einen gewissen Wohlstand erreicht. Vor allem die Tuchmacherei fand Anschluss an den Nürnberger Markt und die hiesigen Weber und Tuchmacher (Leinenweber und Hersteller von Fils- bzw. Lodenstoffen) erhielten bald das Recht zweimal wöchentlich ihre Produkte auf dem Nürnberger Hauptmarkt zu verkaufen zu dürfen. Im Rechtsbuch des Bischofs von Hohenlohe 1348 ist ein Steueraufkommen von 3000 Pfund Heller erwähnt. Auch wenn mit dieser Summe keine Aussagen über den Wohlstand getroffen werden können, so ist zu vermuten, das Herzogenaurach wohl keine reiche Stadt war, dass die Bürger aber über einen gewissen Wohlstand verfügten. Auch wenn unsere Stadt heute gute bis gute Steueraufkommen zu verzeichnen hat, so wird sich Bürgermeister Hacker hüten, den Begriff „reich“ zu verwenden. Erfreulicherweise blieb die Stadt in allen Jahrhunderten von größeren Brankastrophen verschont. Weder der Bauernkrieg (1525) noch die beiden Markgrafenkriege um 1450 und 1550 oder der 30-jährige Krieg richteten die Stadt zugrunde und man überstand auch Hungersnöte von 1771/72, französische Einquartierungen ab 1796 sowie die napoleonischen Wirren bis 1806 ohne große Schäden. Und welcher Segen für unsere Stadt war es, dass sie trotz des Militärflugplatzes im 2. Weltkrieg von Zerstörung und Bombardierungen verschont geblieben ist.
Autor: AdministratorE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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