Dreimal „griena Kleß" in der Woche

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Fertiggerichte und aufgetaute Tiefkühlkost stehen heute in vielen Familien am Mittagstisch. Doch wie war das früher, was gab es zu Mittag zu essen? Dieser Frage ging man beim Heimatverein bei der letzten Gesprächsrunde „So war es früher...." nach.

„Bei uns hat es am Sonntag, am Dienstag und am Donnerstag „griena Kleß" gebn", erinnerte sich Rita Bitter, im Ortsteil Haundorf noch unter ihrem Mädchennamen Geinzer aufgewachsen. „Und am Montag und Mittwoch hat die Mutter oft eingschniedna Kleß aufn Diesch bracht". Manchmal wurden die gerösteten Klöße noch zusätzlich mit Eiern überbacken. Überhaupt spielten die Kartoffeln, die Erdäpfel oder Potacken, eine herausragende Rolle in der Ernährung der „kleinen Leute". Denn zusätzlich kam oft am Freitag oder Samstag noch ein großer Topf voll mit Kartoffelsuppe auf den Tisch. Und auch die „Kartoffelbackers", meist aus frisch geriebenen Kartoffeln, manchmal auch aus gekochten, waren eine nahrhafte und beliebte Mittagsmahlzeit. „Und zu die Backers hat´s Apfelbrei, manchmal aa a Kompott gebn", so Rita Bitter. Und sie ergänzt: „Wir waren acht Kinder, dann waren die Großeltern dabei und Vater und Mutter und da war die Stubn und der Tisch voll".

Dass sich Mutter und Großmutter bei so vielen Kloßgerichten die Finger und die Knöchel wund gerieben haben, versteht sich von selbst. Und weil die Kartoffeln oft noch geschwefelt worden sind, damit sie „schön hell" geblieben sind, hing in den Küchen früher ein unangenehmer, beißender Schwefelgeruch. Doch es hat nicht immer saftigen Schweinebraten unter der Woche zu den Klößen gegeben. Nicht umsonst gibt es in Franken in vielen Gasthäusern auch heute noch „Kloß mit Soß" auf der Speisekarte. Man hat auch häufig beim Metzger das sogenannte „Zehnerlesfleisch" gekauft. Das waren Kleinfleisch oder Schälrippchen, die eine schmackhafte Soße lieferten.

Der Feitag wurde streng als Abstinenztag in den katholischen Familien eingehalten. Da gab es dann Eier mit Spinat, Kartoffelbrei mit gerösteten Zwiebeln und gebräuntem Fett und im Winter und im Frühjahr wurde dieses einfache Essen mit eingeweckten (eingemachten) Birnen, mit Kürbiskompott oder „gelben Dorschen" (Rüben) bereichert.  Bei Kindern waren Pfannkuchen mit selbstgemachter Marmelade, „Arme Ritter" oder „Kartäuserkleß", also eingeweichte „Weckli", in Fett herausgebacken und oft mit Vanillesoße serviert, besonders begehrt. Helmut Hetzel ergänzte, dass bei ihm im Steigerwald dieses „arme Leute Essen" als „Weckschnitten" bezeichnet wurde. Beliebt waren auch „Uferkleß"(im Ofen, in der Röhre gebackene Buchteln) (ein einfaches Hefegebäck) an den fleischlosen Tagen. Und schließlich servierten die Mütter, die noch zu Hause waren und für die Familie kochten vor allem im Winter Linseneintopf mit „Spootzn" (Mehlklößen).

Als es wirtschaftlich aufwärts ging, leistete man sich auch am Freitag gebackenes Fischfilet, meist preiswerten Kabeljau - aber das war noch lange, bevor die bei den Kindern beliebten Fischstäbchen auf den Tisch kamen. Auch marinierte Heringe, entweder selbst eingelegte Salzheringe oder bei der „Schramms Reta" gegenüber dem Fehnturm gekaufte Bratheringe waren eine beliebte Freitagsspeise.

Gundi Müller (geb. Peetz) erinnert sich: „Wir haben gegessen, was weg musste. Das war häufig Gemüse aus dem eigenen Garten: Kohlrabi und gelbe Rüben, Weißkraut oder Wirsing und natürlich grüner Salat oder Gurken." Und weil früher die Keller noch kühl und dunkel waren, wurde Gemüse wie auch Obst über den Winter dort eingelagert. In einer Kiste mit Sand wurden gelbe oder rote Rüben ebenso „eingeschlagen" wie der „Spargel des kleine Mannes", die Schwarzwurzeln oder gar ein paar Stangen Kree(n). Ein „warmes Kreegmüs", das „a weng die Nosn nauf zugn hodd" war besonders bei den Erwachsenen beliebt, vor allem dann, wenn noch ein Stück Geräuchertes dazu am Teller lag.

Beliebt waren auch „Bohnakern und Kleß".

An den Sonntagen, wenn um 11 Uhr die Glocken läuteten, versammelte sich die Familie am Tisch und eine halbe Stunde später stand das Essen auf dem Tisch. „Suppe hat es bei uns eigentlich immer gegeben", so der allgemeine Tenor. Das waren dann Nudelsuppe, Leberklößchensuppe oder Pfannkuchensuppe. Schweinebraten war an Sonntagen üblich, im Winter gab es auch hin und wieder Salzfleisch. In der „schlechten Zeit nach dem 2. Weltkrieg", als die Herzogenauracher noch teilweise Selbstversorger waren, bereicherten Suppenhühner, gefüllte Tauben, Stallhasen und an Ostern auch ein „Gassla" (Zicklein) den sonntäglichen Mittagstisch.

Beim nächsten Gesprächskreis am 26. April geht es im Steinweg um Hausschlachtungen, um Brotzeiten und das Abendessen früher.

                                                 Klaus-Peter Gäbelein  

 

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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