Gesprächskreis im Mai

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Es gibt keine Maikäfer mehr

Das waren noch Zeiten, als wir Kinder Maikäfer im Schuhkarton sammelten, sie mit frischern Birkenblättern fütterten  und verglichen haben, wer die meisten und schönsten Exemplare von den Bäumen geschüttelt oder aufgesammelt hatte." So schwelgte man beim Gesprächskreis des Heimatvereins zum Thema „Ma" in Erinnerungen. Gibt es die Krabbeltiere, von Max und Moritz zu üblen Streichen genutzt und von Reinhard Mey schon vor Jahrzehnten besungen und beklagt(„Es gibt keine Maikäfer mehr") überhaupt noch? Haben die Pestizide sind inzwischen ganz ausgerottet oder müssen wir bis zum nächsten Schaltjahr warten, bis sie in großen Schwärmen die Laubbäume wieder kahl fressen?

„Es gab Schlotfeger, Müller und König oder Kaiser, je nach Färbung und Zeichnung" , weiß K.P. zu berichten. „Voller Stolz haben wir sie in der Schule gezeigt. Im Kartondeckel oder im Zellophanpapier vom Einmachglas waren Löcher, dass die auch Luft bekommen. Und wenn an sie angehaucht hat, dann haben sie gepumpt und sind im Klassenzimmer umher geflogen - sehr zur Belustigung der Schüler und zum Missfallen der Lehrer. Und ganz böse Buben haben den Mitschülerinnen Maikäfer in die Haare gesetzt. „Da gab es immer ein fürchterliches Geschrei, weil die Käfer sich in den Haaren fest verkrallt hatten.", so H.D. Und er ergänzt „Maikäfer flieg, die Vater is im Krieg, die Mutter is im Pommernland...., das sangen die Madli dann nimmer!"

Oft wurden die Maikäfer auch zum Hühner Füttern gesammelt. Damit man möglichst schnell möglichst viele fangen konnte, bediente man sich in den Abendstunden, wenn die Käfer um die Lampen und Laternen brummten, sogar der Federballschläger zum „runterpatschen",  um sie in die Gefängnisse, sprich in die Schuhschachteln zu bringen.  Doch wenn man Insidern Glauben schenken darf, so schmeckten oder rochen die Eier später nach Maikäfern. Ob die jemals tatsächlich vom Geschmack her probiert worden sind wie im Elsass, wo sie in gerösteter Form angeblich als Maikäfersuppe in Restaurants serviert worden sind, bleibt wohl ein Geheimnis. Den meisten Zeitgenossen waren und sind sie da in Schokoladenform und in braun-goldene Folie verpackt schon lieber.

Manche Kinder und Jugendlichen gingen Anfang Mai auch hinaus in die Wälder, um für Muttertag oder für das Schmücken der Hausaltäre Maiglöckchen zu pflücken. „Die haben „streng" (intensiv) gerochen und man musste sich anschließend die Hände waschen, weil die „Maigleckli" giftig waren und sind. In vielen Stuben gab es ein Marienaltärchen, das stets mit neuen, frischen Blumen versehen wurde. Außerdem zogen die Familien fast geschlossen bei den Flurumgängen durchs Herzogenauracher Umland. Die kleinen Umgänge führten zum Hubmannskreuz am nördlichen Stadtausgang, ins „Gründla", zur Kapelle im Lohhof oder zur „Schwarzen Muttergottes" am Beginn der Karl-Bröger-Straße. Die „großen Umgänge" führten über Welkenbach, Beutelsdorf nach Haundorf oder nach Steinbach und dem Galgenhof und dann zurück in die Stadt. Bei der letzten feierlichen Maiandacht zog man wie bei der Sebastian Prozession (im Januar) durch die Innenstadt.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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