Herzogenaurachs „ausgefallene Sommerkirchweih“

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Herzogenaurach, Alles war bestens vorbereitet für die Herzogenauracher Sommerkirchweih: Das „Kerwa-Bier der Brauerei Heller war längst gebraut und die ersten Genießer schnalzten schon im Frühjahr genüsslich mit der Zunge, ob des süffigen Stoffes. Die Vorbereitungen auf den Bierkellern für den Ansturm der Bierseligen wurden getroffen – und dann kam der schwere Schock Anfang März: Die Hiobsbotschaft lautete: die Kirchweih muss wegen der ansteckenden Epidemie ausfallen!

Der Schock bei vielen Weihersbach-Anhängern saß tief: Keine gemütliche Maß im Schatten der alten Bäume, keine Musik vom Podium, keine Karussells am Festplatz, keine zünftige Brotzeit – nichts! Dabei gehört eine zünftige Kirchweih zur fränkischen Gemütlichkeit und Bierseligkeit.

Bis in die Nachkriegszeit hatte man in der Stadt nur die „kalte Kerwa“, die Martini-Kirchweih um den Feiertag des Heiligen Martin am 11. November gekannt, die als Straßen- und Wirtshauskirchweih immer auch Gäste aus dem Frankenland an gelockt hatte. 1951 beschlossen die Verantwortlichen im Rathaus, eine „warme Kirchweih“ einzuführen. Lange wurden Termine wegen des Datums in die Überlegungen einbezogen, wollte man doch mit an deren, älteren fränkischen Bierfesten nicht kollidieren: da gab es die Erlanger Bergkirchweih um die Pfingstzeit und auch das n och ältere Forchheimer Annafest (um den Namenstag der Heiligen, am 26. Juli.

1951 gönnte man sich ein „Aurachgründer Volksfest“. Es fand in den Aurachwiesen statt, zwischen der Hans-Maier-Straße und der Aurach. Ein Jahr später verlegte man das Ganze dann unter dem Namen „Sommerkirchweih“ hinaus in die Weihersbach-Anlagen. Das Fest wurde in den Folgejahren ein echter Renner und nicht nur für Herzogenauracher wurde die „Kerwa“ ein Höhepunkt des Jahres. Als besonders attraktiv erwiesen sich die „Bunten Abende“ in den 60er und 70er Jahren, als namhafte Interpreten , bekannt von Funk und Fernsehen, hier ihre Auftritte hatten: Fred Bertelmann, der farbige Sänger Billy Mo oder die Jacob Sister mit ihren Pudelhündchen und viele andere mehr.

An die Geschichte und die Höhepunkte der Kirchweih erinnert eine Stadtführung mit dem Heimatverein am kommenden Freitag, just zu der Zeit, da eigentlich der Bieranstich stattfinden sollte. Das Motto lautet „Die ausgefallene Kirchweih!“.

Die Führung beginnt um 17.30 Uhr am Schusterbrunnen. und endet auf dem Ansbacher Tor Keller. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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