Stilblüten

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Das Leben kann sehr ernst sein, vor allem in Zeiten wie der jetzigen. Stündlich werden wir mit neuen Corona-Nachrichten überfüttert; früher nannte man schlimme Nachrichten „Hiobsbotschaften“. Hiob, ein wohlhabender und gerechter Mann, wird vom Satan heimgesucht und mit Strafen überhäuft, weil er Gott abzuschwören sollte, es aber nicht tut. Demnach waren und sind Hiobsbotschaften Unglücksnachrichten oder Schreckensmeldungen, die den gutmütigen, gottgläubigen Mann nicht von seinem Glauben an den guten Gott abbringen sollten. Wollen wir uns also von schlimmen Meldungen nicht verunsichern lassen. Und weil das Leben derzeit sehr viele ernste und schlimme Nachrichten für uns bereithält, sollen unsere Leser auch einmal wieder etwas zum Schmunzeln oder zum Lachen erhalten. Platte und primitive Nachrichten finden sich in der Regenbogen- oder Boulevardpresse zu Hauf. Aber unsere Leser sollen trotz oder gerade bei der ernsten Lage hin und wieder ein wenig schmunzeln können. Und was bietet sich da besser an als Geschichten aus Kinder- oder Schülermund. Mögen unsere Leser viel Spaß an solche Blüten aus Schülerarbeiten haben, die man auch, auch als Stilblüten bezeichnet.

Was hat der arme Schüler sich bei folgendem Satz wohl gedacht? „Die Lawine begrub alles unter sich und das Wehgeschrei der Toten drang bis ins Tal!“ Sehr nett sind immer Personenbeschreibungen zu lesen; „Die blauen tiefliegenden Augen (meiner Mutter) weisen eine große Pupille aus. Ihre durchdringend umherflitzenden Sehwerkzeuge werden von kleinen Liedern (statt Lidern) und langen schwarzen Wimpern herausgehoben“ Und bei der Beschreibung seines Banknachbarn notiert ein anderer „Fritz ist ein guter Freund, auch wenn er einen Kopf größer ist als ich     Seine Hände sind aber noch mit Babyspeck bedeckt.“ Falls Schüler jetzt in „Heimarbeit“ Mama oder Papa beschreiben sollen: bitte nicht ganz so poetisch oder salbungsvoll, auch wenn man sich „vornehm“ oder gehoben ausdrücken will!

Was versteht der folgende Schreiber von Liebe, wenn er notiert: „Kinder brauchen LIEBESSPIELZEUG“ wie zum Beispiel Plüschtiere? Na ja, manche Teenies oder Twens denken da ein wenig anders darüber beim Begriff „Liebesspielzeug“. Und welche Vorstellung von Sex hat der folgende junge Mann, der notiert hat „Der Zug war so überfüllt, dass sich die Menschen zwischen den Abteilen fortpflanzen mussten“? Und wir brauchen uns künftig auch keine Angst um den Priesternachwuchs mehr machen, weil Jugendlichen notierten „Das Spiel (Denkspiele!) fördert die geistlichen Fähigkeiten der Kinder!“ Und wie steht es um die sexuale Aufklärung unserer Schüler, wenn da ein 14Jähriger über seinen Banknachbarn schreibt: „er ist ein Frühreifer, deswegen sind seine schwarzen Augenbrauen auch bereits zusammengewachsen…“ und wie innig denkt letztlich ein 15Jähriger an die Zukunft, der notiert hat „Mein Banknachbar ist jungen Damen gegenüber sehr zuvorkommend, scheint aber die Richtige noch nicht gefunden zu haben, denn er ist immer noch Junggeselle!“

Ein 16Jähriger schrieb allen Ernstes „Ein Staatsstreich ist ein Streich, wenn ein Staat einem anderen einen Streich spielt“. Man darf gespannt sein, welche Streiche künftig der koreanische Diktator Kim seinem unmittelbaren Nachbarn spielen wird. Und überhaupt haben viele Jugendliche keine genauen Vorstellungen von der Gesundheit, wenn man über einen Urlaub im Bayerischen lesen muss „“Viele Kurgäste laufen eine halbe Stunde durch den Stall, weil Landluft so gesund ist, nicht nur im Stall, sondern überall.“ Und was will jener aussagen, wenn er notiert „Mein Schneeball wuchs zu einer großen Kugel, - mein Schwesterchen machte es ebenso…“

Einige Beispiele aus dem Bereich Ehe, Liebe, Sex gefällig? „Wenn ein Mann und eine Frau sich verlieben, lügen sie sich zuerst ein bisschen an, damit sie sich auch füreinander interessieren.“ Und wie liest sich Folgendes? “Bei uns hat jeder sein eigenes Zimmer. Nur Papi nicht, der muss immer bei Mami schlafen!“

Wer weiß, was man unter Monogamie versteht? Der kleine Fritz hat es erkannt: „Bei uns dürfen Männer nur eine Frau heiraten – das nennt man Monotonie!“ Und sein Banknachbar, bereits aufgeklärt, notierte in seinem Aufsatz „Wenn man Kinder haben will, muss man entweder Sex machen oder heiraten!“ Stimmt das etwa nicht? Und zu Fragen nach dem Begriff Adoption erfährt man von Kindern „Eigentlich ist adoptieren viel besser, denn da können die Eltern ihre Kinder aussuchen und müssen nicht nehmen, was sie bekommen.“ Und ein anderer Schüler hat notiert „Am Wochenende ist Papi Sieger bei der Kaninchenschau geworden“, der arme Papi als „Edelrammler“ bei den Hasenzüchtern in der Herzogenauracher Nutzung, herrlich!

Gibt es gegen folgende nette Beschreibung Einwände? „… dann gingen wir noch im Erlanger Schossgarten spazieren. Am Ende des Parks war ein Haus, wo Mütter ihre Kinder gebären. Eine Gebärmutter schaute freundlich aus dem Fenster heraus.“

Interessant die Erklärung für den Begriff „Rotes Kreuz“: „Beim Roten Kreuz widmen sich Männer und Frauen der Liebe. Manche tun es umsonst, andere bekommen es bezahlt.“ Gibt es etwas gegen folgende geographische Feststellung einzuwenden? „In Lappland wohnen zwei Sorten von Menschen. Die reichen Lappen fahren im Rentiergespann, die armen Lappen gehen zu Fuß; daher nennt man sie Fußlappen.“

Und zum Schluss noch etwas zur Tante Ruth! „Tante Ruth schenkte mir eine Sparbüchse. Sie war ein Schwein und hatte Schlitze; hinten einen fürs Papier und vorne einen fürs Harte!“ Und weil wir gerade beim Geld sind: „Eine Lebensversicherung ist das Geld, das man bekommt, wenn man einen tödlichen Unfall überlebt!“. Auch aus dem Religionsunterricht haben manche Schüler etwas mitbekommen. Der kleine Jochen hat das richtig (?) formuliert: „Adam und Eva wohnten in Paris (statt Paradies)“. Gerdi aus der 2. Klasse und ein Jahr vor dem Gang zur 1. Hl. Kommunion, weiß es außerdem genau: „Unter der Woche wohnt Gott im Himmel. Nur Sonntag kommt er in die Kirche!“ Und sein Nachbar bekennt: „Ich bin zwar noch nicht getauft, dafür aber geimpft!“

Eine weise Erkenntnis von kleinen Benjamin lautet: „Die Menschen wurden früher nicht so, obwohl sie weniger Verkehr hatten“ Fazit: Nur ein Schuft ist, wer Böses dabei denkt! Und der 11jährige Metzgersohn notierte: „Eines der nützlichsten Tiere ist das Schwein. Von ihm kann man alles verwenden: das Fleisch von vorn bis hinten, die Haut für Leder, die Borsten für Bürsten und den Namen als Schimpfwort!“

In diesem Sinn: Unseren Leserinnen und Lesern selbst in ernsten Zeiten immer ein frohes Gemüt und ein wenig lachen! alles Gute, bleiben Sie gesund und denken Sie noch hin und wieder an Ihre Schulzeit zurück!

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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