Dettelbach 2019

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20180624 152714Herzogenaurach. Der unterfränkische Wallfahrtsort Dettelbach ist am kommenden Wochenende wieder einmal das Ziel zahlreicher Herzogenauracher Christen, denn die 281. Wallfahrt zu „Maria in arena –Maria im Sand“ steht an (lateinisch „arena“ = der Sand).

Dettelbach, der kleine Winzerort im Fürstbistum Würzburg entwickelte sich seit seiner Stadterhebung 1484 und dank des verstärkten Weinanbaus auf stolze 460 Hektar (knapp 1000 Fußballfelder) und aufgrund einer „wundersamen Heilung eines Schwerverletzten im Jahr 1505“ zu einem beliebten Wallfahrtsort über die Grenzen Frankens hinaus. Nikolaus Lemmer aus dem unterfränkischen Melkendorf hatte man nach einer Wirtshausschlägerei schwerverletzt zu einem Gnadenbild in Dettelbach gebracht, wo Lemmer nach intensivem Beten „auf wundersame Weise“ wieder gesund wurde.

Darauf wurde über dem Bildstock (FOTO des Gnadenbildes!!) zunächst eine kleine Kapelle errichtet und nach Einführung der Gegenreformation wurde auf Initiative von Julius Echter von Mespelbrunn das Wallfahrtswesen wiederbelebt. Die Pilger wurden seit 1616 und bis vor zwei Jahren von Franziskanern aus dem oberhalb der Wallfahrtsbasilika errichteten Kloster betreut.

In den letzten Jahren kamen zwischen Mai und Oktober rund 8000 Wallfahrer nach Dettelbach. Im Januar2017 musste das Kloster wegen Nachwuchsmangels geschlossen werden; die Betreuung der Pilger hat seitdem die Pfarrei Dettelbach übernommen.

 

Die Herzogenauracher Wallfahrt - früher und heute

Herzogenauracher Katholiken zogen seit 1738 in den unterfränkischen Gnadenort, um für ihre Heimatstadt und ihre Familien um Gnade und Beistand zu bitten. Als Ursache für die 1. Wallfahrt werden in den ältesten Aufzeichnungen und im 1. Wallfahrtsbuch von Pfarrer Johann Erhard Ammon (1757) „eine ziemliche Teuerung und folgende Not wegen leidiger Ungewitter“ genannt.

Vier Tage waren unsere Vorfahren früher unterwegs, am Weg für die Fußwallfahrt hat sich von Anfang an wenig geändert. Von der Pfarrkirche aus führte der Weg in Richtung Großenseebach, Dannberg, Hesselberg und über Krausenbechhofen nach Höchstadt. Hier war die erste große Rast von einer Stunde angesagt. Die Verantwortlichen sollten jedoch darauf achten, dass „überflüssiges Essen und Trinken nicht überhand nehme“. Das Ziel am ersten Wallfahrtstag war und ist damals wie heute Geiselwind. Hier mussten (früher !?) die „Vorsteher“ vor allem darauf achten, dass die jungen beiderlei Geschlechts „abgesondert liegen!“. Über Wiesentheid führte der Weg dann in Richtung Main, den man bei Schwarzenau überquerte, bevor der Gnadenort erreicht wurde. Zwei weitere Tage dauerte schließlich der Rückmarsch auf der genannten Strecke.

Wir dürfen davon ausgehen, dass unsere Vorfahren sicherlich ein Begleitfuhrwerk für das Notwendigste an Kleidung und Verpflegung mitführten. Lediglich in Kriegszeiten wird es wohl eine Unterbrechung der Wallfahrt gegeben haben, so in den Unruhejahren um 1800 und später.

Mit Fertigstellung der Bahnlinie Nürnberg/Fürth – Würzburg (1865) zog die Wallfahrt per Fuß zunächst nach Emskirchen, von hier aus nutzte man die Eisenbahn bis Mainstockheim, dann ging es wieder so wie bis vor wenigen Jahren zu Fuß hinüber zur Wallfahrtskirche. Ab 1954 führte die Wallfahrt von der Pfarrkirche Maria Magdalena nach Puschendorf; von hier aus fuhr man mit der Bahn bis Maistockheim. Als die DB den Fahrplan zuungunsten der Herzogenauracher Wallfahrer änderte, wich man von Puschendorf aus auf den Omnibus aus.

Den beschwerlichsten Weg haben auch in diesem Jahr die 55 Unentwegten um Helmut Fischer vor sich, welche die 85 schweißtreibenden Kilometer zu Fuß zurücklegen. Fischer hatte 1988 die reine Fußwallfahrt wiede belebt und mit seinem „Fähnlein der 7 Aufrechten“ den Wallfahrts-Buß-Weg auf sich genommen; seit 1988 hat er seine Gruppe angeführt. Er selbst und Klaus Süß sind die letzten beiden Teilnehmer der ersten Stunde von 1988.

In Dettelbach beteiligen sich alle Wallfahrer um 21.30 Uhr an der Lichterprozession um den Kirchenbereich; danach ist für alle Teilnehmer ein gemütliches Beisammensein angesagt.

Am Sonntag um 9.00 Uhr ist die Kirche „Maria im Sand“ mit den erwähnten Gruppen gefüllt. Die Wallfahrtsleiter Thomas Kotzer (Gesamtleitung), Helmut Fischer (Fußwallfahrer) sowie Thomas Matzick (Firmlinge/Radfahrer) Brigitte Kreppel (Buswallfahrer) treffen sich dann beim Festgottesdienst mit Stadtpfarrer Helmut Hetzel 55 Fußwallfahrer, 35 Bus-/Fußwallfahrer, 25 Firmlinge, zahlreiche reine Buswallfahrer (hier sind noch Plätze frei !) sowie viele Herzogenauracher aller drei Pfarreien, die mit privaten Pkws nach Dettelbach gefahren sind, werden dafür sorgen, dass Dettelbach wieder einmal fest in Herzogenauracher Hand ist.

Fazit: Die Basilika „Maria im Sand“ in Dettelbach wird am kommenden Sonntag 30. Juni wiederbis auf den letzten Platz gefüllt sein mit gläubigen Herzogenaurachern. Für Kurzentschlossene besteht noch die Möglichkeit, sich den einzelnen Gruppen anzuschließen. Auskunft hierzu erteilt Wallfahrtsleiter Thomas Kotzer (Marktplatz 6 – Fa. Ellwanger Tel. 9474).

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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