Muttergottes kehrt zurück

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img413Herzogenaurach. Rund 18 Monate war sie verschwunden, die geschnitzte Muttergottes über dem Eingang zur „Apotheke am Markt“. Das hölzerne Kunstwerk war in die Jahre gekommen und bedurfte dringend einer Restaurierung. Der aus Herzogenaurach stammende Restaurator Erwin Rösch, inzwischen in einem Scheßlitzer Ortsteil nordöstlich von Bamberg zu Hause, hatte vom Hausbesitzer, dem Apotheker Georgios Halkias den Auftrag zur fachgerechten Wiederherstellung erhalten und wird die Schutzmantelmadonna am Samstag, 07. Juli, wieder zurück an ihren angestammten Platz bringen.

Wäre es nach dem Heimatverein gegangen, der den Besitzer bei seinem Vorhaben unterstützte, so hätte die Madonna schon zur Fronleichnamsprozession Ende Mai wieder vom Haus an der Ecke Steinweg/Kirchenplatz herab gegrüßt. Doch da Restaurator Rösch mit einer Vielzahl anderer Arbeiten eingedeckt war, u.a. arbeitet er auch an der Wiederherstellung von Kunstwerken im Bamberger Dom, verzögerte sich die Wiederanbringung der Marienfigur.

Wer die Marienfigur einst gestiftet hat und wann das geschehen ist, darüber gibt es keine genauen Angaben. Irene Lederer zuständig für Stadtmuseum und Stadtarchiv konnte nur insoweit helfen, als sie die Besitzer des Anwesens Kirchenplatz in den städtischen Unterlagen ausfindig machen konnte. In Herzogenaurach erinnern sich viele ältere Anwohner noch daran, dass in der heutigen Apotheke bis Mitte/Ende der 70er Jahre die Gaststätte „Weißer Hahn“ Bestand hatte. In Herzogenaurach sprach man scherzhaft auch von der „Schwarzen Henne“ (die Schwarz Hehna) und schätzten die hervorragende fränkische Küche der Wirtin.

img415Was die Geschichte des Anwesens angeht, so ist aus den Archivunterlagen eine längere Liste von Besitzern vorhanden: in den ältesten Nachrichten aus dem Jahr 1721 ist von einem Neubau aus dem Jahr 1721die Rede, den ein A.M. (Andreas Menschel) in Auftrag gegeben hat. 1784 war eine Frau Maylaender (die Maylaenderin) die Besitzerin, die das Anwesen an Johann Adler verkaufte. Ab 1815 gehörte das Anwesen dem Magistratsrat Philipp Liedel und nach dessen Tod ging es an dessen Witwe Barbara Liedel. Es folgten Georg Michael Fischer und dessen Sohn Georg, der in den 50er/60er Jahren des 19. Jahrhunderts jedoch in die USA auswanderte. Melchior und Chrristoph Staudigel bewohnten das Haus dann bis 1924 bevor es ein Lorenz Derrfuß erwarb.

Zusätzlich zur Beyschlagschen Apotheke in der Hauptstraße und zur Stadt-Apotheke (damals noch Hauptstraße 42) eröffnete schließlich Jahre nach dem 2. Weltkrieg Apotheker Stehle hier die dritte Herzogenaurach Apotheke, bevor Georgios Halkias die Apotheke am Markt übernommen hat., - er hatte bereits während seines Pharmaziestudiums in Erlangen in der ältesten Apotheke der Stadt, der Beyschlagschen Apotheke, ausgeholfen und praktiziert und später für Apotheker Joachim Stehle gearbeitet. 2001 übernahm er dann das gesamte Anwesen einschließlich der Apotheke.

img416Am kommenden Samstag gegen 14 Uhr wird die restaurierte spätbarocke Madonna zurückkehren und dann im restaurierten Gewande wieder von ihrem eigentlichen Standplatz herab die Vorübergehenden grüßen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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