Sagen: Der Hirschkopf an der Sakristei der Pfarrkirche

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Am Chor der Herzogenauracher Stadtpfarrkirche Maria Magdalena befindet sich neben der Sakristei ein Hirschkopf aus Stein.

Die Überlieferung berichtet, dass das erste Gotteshaus ursprünglich in den Aurachauen erbaut werden sollte. Doch das Mauerwerk, das tagsüber errichtet worden war, verschwand jede Nacht auf geheimnisvolle Weise.

Am nächsten Morgen fand man die Steine stets oben auf der Anhöhe des heutigen Kirchenplatzes wieder. Ängstliche Gemüter vermuteten schon, dass hier der Teufel am Werk sei. Da legten sich beherzte Männer nachts auf die Lauer und ihr Erstaunen war groß, als sie einen mächtigen Hirsch bergan ziehen sahen,

Die Wächter berichteten von ihrem Erlebnis und von dem Augenblick an waren alle Bürger der Meinung, dass es Gottes Wille sei, die Kirche auf der Anhöhe und am heutigen Standort zu erbauen.

Bei dieser Überlieferung lässt sich mit Germanisten sicher darüber diskutieren. ob es sich um eine Sage oder um eine Legende handelt. Legenden waren ursprünglich Lesungen ausgewählter Kapitel aus dem Leben eines Heiligen am tag seines Festes im Kirchenkalender dann wurden sie übertragen auf die religiös erbaulichen Erzählungen vom gesamten Leben und Leiden eines Heiligen. Geht man von den Definitionen in einschlägigen Werken aus, so ist die Legende „eine Heiligensage, eine Abart der Volkssage in der sich Gottes Willen auf übernatürliche Weise (z.B. durch Wunder) im irdischen Geschehen zeigt.

Die Sage; speziell die Volkssage spiegelt nach Definition der Literaturwissenschaft „naives, unkritisches Wissen des Volkes wider......." und erzählt von merkwürdigen Begebenheiten, die aus dem Alltäglichen herausragen. Die Sage will packen, eventuell sogar erschüttern, den Hörerkreis in Staunen und Grauen versetzen, aber auch zum Nach denken führen.

Vergleicht man diese Definitionen, so dürfte sich es bei unserem „Erzählstoff" eher um eine Sage als um eine Legende handeln.

Was auch immer der Steinmetz sich bei der Darstellung des Hirschkopfes oberhalb der Sakristei gedacht haben mag, wir wissen es nicht. Für die Menschen an der Aurach war seine unerklärliche Darstellung Anlass, eine nette Erzählung über Jahrhunderte weiterzugeben.

                                                                                           Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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