Vortrag: Gernot Klarmanns, Kaffee und seine Geschichte

Herzogenaurach. Informativ und amüsant mit zahlreichen Anekdoten geschmückt – so die Resonanz der Zuhörer beim Heimatverein über Gernot Klarmanns Vortrag über den Kaffee und seine Geschichte. Der Referent ging der Frage nach: Warum wurde er Kaffee zum beliebten Getränk, woher kam das schwarze Getränk überhaupt und welche Wirkung zeigt er?

Klarmann klärte auf und führte seine Zuhörer in den Jemen und nach Abessinien (=Äthiopien) des 9. Jahrhunderts. Hier im Osten Afrikas wachsen Sträucher mit kleinen weißen Blüten und roten Beeren. Ziegen, die von den Blüten und den Beeren „naschten“, zeigten anschließend eigenartige Reaktionen. Statt nach dem Fraß sich zur Ruhe zu legen, wurden sie quicklebendig und übermütig. Es dauerte nicht lange, bis sich Menschen diese Erscheinung zunutze machten und Aufgüsse von den Beeren machten. Einer Legende zu Folge soll der schwer kranke Prophet Mohammed nach dem Genuss dieses Getränks wieder gesund geworden sein. Seine Lebenskräfte und seine Manneskraft kehrten zurück.

Über Händler kamen die Beeren in den Jemen, wo er als ungefilterter „Mokka“ serviert wurde, und auf die arabische Halbinsel. Selbst die Königin von Saba soll das aufmunternde Gebräu genossen haben und überhaupt ranken sich zahlreiche Geschichten wie jene aus 1001-Nacht um positive oder negative Wirkung des Kaffees. Über die Jahrhunderte hinweg wurde der Kaffee Genuss erlaubt, dann wieder verteufelt und verboten, man peitschte Kaffeetrinker aus, und erlaubte das Getränk Jahre später– allerdings nur für Männer, denn vielfach sah man in ihm ein Aphrodisiakum, also ein luststeigerndes Getränk.

Schon vor der Belagerung Wiens durch die Türken (1683) war der Kaffee in Europa bekannt. Für venezianische Kaufleute war er ein wichtiges Zahlungsmittel. Schon 1615 gab es in Venedig, dem Zentrum des Orienthandels die ersten Kaffeehäuser, wenngleich man diese als „Orte der Verderblichkeit“ und das Getränk als „Gebräu des Satans“ verteufelte. Anders reagierte da Papst Clemens VIII., der vom Kaffee als von einem „Christengetränk“ sprach. Weitere Kaffeehäuser sind für Venedig (1645), Oxford (1650), Paris und Wien in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts nachgewiesen. Im gleichen Jahrhundert finden sich Kaffeestuben in den Hansestädten Hamburg und Bremen (Cafe´ Princess).

Klarmann räumte in seinem Vortrag auch mit der Legende auf, dass der Pole Kolschitzky für seine Dienste bei der erfolgreichen Abwehr der Türken bei der Belagerung Wiens mit 500 Sack Kaffee aus der Beute belohnt worden sei.

Die deutsche Prinzessin Liselotte von der Pfalz, Schwägerin des Franzosenkönigs Ludwigs XIV., hielt von dem „rußgeschwärzten Wasser“ wenig und lehnte es entschieden ab. Anders war das an vielen Fürstenhöfen, da man bemerkte, dass statt der morgendlichen dünnen Biersuppe der Kaffeegenuss die arbeitende Bevölkerung und auch die Soldaten aufmunterte, statt sie zu ermüden oder träge zu machen. Der Preußenkönig Friedrich II. (der „Alte Fritz“) verbot das Kaffeetrinken in seinen Staaten. Er wollte verhindern, dass Geld für die teuren Bohnen ins Ausland wanderte. Eigens angestellte Kaffeeschnüffler wurden herumgeschickt; sie waren allerdings wenig erfolgreich, so dass das Verbot des Kaffee Trinkens bald wieder aufgehoben wurde. Im Königreich Sachsen hatte sich damals bereits unter den Soldaten der Spruch weit verbreitet: Ohne Gaffee gann ich nich gämpfen!

Inzwischen hatte sich die Porzellanindustrie den zunehmenden Kaffeegenuss zunutze gemacht. Elegante Tassen und Untertassen – aus ihnen schlürfte man übrigens den Kaffee - dienten den hohen Herrschaften beim Trank des aufmunternden Gebräus, das nach ausländischem Vorbild längst mit Zucker und/oder Milch versetzt zum beliebten Genussgetränk geworden war. Am Boden vieler Tassen waren häufig Blumen aufgemalt, so dass man später bei dünnem Kaffee von „Blümchenkaffee“ sprach, weil man eben diese Blumen sehen konnte. Der Begriff „Muckefuck“ (falscher Kaffee) ist eine Verballhornung des französischen Begriffs für „schlechter Kaffee“. Und nach dem letzten Weltkrieg tranken viele Bundesbürger ihren Malzkaffee der Marken Kathreiner oder Quieta; in den Jahren des Wirtschaftswunders traf man sich schließlich bei Bohnenkaffee wieder zu den beliebten „Kaffeekränzchen“. Der in Indonesien bekannte „black ivory“-Kaffee, aus dem Mist von Elefanten gebrüht, hat sich in Deutschland allerdings bisher nicht durchsetzen können, schließlich kostet das Kilo stolze 850 Euro.

Brasilien, Vietnam und Kolumbien liegen beim Export der beliebten Bohnen an der Spitze. Den höchsten Kaffeeverbrauch weisen die skandinavischen Länder mit Finnland an der Spitze. Dort trinkt man täglich ca. eine Tasse mehr Kaffee (3,6 Tassen/Person) als in Deutschland (2,6 Tassen).

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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