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Christine Spiller: "Wer durchs Schlüsselloch schaut, wird blind"

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Herzogenaurach. „Ich muss in dieser Woche noch unbedingt einige Weihnachtsgeschenke kaufen....!" Wer von unseren Lesern kennt nicht diesen Ausspruch und die Situation, dass man kurz vor dem Fest aller Feste in Weihnachtspanik gerät, weil man für Onkel Franz oder Tante Betty noch ein Geschenk benötigt.

„Warum geht es zu Weihnachten eigentlich nie ohne Geschenke? Es ist dermaßen dämlich, alle übernehmen sich und werfen wider Willen viel Geld aus dem Fenster, meistens für sinnloses Zeug, das kein Mensch haben will. Von wegen kleine Liebesbeweise - hinter allem steht der reine Zwang...Was soll es denn für einen Sinn haben, dass die ganze Nation sechs Wochen lang missgelaunt herumrast und sich auf den Geschmack anderer Leute einstellen muss, wo doch dieses Unterfangen nachweislich noch nie gelungen ist. Am Ende sitzt die ganze Nation vor einem Haufen dämlicher Sachen und weiß nicht, was sie sagen soll.....". Nachzulesen ist dieses Zitat in Helen Fieldings Roman (2001) „Schokolade zum Frühstück".

Christine Spiller, Kunsthistorikerin und Leiterin des Coburger Puppenmuseums ist kürzlich bei einem Vortrag vor dem Heimatverein unter dem Titel „Vom Schenken und der Bescherung an Weihnachten" dem Phänomen „Weihnachtsgeschenke" nachgegangen. Und sie fragte: "Was bedeutet Schenken für die Beziehung zwischen zwei Menschen? Und warum ist es besonders an Weihnachten so wichtig?"

Unter dem Begriff „Geschenk" versteht man seit dem Mittelalter im Deutschen soviel wie „Zum Trinken Eingeschenktes" später „einen Gegenstand, den man jemandem gibt, um ihm eine Freude zu machen, jedoch ohne eine Gegenleistung zu erwarten." Und im allgemeinen Sprachgebrauch haben sich die folgenden Begriffe eingebürgert, wie„einem Kind das Leben schenken" oder „einer Sache Aufmerksamkeit oder einem Mitmenschen Vertrauen schenken". 

Die Ursprünge der Schenktradition zur Weihnachtszeit werden auf das Neue Testament zurückgeführt, wo bekanntlich im Matthäus Evangelium von Geschenken der „Weisen aus dem Morgenland", nämlich von Gold, Weihrauch und Myrrhe die Rede ist.

Unsere heutige Schenktradition, so Christine Spiller, ist eigentlich erst in der Nachkriegszeit während des Wirtschaftswunders entstanden und hat anfangs hauptsächlich Kinderwünschen entsprochen. In den Hungerjahren der Weimarer Republik und selbst vor dem 2. Weltkrieg und während des Krieges waren Weihnachtswünsche eher bescheiden. Da bog sich der Gabentisch noch nicht und die Kinder waren zufrieden, wenn sie das selbst gebastelte Puppenhaus, die Puppenküche, die neu eingekleidete Puppe, die hölzerne Eisenbahn oder den Baukasten mit den hölzernen Klötzchen frisch aufpoliert vom Christkind zum wiederholten Mal geschenkt bekam, denn es war üblich, dass das Christkind die Spielsachen nach dem Dreikönigstag wieder aus den Stuben geholt hat. „Mein Bruder hat jedes Jahr sein Schaukelpferd (wieder) bekommen und für mich hatte der Großvater einen wunderschönen weißen Schwan zum Schaukeln gebastelt", so eine Teilnehmerin bei einem Gesprächskreis des Heimatvereins zu diesem Thema.

Kinderbescherung im heutigen Stil ist erstmals 1535 bei Martin Luther belegt, allerdings nicht an Weihnachten, sondern am Nikolaustag. Seit der Reformation gab es dann im „Lutherischen" Geschenke vom „Heiligen Christ". Und in Anlehnung an das „Jesuskind" wurde schließlich das „Christkind" im Deutschen zum Gabenbringer, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, wie in Italien, wo Geschenke beispielsweise erst am Dreikönigstag in Anlehnung an die „Heiligen drei Könige" gereicht werden.

Vor dem Krieg und während der Jahre bis zur Währungsreform war man schon glücklich, wenn am Heiligen Abend ein Lichterbaum die gute Stube erhellte. Am Baum brannten selbstverständlich Wachskerzen, versilberte Glaskugeln, bisweilen auch bunte Vögelchen und silberne Lamettafäden verstärkten den Glanz. Dass die Silberfäden am Dreikönigstag, wenn der Baum abgeleert wurde, wieder eingesammelt, geglättet und manchmal sogar „aufgebügelt" wurden, war eine Selbstverständlichkeit.

Der Lichterbaum war bis um 1800 nur in der Kirche und bei Adligen bekannt, wurde dann aber vom Bildungsbürgertum übernommen. In diesem Zusammenhang gab es Geschenke für das Gesinde und die Dienstboten: Äpfel, Nüsse, Gebäck, alles Geschenke mit christlicher Symbolik: die Nuss oder die Mandel in hölzerner, wertloser Schale als dem Bild verborgenen Lebens, der Apfel in Zusammenhang mit dem Sündenfall und mit der Geburt als Erlöser der Menschen von den Sünden, Zuckerwerk als „Süßigkeit" der Gnade Gottes.

Seit dem 17./18. Jahrhundert gab es dann für die Angestellten den „Weihnachtstaler", der nach dem Kirchgang ausgegeben worden ist. Denn inzwischen waren nämlich auch die Weihnachtsmärkte entstanden, vor allem in den größeren Städten, wobei der Nürnberger mit seinem reichen Angebot von Spielzeug, Lebkuchen, Rauschgoldengeln und Blechspielzeug seit 1631 bekundet ist.

Vor dem 2. Weltkrieg gab es zu Weihnachten „nützliche Sachen": Kleidung, warme Strümpfe und Handschuhe, feste Schuhe. Und zu den Spielsachen, die an Weihnachten vor dem 2. Weltkrieg vom Speicher geholt wurden, gehörten die Puppenstube mit neuen Möbeln, der Kaufladen, die Puppen mit neuen Kleidern ausgestattet samt dem Puppenwagen, für die Buben die Ritterburg die Eisenbahn und eventuell eine Dampfmaschine. Dass sich Buben in den 30 Jahren sehnlich Soldaten als Spielzeug gewünscht haben, lag in der Erziehung und in der Ideologie der Zeit begründet.

Anders und wesentlich üppiger fielen dann schon die Geschenke seit der Wirtschaftswunderzeit und dem zunehmenden Massenwohlstand aus. Doch noch immer wurde den Kindern, die das Läuten der Weihnachtsglocke vor der Bescherung nicht erwarten konnten: Wenn die Tür zum Wohnzimmer verschlossen war, weil man den Besuch des Christkinds erwartete: „Wer durch das Schlüsselloch spitzt, der wird blind!" Schließlich wollte man sicher gehen, dass der Vater oder Großvater in aller Ruhe den „Baum aufhängen und die Geschenke bereit legen konnten".

Ab den 50-er Jahren wurde die Zahl der Geschenke von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gesteigert und ab den 60-er Jahren uferte das Ganze in einen regelrechten Konsumterror aus. Und obwohl Geschenke Weihnachten erst zu einem „richtigen Weihnachten" machten und machen, erfuhr das Wort „schenken" eine gewisse Abwertung im Sprachgebrauch: „Das ist ja fast geschenkt" oder „Das kannst du dir schenken" wurden allgemein zu gängigen Redewendungen ebenso der Ausspruch „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft".

In der Hoffnung, dass unsere Leser keinen Geschenkberater via Internet benötigen, dass sie mit ihren Geschenken Freude bereiten, weil sie aus Liebe und Freundschaft schenken, wünschen wir schon heute ein frohes Weihnachtsfest mit schönen Geschenken und vor Freude strahlenden Augen.

                      Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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