Lichtmeß – Maria(e) Lichtmeß

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Lichtmeß aus kirchlicher Sicht

 Herzogenaurach. Mit dem Fest „Mariä Lichtmeß“ endet die weihnachtliche Zeit. Im 5. Jahrhundert führte Papst Sergius I. dieses Fest anstelle an Stelle des heidnischen Festes der „Februatio“ ein, das alle Vergehen sühnen und die Einflüsse böser Dämonen vertreiben sollte. Der Name „Mariä Reinigung“ erinnert an den im Buch Moses vorgeschriebnen Besuch der Mutter im Tempel am 40. Tag nach der Geburt des Kindes, also an das Reinigungsopfer Mariä und die Darstellung Jesu im Tempel.

Die Katholische Kirche hat zum Gedächtnis an den Ausspüruch des greisen Simeon, der das Kleine Jesuskind „ein Licht zutr Erleuchtung der Heiden“ nannte, die Weihe des Lichts angeordnet. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Fest „Mariä Reinigung“ mehrfach seinen Namen, der erst „Frauentag“ und „Lichtweih“ , dann „Lichtmesse“ und im 14./15. Jh. „fewer“

(Lichtfeuer) hieß, bis schließlich der heutige Name entstand.

Dieser Name kommt von der großen katholischen „Lichtermesse“, die an diesem Feiertag stattfand (2. Februar) und regional auch heute noch gehalten wird. Dabei weiht der Priester das für das gesamte Jahr in der Kirche und im Haus benötigt Wachs, darunter die Wachsstöcke für die Frühmessen (und morgendlichen Engel-Ämter, die schwarzen Wetter- und Gewitterkerzen, die langen Aufsteckkerzen für die armen Seelen (es gab noch kein elektrisches Licht!) und alle Kerzen für den Hausgebrauch. Ganz früher wurden auch die prächtigen Wachsstöcke für die heiratsfähigen Töchter mit bei der Weihe einbezogen. Die geweihten Kerzen sollten vor Krankheit und Tod, vor Blitz und Hegelschlag schützen. N och vor dem Siegeszug des elektrischen Lichts nahm das Wachslicht besonders im bäuerlichen Leben eine herausragende Stellung einnahm. Erst in der frühen Neuzeit löste das billigere Talglicht das kostbare und teuere Bienenwachs ab. Und wenn man heute jemanden nachsagt, er schaue „wie ein Ölgötze“, dann ist damit der Vergleich mit einem der teils fratzenhaften Schirme gemeint, die man gegen die Blendwirkung vor die brennenden Lichter an den Wänden oder an den Treppenaufgängen befestigt hatte.

Lichtmeß in bäuerlicher Sicht

Bis in Jahre 1930/35 hatte der Lichtmeßtag als Ding- und Wechseltag“ , auch Schlenkeltag (Schlenkel/ schlenkeln -= Wechsel, wandern) eine wesentlich Rolle. An diesem Tag wurde entweder der Wechsel bei den Dienstboten vollzogen .Häufiger jedoch wurde in der Regel mündlich ein Dienstvertrag abgeschlossen oder verlängert und den Knechten und Mägden dann der gesamt Lohn für das zurückliegende Jahr ausbezahlt; die wöchentliche oder monatliche Auszahlung war noch nicht üblich. Gemessen am heutigen Lohn war die damalige Auszahlung jedoch mager. Ein Großknecht verdiente 100 Mark, eine gute Magd freute sich über 85 Mark. Im Lohn waren zwar freie Kost und Verpflegung sowie Wäsche und Kleidung inbegriffen, bisweilen gab es auch ein „Draufgeld“ für besondere Leistungen oder wenn der Bauer mit der Leistung seines/er Angestellten besonders zufrieden war.

Noch bis in unsere Zeit hielten sich in den Städten die „Lichtmeßmärkte“ (mancherorts auch „Schlenkel-Märkte“ von „schlenkeln …..). Hier konnte man einen Teil des erhaltenen Lohns in Brauchbares oder Notweniges umsetzen: ein schönes Gewand oder den Stoff dafür, einen Hut, ein Brotzeitmesser für den Knecht usw. Die Tage um den Lichtmeß-Markt erinnerter daran, dass es für die Dienstboten echte „Feier-Tage“ waren, mit Wirtshausbesuchen, Tanz, ausgelassenem Essen und Trinken sowie der Möglichkeit, Notwendiges zu kaufen.

In Aufzeichnungen einer Magd über ihren Jahreslohn auf einem größeren Hof aus dem Jahr 1910 heißt es: „Jahreslohn 200 Mark in Silber (gemeint sind Münzen) sechs Meter Stoff zu einem Festkleid von der Näherin gemacht, ein Feiertagstuch, zwei

Weihnachtsgeschenk: :Stellgeld für ein Schwein 50 Pfennig, für ein Kalb 1 Mark, für ein Großvieh 2 Mark. Erlaubnis nach Hause( zu gehen) zu Taufen, Leichen, Fastnacht, an Ostern, Pfingsten und zu Hochzeiten… bei schlechter Behandlung das Recht zu sofortigem Austritt (Kündigung). Gutes warmes Schlafzimmer, k, nicht mähen …Abend frei. Licht im Schlafzimmer. Mit keinem Pferd umgehen eine Frucht- und Kartoffelsäcke tragen…“ All das war für die Zeit vor dem 1. Weltkrieg schon eine Ausnahme und eine Besonderheit .Diese Magd hatte wirklich einen „perfekten“ Arbeitsplatz und wohl keinen Grund zur Kündigung.

In einem anderen Dienstbotenbuch ist zu lesen: „…hat treu und redlich gedient, ich hätt´   ihn auch gerne behalten…“ Aber scheinbar wollte der Knecht an anderer Stelle arbeiten. Es gab jedoch auch negative Eintragungen in das Dienstbotenzeugnis (--buch. „Zum Spinnen war sie nedd viel nutz – obber doch zum Waafn (Paudern; Ratschen; waschen (im Sinne von klatschen, tratschen; vgl. Waschweib) hodd sie aa scho könnt, obber ohne Saafn (Seife).“ Und schließlich hat der Hausherr notiert „Ehrlich und treu wär´ sie mir gwest, wenn ich ner nett alles zugschberrt hätt!“

Wetter-Regeln

„Lichtmess – am Dooch zu Nacht ess“! So lautet eine alte Redensart, das Wetter und die Jahreszeit betreffend. Also, ab dem Beginn des Monats Februar wurden die Tage bereits wieder deutlich länger. Angeblich konnte man jetzt auch Rückschlüsse auf die Witterung des gesamten Jahres ziehen: Ein trüber, dunkler Tag versprach für die kommenden Monate gutes Wetter und reiche Ernte im Herbst. „Doch gibt´s an Lichtmeß Sonnenschein, wird ein spätes Frühjahr sein.“, so hieß es und andernorts sagte man „Scheint an Lichtmeß die Sonne klar, wird größeres Eis als vorher war.“ Und von alten Herzogenaurachern, vor allem von Jägern hört man heute noch „wenn der Dachs an Lichtmeß aus seinem Bau kommt und seinen Schatten sieht, bleibt er vier weitere Wochen im Winterschlaf!“

Blasius

Schließlich spielt auch der 3. Februar (im katholischen Brauchtumskalender) eine deutende Rolle. Bis in die 60er, 70er Jahre wurden selbst die Oberklassen der Gymnasien in die Gotteshäuser geführt, weil sie hier den „Blasius-Segen“ erhielten.

Blasius zählt zu den 14 Nothelfern. Er war der Überlieferung nach Arzt in Sebaste/Armenien und später auch Bischof dort (um 300 zur Zeit von Kaiser Diokletian)). Wegen seines christlichen Glaubens wurde er in das Gefängnis geworfen, in dem einem   gefangenen

Jüngling, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben rettete. Ihm zu Ehren wird seit dem 11. Jahrhundert am 3. Februar der Blasiussegen erteilt. Der Priester hält dabei zwei gekreuzte brennende Kerzen um den Kopf des Bittenden und spricht dabei die Worte „Durch die Fürbitte des heiligen Bischofs und Märtyrers Blasius befreie und bewahre Dich der Herr von jeglichem Halsleiden und von jedem anderen Leiden- im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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