Bürgermeister Hans Ort

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Drei Bürgermeister haben Herzogenaurachs Geschichte in der Nachkriegszeit und in den Jahren des Wiederaufbaus und der politischen und wirtschaftlichen Konsolidierung im Wesentlichen geprägt: Hans Maier (1975-1970 wir berichteten) sowie seine Nachfolger Hans Ort (1970-1990) und schließlich Hans Lang (1990-2008).

Von Oberfranken nach Mittelfranken

Hans Ort, wie sein Vorgänger ein Arbeitersohn aus kleinen Verhältnissen, an der Ecke Hauptstraße-Steggasse aufgewachsen, studierte Wirtschaftswissenschaften, schloss als Diplomvolkswirt ab und war für den bayerischen Raiffeisenverband als Bezirksanwalt in Nürnberg tätig. Als Neuling auf der politischen Bühne setzte sich der 39jährige politische Neuling als Mitglied der CSU bei den Wahlen 1970 auf Anhieb gegen den vorigen Amtsinhaber Maier durch. Zwei Jahre übte er das Bürgermeisteramt ehrenamtlich gegen eine SPD-Mehrheit im Stadtrat aus. Bei den Neuwahlen zum Bürgermeisteramt, das künftig von einem Berufsbürgermeister geführt werden sollte, kam es am 12. Juni 1972 zur erneuten Abstimmung.

Hans Ort gelang ein „Erdrutsch“ in Herzogenaurach: mit knapp 74% wurde er nun als Berufsbürgermeister im Amt bestätigt. SPD Stadtrat Peter Prokop, als Notnagel für seine Partei in die Bresche gesprungen, landete abgeschlagen hinter Ort. Die Wahl bedeutete einen entscheidenden Wechsel in der Geschichte der Stadt, denn die Union erreichte mit 13 Stadträten auch die absolute Mehrheit im Stadtrat. Der ÜWB (Überparteiliche Wählerblock) brachte 2 Mitglieder in den Stadtrat. Insgesamt hatten die Wahlgewinner auf neue, jüngere Kandidaten gesetzt, die letztlich auch gewählt wurden.

In der Folge standen dem neuen Amtsinhaber Jahre wesentlicher Veränderungen und Reformen bevor: eine Kreis- Gebietsreform in Bayern stand an. Die Kreisreform brachte den Wechsel von Oberfranken und Anschluss an den Regierungsbezirk Mittelfranken. Mit der Auflösung des Altlandkreises Höchstadt rückte Herzogenaurach aus seiner Randlage des Bezirks Oberfranken ins Herz des neugegründeten Landkreises Erlangen-Höchstadt. Damit war Wirklichkeit geworden, was die Stadt schon seit 1925 versucht hatte: den Anschluss an die Region Erlangen.

Aufstieg zum Mittelzentrum

Die folgenden Verhandlungen um die Eingemeindungen der heutigen Ortsteile erfolgten teilweise ohne große Zerreißproben, hatten doch die meisten Bewohner ihre Arbeitsplätze in Herzogenaurach. Lediglich im heutigen Ortsteil Niederndorf gab es Widerstände gegen die Eingemeindung. Zweifelsheim und Höfen verzichteten auf eine Eingliederung nach Aurachtal. Burgstall, Hauptendorf und Steinbach folgten, schließlich auch Steinbach, Hammerbach mit Welkenbach. 1974 wurden Haundorf und Beutelsdorf Herzogenauracher Ortsteile und schließlich 1974 als letztes Dondörflein und die Verwaltungsgemeinschaft Eckenmühle. Niederndorf fügte sich erst 1978 ein und wurde zum 01.Mai 1978 eingemeindet, wobei sogar eine Entscheidung des Bayerischen Landtags notwendig geworden.

Herzogenaurach war dadurch an die Grenzen der räumlichen Expansionsmöglichkeiten angelangt. Neue Bebauungspläne und ein neuer Flächennutzungsplan waren notwendig, denn das Stadtgebiet hatte sich inzwischen auf ca. 4774 Hektar vergrößert. Neue Baugebiete mussten ausgewiesen werden: am Burgstaller Weg, am Schleifmühlweg, am Welkenbacher Kirchweg sowie am Lohhofer Weg. Die forcierte Ausweisung dieser neuen Wohngebiete zu annehmbaren Preisen machte die Stadt letztlich auch interessant für Pendler aus dem Erlanger-Nürnberger Umland.

Die Stadt wird moderner

Somit war es notwendig geworden, die Wohnattraktivität, die Verkehrsanbindung sowie die Freizeiteinrichtungen weiter zu verbessern. Rund um den Wiwa-Weiher entstand eine Parkanlage, im Donwald warteten schließlich seit Mitte der 70er Jahre ein Trimmpfad bzw. „Vita Parcours“ auf all jene, die sich von der „Trimm Welle“ des Deutschen Sportbundes inspirieren ließen.

Vor ein weiteres Problem sah sich die Stadt gestellt, was die Verkehrssituation betraf: Noch plagte sich der Durchgangsverkehr durch die Innenstadt: Eine Entlastung brachte hier der Bau der südlichen Achse, der Hans-Maier-Straße, sowie der Bau der sog. „Panzerstraße“ im Norden, der zunächst vor allem US-Militärfahrzeuge auffangen konnte, dem heutigen Hans-Ort-Ring.

Zum Leidwesen von Stadtkämmerer Hermann März erlebte die Stadt in den 70er Jahren ein Auf und Ab in den Steuereinnahmen. Adidas und Puma erlebten Einbußen am Weltmarkt und auch Schaeffler schwächelte. Ähnliches wiederholte sich Anfang der 80er Jahre und dabei galt es zu Orts Zeiten auch noch fehlende Kindergartenplätze zu schaffen, Schulgebäude zu erneuern, das Vereinshaus musste umgebaut werden und die Feuerwehr wartete auf ein neues Gerätehaus. Außerdem musste das marode Straßen- und Kanalnetz saniert werden und schließlich stand ein Groß-Projekt an: der Bau eines „kombinierten Freizeitzentrums mit Hallenbad und Freischwimmbecken“. 1977entschied man sich im Stadtrat für den Aurachgrund als Standort für das Großprojekt. Der Bau einer Eissporthalle wurde fallengelassen. Nach dreijähriger Bauzeit öffnete schließlich das Freizeitbad am 21. Juli 1989 seine Pforten. Vom ersten Tag an erwies sich der „Badetempel“, der nach zahlreichen Eingaben für einen passenden Namen als „ATLANTIS“ in die Geschichte einging, trotz aller Unkenrufe der Opposition als ein „Renner“; durchschnittlich 1750 Badegäste täglich stürmten noch Monate nach der Eröffnung in das modernste Badezentrum der Region.

Hans Ort wird 1978 im Amt bestätigt

Der von der Opposition erhoffte Einbruch von Hans Ort bei den Wahlen vom 05.03.1978 blieb aus. Souverän behauptete er mit 66,56% sein Mandat gegenüber seinem Kontrahenten Horst Reinecke (SPD 34,52%). Als nächste große Herausforderung musste Hans Ort die Neugestaltung der Altstadt in Angriff nehmen. Für ein 1,35 Hektar großes Areal in der historischen Altstadt, für öffentliche Gebäude und für denkmalgeschützte Privatanwesen stand eine Generalsanierung an. So wurden der Marktplatz und der Kirchenplatz umgestaltet, auch die Innenstadt wurde verkehrsberuhigt und für Fußgänger freundlicher und grüner. Neuer Mittelpunkt für die Bürger wurde der Georgs Brunnen als Zentrum am Marktplatz. Auch wenn sich an der künstlerischen Gestaltung des Schlüsselfelder Kunstschmieds Alex Kammerer heute noch immer die Geschmäcker streiten: der Brunnen ist und bleibt ein beliebter Treffpunkt für viele – und vor allem Besucher haben ihre Freude an ihm.

Herzogenaurach wurde während der Amtszeit von Hans Ort kulturell aufgeschlossener und internationaler. Mit dem Ausbau des Vereinshauses schuf die Stadt einen zentralen Veranstaltungsort für kulturelle Veranstaltungen. Und weil man in Franken gerne feiert, entwickelte sich das Altstadtfest seit 1976 zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Fremde; auch die Vereine trugen ihren Teil zum Gelingen bei. Das 1977 ausgetragene Fest zur 975. Stadterwähnung (1002-1977) war nach dem großen Nachkriegs-Stadtfest von 1948 (600 Jahre Stadterhebung) ein Höhepunkt für viele Herzogenauracher.

Städtepartnerschaften

Auch international tat sich in den jenen Jahren einiges: Ende der 60er Jahren hatte der Deutsch-Amerikanische Freundschaftsclub für gute Beziehung zwischen der US-Garnison und Deutschen beigetragen, hatte Tausende von Einheimischen zur „Deutsch-Amerikanischen Freundschaftswoche“ auf die „Base“ zu Hähnchen und Burger und zum amerikanischen Speiseeis gelockt, so waren es in der Ära Ort die „Gastarbeiter“, Privatpersonen sowie Vereine, welche internationale Kontakte herstellten: An erster Stelle ist hier die Partnerschaft zum kroatischen Nova Gradiska zu nennen. Auch der vor Jahren gegründete „Club der Kroaten“ unter Marco Loncar und Sohn Peter ist jährlich vom Altstadtfest nicht mehr wegzudenken.,

Aus Privatinitiative und dem Schüleraustausch mit der französischen Partnerstadt Ste. Luce sur Loire (Partnerschaft 1988) erwuchs eine tief wurzelnde Freundschaft. Am Intensivsten entwickelten sich die Beziehungen zur Partnerstadt Wolfsberg in Kärnten. Sie knüpfte an die historischen Beziehungen der ehemaligen fürstbischöflichen Beziehungen (ab 1968 unter Orts Vorgänger Maier begonnen). Aus einer 1972 geschlossenen entwicklungsfördernden Patenschaft mit Kaya (Burkina Faso in Westafrika) entstand 1982 eine Partnerschaft, die bis heute auf festen Beinen steht.

Schulbauten und Erweiterungen

Herzogenaurach ist heute eine bedeutende Schulstadt. Unter Orts Vorgänger Maier war die Schulraumnot durch den Bau der Carl-Platz-Schule weitgehend behoben worden. Nun drängte die Industrie auf weiterführende Schulen, die zur Gründung der Mittelschule (1961, später “Staatliche Realschule) und des Gymnasiums führten. Mit seinem Amtsantritt hatte Hans Ort zudem den Bau einer Volksschule im Stadtsüden ins Auge. Ab 1970 wurde der Bau der Volksschule am Burgstaller Weg in Angriff genommen und ihr die Sonderschule angegliedert.

Nach langen Verhandlungen mit der Regierung und dem Kultusministerium zogen im September 1974 die ersten Gymnasiasten in ihre provisorischen Schulräume im ehemaligen Mädchenschulhaus am Kirchenplatz sein. Die Entwicklung lief so rasant, dass ein Neubau für ein Gymnasium nicht hintenanstehen durfte. Ab September 1978 konnten die ersten Gymnasiasten im „Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium“ erstmals dem Unterricht im eigenen Schulgebäude am Burgstaller Weg folgen. Die örtliche Presse schrieb schrieb über den Neubau des Gymnasiums von „einer neuen Perle im Kranz der Schulen in der Stadt“.

Doch der Hunger nach Schulneubauten in der Stadt war damit noch nicht gestillt: Die Realschule platzte aus allen Nähten und erhielt nach einem Umbau die neben dem Schulgebäude an der Hans-Maier-Straße gelegene ehemalige Berufsschule für ihre Bedürfnisse. Außerdem standen der Kollegstufenbau am Gymnasium an, ebenso die dringend benötigte Dreifachturnhalle (1987).

Hans Ort hätte sich bis zum Ende seiner Amtszeit den Titel „Schulbaumeister“ verdient gehabt!

Mit Temperament und Leidenschaft focht er für die Ideen und Projekte, die ihm wichtig für die Entwicklung seiner Stadt erschienen. Der Stadtrat hat ihm in seiner letzten Sitzung vom 24. Februar 2000 in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Herzogenaurach die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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