Herzogenaurach vor 100 Jahren

Kriegspost aus dem 1. Weltkrieg

Herzogenaurach. Frühjahr 1918. Rund 3 500 Einwohner zählte das Städtchen, doch knapp 10 Prozent von ihnen sind seit 1914 im Kriegseinsatz. Seit August 1914 befindet sich das Deutsche Reich im Kriegszustand und als am 11. November 1918 die Waffen schweigen, hat man über 100 Opfer zu beklagen, tapfere Soldaten, die im Krieg, hauptsächlich - an der Westfront in Frankreich - ihr Leben verloren haben.

Von Kriegsbegeisterung war bei der Verkündung der Mobilmachung am Sonntag, 2. August 1914, auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus in Herzogenaurach ( Bild/Foto) nichts zu verspüren. Gebannt waren Augen und Ohren in Richtung Bürgermeister Joseph Hubmann gerichtet, der die Nachricht verkündete, die per Telegramm eingegangen war. Und schon in den nächsten Tagen bestiegen die ersten Wehrpflichtigen den Zug, der sie zu ihren Garnisonen und an die Front, hauptsächlich an die Westfront in Richtung Frankreich bringen sollte.(Bild siehe Anhang!) Die große Euphorie, welche die Deutschen anfangs erfasst hatte, war bald nicht mehr viel zu verspüren, trotz der Anfangserfolge der deutschen Truppen an der Ostfront (Russland) und der Westfront (Belgien, Frankreich).

Im fränkischen Landstädtchen Herzogenaurach packten die ersten Wehrpflichtigen Koffer und Kartons und verabschiedeten sich in Richtung ihrer Kasernen. Die meisten von ihnen wurden an der Westfront in Frankreich eingesetzt. In ihren Postkarten schrieben sie in den folgenden Jahren wenig von den kriegerischen Ereignissen, vielmehr beschränkten sich ihre Mitteilungen meist auf Grüße an die Familien in der Heimat, so dass diese die Gewissheit hatten, dass der Vater, Sohn oder nahe Verwandte noch am Leben ist. Der „historische Christoph Dassler“, Heimathistoriker und leidenschaftlicher Sammler und der Vater von Fritz (der Lederhosen Fritz, Jahrgang 1896, der bis nach dem 2. Weltkrieg am Hirtengraben Lederhosen produzierte), Rudolf (Jahrgang 1898, Firmengründer von Puma) und dem Bäckerlehrling Adolf, Jahrgang 1900, und ab 1948 der „Vater“ von adidas) hat die Feldpostkarten seiner Söhne aufbewahrt. Über seine Tochter Brigitte (verheiratete Baenkler und spätere Begründerin des Hotels HerzogsPark) gelangten die Postkarten in das private Archiv des Heimatvereinsvorsitzenden, der diesen kostbaren Schatz sorgsam aufbewahrt.

Die Heimatadresse, heute am Hirtengraben 12, lautete zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch „Noppengässchen“ und trug die Hausnummer 341 und zusätzlich trugen die Karten noch den Hinweis „Familie Dassler Dampfwäscherei“. Eine Feldpostkarte von Rudolf vom 11. Juni 1918, am 13. Juni 1918 abgestempelt, zeigt auf der Vorderseite Generalfeldmarschall Ludendorff mit dem martialischen Hinweis „Ohne Opfer kein Sieg! – Ohne Sieg kein Friede!“ Auf der Rückseite steht: „Meine Lieben, verfüge gerade über etwas Zeit und will euch gleich schreiben………….“

Am 28.Juli 2018 schrieb Rudolf an seine Eltern Pauline und Christoph eine weitere Karte, die auf der Vorderseite Soldaten zeigt, die sich um die Ruinen einer zerbombten Ortschaft in Frankreich gruppieren. Auf der Karte, wie alle mit Bleistift geschrieben, steht die knappe Nachricht „Liebe Eltern und Geschwister, bin noch gesund“.

Fritz Dassler schickte am 29.09.1918 Grüße aus „Cöln-Deutz“ wo er offenbar im Lazarett gewesen ist. Die knappe Nachricht enthält lediglich den Hinweis „Sonntag 29.9. bin hier angekommen, geht gleich weiter - wohin unbekannt. Herzlichen Gruss Euer Fritz.“ Seine nächste Karte gerade einmal acht später (06.10.18) kam dann aus dem Ostseebad Swinemünde, wohin er offenbar ins Lazarett zur „Wiederherstellung“ gebracht worden war. Auf der Karte, an die Eltern und den Bruder adressiert, ist zu lesen „“Lieber Rudi -es geht mir gut, aber ich brauche Geld. Schicke mir bitte 40 Mark, möglichst bald; hier ist alles sehr teuer, herzliche Grüße Dein Fritz“ Zusätzlich ist die dortige Anschrift hinzugefügt „Laz.(arett) Swinemünde P(ost). Elisium“. Wieviel amüsanter lautete da der Text auf einer Karte, die Fritz offenbar vor seiner Versetzung an die Front aus Nürnberg geschrieben hatte (leider ohne Datum) und auf der es heißt: „Liebe Mutter – Teile Dir mit, daß Du die Gens mästen sollst. Dein Fritz“. Offenbar hatte der älteste der drei Dassler Buben Appetit auf den weihnachtlichen Gänsebraten.

Glücklicherweise sind alle drei Dassler Söhne ohne größere Kriegsverletzungen aus ihrem Einsatz von der Westfront in die Heimat zurückgekommen und haben nach dem Krieg und in den Folgejahren als tüchtige Geschäftsleute ihren Weg gemacht.

Klaus–Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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