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Montag 10 Okt 2022
19:00 - Uhr


Faschingszeitungen

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Herzogenaurach. Auch in der Aurachstadt gibt es sie: die fünfte, die närrische Jahreszeit. Freilich ist die Zahl der Faschingsbälle merklich zurückgegangen.

Kein Vergleich mehr mit der Nachkriegszeit oder der Zeit der 60-er bis 80-er Jahre, in denen die Säle in der Stadt stets bestens gefüllt waren mit Maskenbällen. Beim ASV-Ball  und bei der Feuerwehr bevölkerten die Narren das Tanzparkett im Vereinshaus. Es gab den Kolping-Ball und den des Deutsch-amerikanischen Freundschaftsclubs, selbst die Flüchtlingsvereinigungen hatten ihre Bälle, um nur einige zu nennen.

Daneben waren die Veranstaltungen im Gambrinus Saal oder im Volkshaus immer bestens besucht.Und dann kamen die Prunksitzungen des KCH, der seinen Ursprung im FC-Heim am oberen Weihersbach hatte (1964).

Außerdem erfreute man sich am Faschingsdienstag an Faschingszügen durch die Innenstadt. Viel ist nicht mehr geblieben von dieser Faschingsseligkeit im Städtchen, sieht man vom Rock-Fasching der Musikinitiative ab und vom Narrentreiben am Faschingsdienstag, am Vormittag in der Gaststätte Heller und nachmittags am Marktplatz.

Und dabei kann Herzogenauirach auf eine über 100-jährige Faschingstradition zurückblicken. Im Stadtarchiv befindet sich ein Abdruck einer ersten Faschingszeitung. Zum Faschingsdienstag am 14. Februar 1899 erschien auf vier DIN-A4  eine „Herzogenauracher Carnevals-Zeitung", herausgegeben von der Druckerei Specht (Vorläufer der Druckereien Debler und Mandelkow).

In dem Blättchen wird u.a. das „Programm des Maskenzuges" am Faschingsdienstag „Nachmittags 2 Uhr" angekündigt.

Und was erwartete die Einwohner (die Stadt zählte damals um die 3.000 Menschen) damals? Die Festzugfolge sah Folgendes vor:

 einen berittenen Herold, 4 Tamboure im Clownskostüm: „eine großartige Musikkapelle", so hieß es damals. Anschließend folgten  drei Wagen. Auf dem ersten saßen „Prinz Carneval mit Gefolge"und eine „Abtheilung Gigerl" (Gockel oder Giegerli  würde man heute sagen).

 Der zweite Faschingswagen hatte das Thema „Straßenbeleuchtung und Straßennamen" zum Inhalt (beides gab es in der Stadt 1899 noch nicht). Auf dem 3. Wagen tummelte sich eine „Abtheilung Zigeuner" (das Wort und ebensolche Kostüme durften damals noch verwendet werden), gefolgt vom größten Wickelkind der Welt und einer Staublöschmaschine (Asphalt- oder Pflasterstraßen kannte man in der Stadt ebenfalls noch nicht).

Letztere war ein Wunschtraum der Einwohner vor allem in der trockenen Jahreszeit.

Ansonsten finden sich auf den restlichen drei Seiten für die damalige Zeit mehr oder weniger lustige Anzeigen. Beispiele gefällig? „Verloren! Gestern Abend verlor ich auf dem Heimweg vom Lamm bis in die Morastgasse meine Alte; der redliche Finder erhält 50 Mark Belohnung, wenn er sie behält." An anderer Stelle findet man ein „Heirathsgesuch. Ein gebildetes Fräulein sucht besseren Herrn als romantischen Liebhaber. Solche, welche waschen, bettmachen, kochen und nähen können, werden bevorzugt...."

Und schließlich wird aus einer „Narrensitzung des Gemeinderaths" zitiert, nämlich dass die Weihersbachwiese zur Froschzucht eingerichtet und verpachtet werden soll..."

1932 als es das „Herzogenauracher Tagblatt" längst gegeben hat, erschien eine „Faschings-Zeitung". Diesmal im DIN-A3 Format und ebenfalls auf vier Seiten abgedruckt. Im Stil einer gereimten Büttenrede heißt es in der vierten Strophe auf der Titelseite  „Drum liebe Leute Groß und Klein - verbringt den Fasching bei Bier und Wein. Der Staat hat Schulden, mach Du sie auch - das ist ein alter bekannter Brauch. Verklagt Dich ein Gläubiger mit viel Geschrei besorgt alles recht freundlich die Gerichtsvollzieherei."

Auch in der Ausgabe werden Begebenheiten und Besonderheiten aus dem städtischen Alltag persifliert. So heißt es:

FERNSEHEN" Im hiesigen Postamt werden z.Z. an den Telphonapparaten die neuesten Fernsehgeräte „Panorama" eingebaut, sodaß der Sprecher Gelegenheit hat, sein Gegenüber am Ende des Drahtes beobachten zu können. Die Gebühren für Gespräche bleiben trotz der Neuerung auf der gleichen Höhe wie bisher bestehen.

In Anlehnung an die damals beliebte Weinmarke „Liebfrauenmilch" und den damaligen Herzogenauracher Limonadenfabrikanten von Fleckinger hieß es in einer Anzeige

 EMPFEHLUNG. Unterzeichneter empfiehlt für die kommenden Hitzepriode seine selbsterzeugte „Liebfraueninselmilch" garantiert alkoholfrei und von großem Nährwert, daher jedermann zu empfehlen.

Obiges Getränk wird in Originalabfüllung frei ins Haus geliefert. Um geneigten Zuspruch bittet: Fr. v. Eckinger, Chemische Wassermischanstalt."

Und noch ein Kalauer gefällig?

„GEBURTENRÜCKGANG"  Die Klagen der Geburtenmathematikermüssen als gerecht empfunden werden. In unserem Städtchen gibt es derart viele Witwen und so wenig Geburten, daß mit aller Strenge vorgegangen werden muß, den Geburtenrückgang zu steuern. Es wird der Beschluß gefaßt, daß jede Witwe gezwungen wird, einen Liebesbedürftigen als Eigen anzunehmen...."

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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