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Montag 10 Okt 2022
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Kriegsende und Neubeginn: Als sich das Leben 1945/46 langsam normalisierte

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Herzogenaurach. Am Montag, 16. April 1945, ratterten drei US-Panzer und ein amerikanischer Jeep von der Würzburger Straße her in Richtung Rathaus und Marktplatz. Aus den Fenstern wehten weiße Bettlaken als Zeichen der friedlichen Auf- und Übergabe der Stadt. Schon einen Tag später wurde der von den Nazis im Mai 1933 abgesetzte Bürgermeister Dr. Valentin Fröhlich (BVP) wieder mit seinem früheren Amt betraut.

Seine wichtigste Aufgabe bestand darin, das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten und wieder in Gang zu bringen. Die erste Verordnung des Herzogenauraher Urgewächses stammt vom 19. April 1945: Mit Schreibmaschine verfasst, mit der Glocke durch den städtischen Angestellten, den „Bitters Velder" (Valentin Bitter, der Vater des späteren „Rahmbergbürgermeisters" Sepp Bitter) an mehreren Stellplätzen in der Stadt verkündet und zuletzt an einer Holztafel neben der Bäckerei Römmelt am Marktplatz angeschlagen, wurden 16 Punkte genannt, die das Zusammenleben in der Stadt aufs erste regeln sollten.

So heißt es in Punkt 1) „Jedermann muss seinen Pass oder Ausweis wegen der Kontrolle stets bei sich tragen. Die Einwohner stehen ab und zu in Gruppen zu 3 und mehr Personen beisammen. Es ist verboten. - Gerade weibliche Personen meinen nach abends 6 Uhr Ausgehrechte zu haben. Wer künftig auf der Straße angetroffen wird, hat zu gewärtigen, am nächsten Tag hier zu erscheinen u. die ihm übertragenen Arbeiten zu verrichten."

Fahrräder waren in jenen Tagen begehrte Objekte. Als äußerst schwerwiegend stellte sich der Diebstahl eines solchen Drahtesels am Rathaus heraus. In Punkt 2) seiner Anordnung vom 19.April  kündigte Dr. Fröhlich an: „Es wurden gestern entwendet: Vor dem Rathaus das Fahrrad des ameikanischen Beauftragten um 4 Uhr nachmittags. Meldung muss ich als Bürgermeister binnen 3 Tagen erstatten.. Angeordnet wurde sofort danach zu fahnden. Der Dieb ist zu erschiessen. Am Fliegerhorst wurde früh um 10 Uhr das Rad meines Vertreters Herold gestohlen."

Zahlreiche Herzogenauracher nutzten  die Auflösungserscheinungen am  Militärflugplatz, um sich mit Nützlichem und Brauchbarem zu versorgen. Daher hieß es im Punkt 9) der Anordnung von Bürgermeister Fröhlich: „Die Flugplatz Plünderung kann für uns verhängnisvoll werden u. sich auswirken. Wie weit Hausdurchsuchungen in Betracht kommen, musss ich dem amerikanischen Stadtkommandanten überlassen."

Auch Tgae nach dem Einmarsch der US-Truppe herrschten in der Stadt strenge Ausgehregelungen. Nach 18 Uhr durfte niemand mehr auf der Straße angetroffen werden, noch immer wehten aus den Fenstern und an den Häusern die weißen Fahnen und schon wurde mit der Entnazifizierung begonnen. Der Bürgermeister forderte die Bevölkerung auf, Vorschläge für die Einführung neuer Straßennamen zu machen. Nach 1933 war der Marktplatz in „Hans- Schemm-Platz" (nach dem Gauleiter der Bayerischen Ostmark) benannt worden und daneben gab es auch eine Hermann-Göring-Straße. Diese bezeichnungen wurden entfernt und ersetzt. Die „Hitler Bibel" „Mein Kampf"wurde reihenweise abgegeben oder wanderte ins Feuer.

Trotz aller neuen Regelungen und Maßregelungen behielten die Herzogenauracher ihren Humor. Hand aufs Herz liebe Leser: Wer wer von den älteren „Ur-Einwohnern" kennt noch die „Mohren Apotheke"? Hinter vorgehaltener Hand war das seit dem Frühjahr 1945 der „Spottname" für die Beyschlag´sche Apotheke, weil dort zwei dunkelhäutige US-Soldaten Wache hielten.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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