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Montag 10 Okt 2022
19:00 - Uhr


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Schon im zweiten Kriegsjahr war die Lebensmittelversorgung in Herzogenaurach stark beeinträchtigt. Die von den Engländern bereits nach Kriegsausbruch verhängte Seeblockade hatte fatale Auswirkungen. Die Lebensmittelpreise stiegen und  teilweise mussten die Menschen im Verlauf der ersten Kriegsjahre auf Butter oder Fleisch verzichten. Auch die Preise für Zucker erreichten schwindelerregende Höhen. Empfindliche Strafen drohten denjenigen, die Hutzucker teurer als 41 Pfennige verkauftenoder für Würfelzucker mehr verlangten als 42 Pfennige.

Besonders schlimm wurde der Winter 1916/17, der als „Steck- oder Kohlrübenwinter" in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Der verregnete Sommer 1916 hatte zu einer Kartoffelfäule geführt, hinzu kam ein Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft, es fehlte an Zugtieren und Kunstdünger.

Die Steck- oder Kohlrübe wurde zum Ersatznahrungsmittel Nummer 1.

In den Haushaltungen kamen daher Steckrübenbrot, Steckrübenmarmelade, Suppe oder Koteletts aus Rüben oder Steckrübenbrot auf den Tisch. Teilweise sank der tägliche Kalorienverbrauch auf 1 000 kcal, so dass seit 1914 ca.

800 000 Hungertode zu beklagen waren.

In Herzogenaurach mangelte es zudem an Carbid, das man für Licht in den Carbidlampen benötigte und es fehlte an Petroleum für Lampen. Nicht für alles konnte die sogenannte Ersatzwirtschaft einspringen. Erstaunlich der Einfallsreichtum der Menschen: Schuster flickten defekte Schuhe mit Holzsohlen, aus Lumpen wurden Socken und Strümpfe hergestellt und niemals zuvor hatte man soviele Kinder solange im Herbst barfuß laufen sehen wie während des Krieges.

Erstaunlich wie in solch trüben tagen die Menschen immer noch Humor  zeigten, wie Karten aus der Sammlung von Christoph Daßler beweisen. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf solcher Karten versuchte man den Krieg mit zu finanzieren. Da wurde wurden Karten gedruckt mit folgendem Text: „Für Fleisch, für Brot und Butter,  für Milch und Hundefutter, Petroleum und Licht, für Seife, Zucker, Eier, für Wurst und ´Tante Meier´ man Karten Dir verspricht, doch Ware kriegst Du nicht!"

Makaber  mutet die „Traueranzeige" auf einen „Laib Brot" an, der infolge Aufzehrung den Weg alles Irdischen gegangen ist."  Und als Hinterbliebene im Ort „Magerstadt" unterzeichnen „Hans Mehlnot, Vater - Anna Mehlnot geb. Hunger, verwitwete Kohldampf - sowie die Verwandten Karl Wenigfleisch und Berta Ohnefett".  Gleiches gilt für den Aufdruck auf der „Welt - Kriegs - Humor - Karte anno 1917/18" auf der es u.a. heißtgegen die Kält: „Greise und Grossmütterchen sollen sich an den Erinnerungen sonniger Tage erinnern und Kinder wickle man in den Kohlenbezugsschein". 

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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