Das Herzogenaurach im Spiegel der Geschichte

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Die Jahr 09 im Laufe der Jahrhunderte

Herzogenaurach(gä) Genau fünf Jahrhunderte ist es her, dass eines der größten und schönsten Profangebäude Herzogenaurachs fertig gestellt worden: das damalige Pfründnerspital am Kirchenplatz, in dem heute das Stadtmuseum sein Dasein fristet. Bekanntlich hatte der Niederndorfer Tuch- und Farbhändler Conrad Reyther Geld für den Bau eines Spitals (Altenheims) eine größere Summe Geld vermacht. Die Sorge um sein Seelenheil und das seiner Familie waren ihm damals 120 Gulden wert. Eine beachtliche Summe, lag das Jahreseinkommen eines einfachen städtischen Hirten um fünf Gulden.

1508 war mit den Baumaßnahmen begonnen worden und 1511 war das Vorhaben vollständig abgeschlossen und von Bischof Anton bestätigt worden. Übrigens fiel der hiesige Amtmann „Cunz" (Konrad) Faulhaber mit einer bewaffneten Eskorte in das Fürther Amtsgericht ein und brachte einen Gefangenen nach Herzogenaurach, wo er später wegen Mordes enthauptet wurde.

Doch blicken wir noch einmal 100 Jahre zurück. Das Jahr 1409 brachte für die Entwicklung der Stadt zwei bedeutsame Ereignisse: Am 9. Februar genehmigte Bischof Albrecht, die Befestigungsanlagen zu verstärken und am 1. Juli vor 600 Jahren verlieh König Rupprecht  das seltene Recht, zwei Jahrmärkte  jährlich abhalten zu dürfen. Das Recht hatte der damalige Amtmann, der Nürnberger Patrizier Sebald Pfinzing erwirkt. 40 Jahre später (1450) durfte übrigens mit Genehmigung Bischof Antons das hiesige Mauerwerk um die Stadt erneut „großzügig ausgebaut" werden.

Vor 400 Jahren (ab 1607) hatte eine verheerende Pestepidemie die Stadt und das Umland heimgesucht. 2-3 Personen wurden jeden Tag zu Grabe getragen, einmal sogar sieben Menschen, so dass die Stadt um die Genehmigung bat, den Friedhof vor die Stadt zu verlegen. Dies wurde in Bamberg jedoch abgelehnt mit dem Hinweis, man möge den Kirchhof (rund um die Kirche) mit einem Zaun versehen. Erst 1827 wurde der neue Friedhof  vor den Toren der Stadt angelegt und von Pfarrer Schleicher feierlich geweiht.

Blicken wir in das Jahr 1709: Der Chronist vermerkt, dass am Rathaus eine Sonnenuhr angebracht worden ist. Ein sehr harter Winter und das folgende Hochwasser nach der Schneeschmelze hatten zur Folge, dass der hölzerne Steg beim Schießhaus  (gegenüber dem heutigen Omnibusbahnhof) weggerissen wurde und auch der Wiwa-Weiher erhebliche Schäden davontrug. Die Stadt ließ   bei der Bieg zwei neue Stege bauen und mehrere Straßen befestigen, vor allem damit die Gläubigen bei den Flurumgängen den Fluss besser überqueren und den Weg an der Ziegelhütte bei der „Schwarzbecken Marter" besser passieren können.

Wir erfahren außerdem, das 1709 sehr viel Tabak angebaut worden ist, der auf dem Boden des Rathauses zum Trocknen aufgehängt worden war. Und schließlich haben die Schlosser, Wagner und Schmiede eine neue Zunftfahne anfertigen lassen.

100 Jahre später waren Stadt und Umland durch die ständigen Kriege, Kontributionen (Zahlungen) und die Einquartierungen von französischen, österreichischen und preußischen Truppen dermaßen ausgebrannt, dass man allerorts „großen Geldmangel" beklagte. Hinzu kam ein „fürchterlicher Wetterschlag" am 8.Juli 2009. Der Hagel vernichtete innerhalb einer Viertelstunde Felder und Wiesen, vernichtete die Ernte und zerschlug Fenster und Ziegel.

Im selben Jahr wurde auch die Fallmeisterei an Urban Maier verkauft. Die Fallmeisterei zur Entsorgung verendeter Tiere befand sich lange Jahre am nördlichen Stadtausgang oberhalb der heutigen Bamberger Straße, später am Rande des Donwalds angelegt. Der Fallmeister, auch Wasenmeister, Abdecker oder Schinder, mancherorts als „Racker" bezeichnet. Sie mussten die Kadaver entsorgen, durften Knochen an Seifensieder, Felle an Gerber, Talg an Kerzen- oder Wachszieher verkaufen und den Rest verbrennen. Außerdem durften sie streunende Hunde oder Katzen einfangen.

                                                                         Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD