Gesprächskreis: Pharisäer und Mamelucken

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Alte fränkische Ausdrücke, die vom Aussterben bedroht sind und mit denen nur noch die älteren Generationen etwas anfangen können, sind ein fast unerschöpfliches Thema in den Gesprächsabenden des Heimatvereins unter dem Motto „So war es früher....".

Gesprächsleiter Herbert Dummer erinnerte an Ausdrücke seiner Großmutter, die von Gockolores, Grawitschko, von Pharisäern und Mamelucken sprach, wenn sie negative Umschreibungen für unliebsame Menschen verwendete. Mamelucken, einst Söldner in Diensten islamischer Herrscher galten unseren Vorfahren als Abbild unchristlicher Menschen, für die es nur abfällige Bezeichnungen gab. Nicht umsonst gab man Hunden auch Namen aus solchen Kulturkreisen, an denen man kein gutes Haar ließ oder auf die man voller Abscheu blickte. Waren die Hundenamen „Sultan"  oder „Nero" nicht so zu verstehen?

Der Begriff „Pharisäer" (hebräisch: der Abgesonderte, religiös Konservative) galt einem hochmütigen manchmal auch heuchlerischen und scheinheiligen Menschen. In manchen Cafe-Häusern kann man heute den Pharisäer als heißen Kaffee, mit Rum und Sahne versetzt, genießen.

„A su a „grawitschko" war einst die Bezeichnung für etwas Unordentliches,  z.B. die Unordnung in der Wohnung, aber auch für eine unsolide, nachlässige Arbeit. Wenn man etwas „a weng auf grawitschko gmacht hat", dann war das nichts Anderes als eine flüchtige und wenig genaue Arbeit. Als Schimpfwort wurde das aus dem Russischen entlehnte Wort Grawitschko („grabitschko" ist der kleine Diebstahl) auch für einen Betrüger oder Dieb, für ein heruntergekommenes Anwesen oder ein „aufgetakeltes Frauenzimmer" verwendet.

Und gibt es den „Gockolores oder Gockolori" heute noch? Und ob! Es kann ein „aufgeblasener, lächerlicher Geck sein, aber als Gockolori  wird besonders im nördlichen Mittelfranken und im südlichen Oberfranken ein spleeniger, törichter und unzuverlässiger, sprunghafter Mensch bezeichnet. Und so kann es auch der unzuverlässige Liebhaber oder der Schürzenjäger sein. Ob der Begriff etwas mit dem „eitlen Gockel" zu tun hat, ist durchaus möglich. Mancherorts hat man früher den Hahnenruf auch als „gockelorum" bezeichnet.

Wenn heute junge Pärchen miteinander schmusen, sich also zärtlich näher und näher kommen, so hat dieser Begriff in den letzten 100 Jahren kaum einen Begriffswandel erfahren. Das jiddische Wort „Schmus" bedeutete in der Umgangssprache  „leeres Gerede oder Schöntuerei". Im Fränkischen ist der Schmuser ein „Schwätzer", ein Vermittler bei Handelsgeschäften gewesen: beim Vieh- oder Hopfenhandel, aber auch bei der Vermittlung von Dienstboten, Arbeitsstätten und natürlich auch als Ehevermittler.

Ideal war es natürlich, wenn der oder die Angetraute „a gscheits Gerschtla" mit in die Ehe gebracht hat. Damit waren das Geld oder noch viel besser der Besitz eines Ehepartners gemeint. Wenn einer „sei Gerschtla eigfoärn hat", dann hatte er seinen Besitzstand gesichert und war zu Wohlstand gekommen. Andere „ham ihr Gerschtla ins Wertshaus trogn und dort des Gerschtla versuffn". Wer so etwas zuwege brachte, war ein echter „Biertümpfel", ein notorischer Biertrinker, der unter sechs Maß Bier nicht nach Hause gegangen ist.

Mit einem solchen Ehemann war es schon „a archs Gfrette". Damit bezeichnete man soviel wie „Mühe und Plage", ganz einfach: es waren  eben „Unannehmlichkeiten". Auch wenn dessen Angetraute „nu su gfensi" war, vielleicht „a weng a Fecher", mit einem Wirtshaushocker war das schon ein schweres Los.

„Gefenzig", fränkisch eben „fenzig oder schlicht und einfach „fendsi" bedeut soviel wie quirlig, eifrig oder sogar umtriebig. Doch konnte ein flottes „fenziges" Mädchen auch frech, keck, gescheit, sogar niedlich, meist jedoch vorwitzig sein.

                                                                             Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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