Aus der Partnerstadt Wolfsberg

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Wolfsberg im Fußballtaumel

In Herzogenaurachs Kärntner Partnerstadt tanzt der Wolf. Nein, es ist kein slowenischer Isegrim, der über die slowenische Grenze eingefallen ist, es ist der WAC, der Wolfsberger Athletik Club, der eine ganze Region in Fußballeuphorie und Freudentaumel versetzt.

Vor 81 Jahren wurde der Verein gegründet und die Schwarz-Weißen kickten lange Jahre unterklassig, stiegen dann in die Regionalliga Mitte auf, schließlich in die Erste Liga, die im deutschen Fußball der 2. Bundesliga entspricht und schafften letztlich im Frühsommer 2012 die Meisterschaft und den Aufstieg in die Österreichische Bundesliga. Überschwänglich feierte man im Lavanttal und freute sich gleichzeitig über große Namen im österreichischen Fußball, die künftig im schmucken Lavantstadion aufkreuzen würden: die „Roten Bullen" aus Salzburg,  der Millionen schwere Meister und Pokalsieger, den Europapokal erfahrenen Nachbarn von Sturm Graz oder die Wiener Traditionsvereine Austria und Rapid.

Sechs Spieltage ist die Saison in der Alpenrepublik alt, die Männer um den kroatischen Trainer Nenad Bjelica (41) stehen zwar (noch) im unteren Tabellendrittel, haben aber immerhin zwei bekannte Größen im rot-weiß-roten Fußballland besiegt: man gewann bei international erfahrenen SV Ried und stieß am vergangenen Sonntag den vielfachen Meister Rapid Wien mit einem 1:0 Erfolg von der Tabellenspitze. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die „Dorfmannschaft", vergleichbar der TSG Hoffenheim im deutschen Fußball, jagt die Große4n der Zunft, die sich bisher jährlich in internationalen Wettbewerben Meriten verdienten.

Der Wolfsberger Erfolg kommt nicht von ungefähr. Seit Jahren hat man die Jugendarbeit forciert und eine schlagkräftige Mannschaft aufgebaut. Dazu beigetragen hat die Kooperation mit dem Lokalrivalen SK St. Andrä. Mit ihr kamen Erfolge und Aufstiege unter dem Vereinsnamen WAC/St. Andrä. In der höchsten Spielklasse tritt der Verein nun wieder als Wolfsberger AC an, - genauer muss es heißen RZ Pellets WAC.

Und was verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Vereinsnamen RZ Pellets?

Anders als in den deutschen Profiligen tragen in unserem Nachbarland die Vereine den Namen ihrer Sponsoren in der Vereinsbezeichnung. Was der DFB vor Jahrzehnten „Jägermeister Eintracht Braunschweig" untersagte, ist in Österreich alltäglich, egal ob einst Swarowski Wacker Innsbruck oder Tirolmilch Innsbruck: der Sponsorenname stand im Vereinslogo und auf den „Leiberln".

Hinter dem Vereinsnamen „RZ Pallets" verbergen sich die Namen der beiden Sponsoren: Dietmar Riegler und Otto Zechmeister. 1995 haben sich die beiden selbstständig gemacht und dominieren inzwischen in der Kärntner Energieversorgung. Mit drei Pelletswerken und rund einem Dutzend Biomasse-Heizwerken bzw. -Kraftwerken produzieren die beiden 440 000 MWh Strom mit dem sie 80% der Kärntner Haushalte versorgen könnten.

Doch zurück zum Fußball: „Schon als Kind hatte ich nur Fußball im Kopf" (Adolf Winkler in der „Kleinen Zeitung" vom 20.05.2012) gesteht Riegler. Er selbst hat früher beim WAC die Rückennummer 10 getragen und für seine Wolfsberger gekickt. Nun gibt er dem Verein einiges von dem zurück, was er in seiner aktiven Zeit vom Verein erhalten hat. Als Vereinsvorsitzender („Obmann" nennt man das in unserem Nachbarland) lässt er sich verständlicherweise sehr gerne mit „seiner Mannschaft" fotografieren.

Und so wurde denn auch die Mannschaft dank seiner und Zechmeisters „Spenden" entsprechend aufgerüstet.

24 Spieler umfasst der Profikader. Unter ihnen sind vier Spanier, die in ihrer Heimat schon die Luft der „Primera Division" schnuppern durften und ein 24-facher Nationalspieler aus Liechtenstein. Doch das Hauptgerüst der Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 25,8 Jahren bilden Österreicher, vor allem jedoch Kärntner Spieler, die sich mit „ihrem WAC" identifizieren. Und die Fans danken es den Kickern mit dem Stadtwappen auf der Brust: 7 300 Zuschauer in peitschten ihre Elf letzte Woche zum Sieg über die „Grünen" von Rapid; es war der erste Heimsieg in der laufenden Saison, aber bestimmt nicht der letzte, dessen ist man sich sicher.

Und was wünscht man sich sonst noch beim RZ WAC Pallets? Schön wäre es und man wäre stolz darauf, wenn man einen Ausrüstervertrag mit einem der beiden Herzogenauracher Sportunternehmen abschließen könnte.

Und was kann Herzogenaurach von den sportlichen Erfolgen des WAV und der Partnerstadt mitnehmen? Da ist zum einen eine gezielte Jugendarbeit mit 15 Jugendmannschaften (und städtischer Unterstützung), einem einzigen Fußballverein, bei dem alle an einem Strang ziehen, einem euphorischen Fanpotential sowie einem schmucken städtischen Stadion. Doch von einer solchen Anlage und all den anderen Dingen, die zu einer höherklassigen Mannschaft beitragen können, werden die hiesigen Fußballfans wohl noch in 100 Jahren träumen.

                                      Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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