Wenn der Dialekt stirbt……..

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Der Heimatverein Herzogenaurach hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte fränkische Ausdrücke zu bewahren und zu erhalten. Zahlreiche Zuhörer und aktive Teilnehmer kamen zur ersten interessanten und ergiebigen Sitzung in den Steinweg.

Es klingt mir noch immer in den Ohren, wenn ich aus Omas Mund zu hören bekam „Grein Maichala grein, stegg dei Bfeifla ein, steggs nei der Wesdendasch, hosd den ganzn Dooch zer naschn…!“ Ich, der „klaa aufgschdellde Mäusdreeg“ versank in Weltschmerz, weil ich mir das Knie „aufgschundn“ hatte und die Großmutter, die ich übrigens sehr verehrte, tat das ab, als wäre nichts geschehen. Und im Nachhinein resümiere ich (ein fürchterliches Fremdwort), dass mir die Großmutter mit ihrem weisen Spruch eigentlich Mut machen, mich wieder aufbauen wollte, trotz des blutenden Knies. Aber so sind sie, so sind wir Franken: hart im Geben, aber auch hart gegen uns selbst, hart im Geben und hart im Nehmen, auch gegen andere und gegen Fremde!.

Und beim Lesen der ersten Zeilen muss der Außenstehende erkennen: der Franke kennt kaum „harte“ Mitlaute: p, t und k werden zu „subber weichen“ b, d, und g! Ausnahmen lediglich: die Karasch, also hochdeutsch die Garage. Und des „Maichala“ ist im fränkischen des „klaane Madla(i)“, vielleicht die „Maichared“, die Margarete, die noch dazu die Haare unter einem Kopftuch, einem „Maichala“, verbirgt. Kopftuchverbot? Darüber gab es früher keine Diskussion, die Schulmädchen trugen es und ebenso die Hausfrauen oder die Bäuerinnen, wenn sie am Feld, also „aufn Agger“ oder “in“ der Wiese arbeiteten.

Sprache wandelt sich, hat sich stets verändert, vor allem als anfangs des 19. Jahrhundert in Deutschland die Staaten zusammenwuchsen und als die Brüder Grimm begannen, alte Begriffe zu sammeln und festzuhalten, als das Lateinische abgelöst wurde und das Französische Eingang fand, auch bei kleinen Leuten. Sie stellten sich in ihre guten Stuben nun ein „Chaiselongue“, benutzten bei Regen einen „Parapluie“, gingen als Fußgänger auf dem „Trottoir“, warteten in Erlangen am Bahnhof auf dem Perron (Bahnsteig) geduldig auf den Zug, der sie nach Nürnberg und „retour“ bringen sollte, nachdem sie vorher ordnungsgemäß aus ihrem „Portemonnaie“ ein „Billett“ gekauft hatten.

Nach dem Kirchen-Lateinischen, das den Menschen vor allem Alltags-Ausdrücke geliefert hatte, schwappte die Franzosenwelle auch über das Frankenland hinweg. Und dann brachte der Rundfunk immer mehr die neuhochdeutsche Schriftsprache mehr und mehr in die deutschen Haushalte und die Tageszeitungen und letztlich trugen die „Schulmeister“ gezwungener Maßen ihr Teil dazu bei, dass die Mundart immer mehr ins Hintertreffen geriet, sieht man von der ländlichen Bevölkerung ab, wo erfreulicherweise auch heute noch die Mundart einen gewissen Stellenwert behalten hat.

Beim eingangs erwähnten Mundarttreff, sprudelte es aus den Anwesenden und so wurden Ausdrücke und Redensarten gesammelt, die man lange nicht mehr gehört hatte. Die beiden Gesprächsleiter H. Dummer und K.-P. Gäbelein mussten immer wieder Begriffe erklären, die in Vergessenheit geraten sind oder nur begrenzt lokal bekannt sind. Der Unterschied von „aaner Krätzn zu aaner Keetzn“ war manchem nicht klar. Im Fränkischen ist die “Krätze“ keine ansteckende Krankheit, sondern geflochtener Henkelkorb, den man zum Aufklauben von Kartoffeln nutzte und im Bambergischen geht man abends sogar „nei in sei Grädsn“ – gemeint ist damit das Bett. Vielfältig ist auch der Begriff “hutzen“. Im Mittelhochdeutschen verstand man darunter „stoßen oder hetzen“ wie in manchen Gegenden beim österlichen Speil des Eierhutzens. Man kann einen anderen Menschen im Gedränge anhutzen (anstoßen), beim Fußballspiel auf den Gegenspieler „draufhutzen“ und wer zu schnell unterwegs ist, „kann sich leicht derhutzen“.

„A Baddscher“ ist in Franken mancherorts der Schnuller für ein Kleinkind, meistens jedoch die Bezeichnung für einen geistigen Defekt weswegen man meist in der HUPFLA landet (Heil- und Pflegeanstalt) und wer „an gscheidn Badscher“ hat, der lebt jenseits von gut und böse. Man kann Beifall „badschn“ und die Hände von Kleinkindern sind die „Badscherla“ Die Gesprächsteilnehmer erfuhren den Unterschied zwischen einem „Presssagg und einem Saisagg“, erfuhren was „Buddselküh oder Moggerla“ sind: nämlich Kiefernzapfen, die man zum Anheizen (Anschüren) im Steggerleswald gesammelt hat.

„A Lusch“ ist in der Regel ein wertloses Blatt beim Kartenspiel, aber auch die Bezeichnung für eine Kuh, die nicht trägt und insgesamt eine böse Beschimpfung für etwas Minderes, Wertloses und als „a klaans Lüschla“ bezeichnet man ein durchtriebenes Mädchen. Die „Ludschn“ ist dagegen eine Pfütze (den hodd´s in a Riesen-Ludschn neighaud!).
Vielfältig sind mundartliche Bezeichnungen für den Mund: ist das „a Goschn“, „a Waffl“ oder gar „a Breiwaffl“ und braucht der vielleicht „aane auf seiner Babbn“ und hat der „an falschn Kuss grichd, wall der a Bebbn hodd“?Fazit beim Gesprächsabend: man muss und wird noch öfters zusammenkommen und fränkische Ausdrücke in Erinnerung zurückzurufen, denn Sprachen sind wie Pflanzen: wenn sie nicht gepflegt werden,. Sterben sie aus.

Und unsere Leser dürfen uns gerne ihre fränkischen Lieblingswörter und Redenwendungen schreiben: entweder an unsere Redaktion oder an dem heimatverein.herzogenaurach.de

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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