Oäsch 277

Herzogenauracher Geschichten 277

„Do dud dä fei deä Oäsch weh!“

Fragen eines nachdenklichen Franken, frei nach B. Brecht

Also die gschichd wu iech eich amoll nooch langer Bause derzell, is vo mein Freind Heiner, der wu a echder Frank is und desmoll aa nu vo sein Schdernla der Marchared. Die zwaa, wu si scho in Kinnergardn kennd ham und scho arch lang verheierd senn, ham an Silvesder neie Vorsädse gfassd und die wolln die eds, wus nauswärds gedd, aa umsedsn.

Aans haben die zwaa gemeinsam beschlossn: gsund oder besser gsachd gsünder leben,sie wolln wos wos füän Kreislauf, fürn Kobf und den Körber machn.

Des is scho glei nooch Neijoär anganga, wu die Marchared jedn Dooch wos Gsunds zer Middooch aufn Disch brachd hodd: Sübbli mit vill Gmies und ohne Worschd odder Fleisch drin. Des Fleisch on Sundoch woär moocher, däss nedd moocherer gedd, däss der Heiner nachds a boär moll vor Hunger aufgwachd is und an Küllschrang gmissd hodd.

Zern Gligg hodd der Heiner wie er von Friehschobbn drin bein Hellers Hans ham ganga is bein Medzger nu a Drumm Schdadtworschd kaffd und hodd dees in Küllschrang vor seiner Marchared hinder derer ihrn Gmies verschdeggd. Un wie nern nochds der Moggn vor lauder Knorrn ausn Bedd rausgschbrengd hodd, is der Heiner nunder nei deä Kichn und hodd Brodzeid gmachd. A Schnäbsla hodd er aa nu gfunna, obwoll die Marchared in ihrn Gsundheidsfimmel des Fläschla hinder die Biecher in Biecherschrank verschdeggd hodd. Und des hodd den Heiner middn in der Nachd su richdi gud gedan.

Auf amoll is die Marchared in ihrn Nachdhennerd in der Kichndier gschdandn wie a Rache-Engel ausn Aldn Desdamend und hodd mid den Heiner gschennd, däss er ihrn und den Heiner sein Gsundheidsplan dodal durchananner brengd, wenn er nachds solche Eskabadn machd. Außerdem hodd sie mid den VHS Hefdla gwedeld, wu abnds in Briefkasdn gleegn is. „Mir dun eds in Zukunfd su leben, wies in den Hefdla drin schdedd: nu gsünder essn und mir wern a wos füä unsern Boddy machen“, su die Marchared. Die woär nemli amoll in an VHS Kurs „Englisch für Einschdeicher“ und hodd nedd von ihrn odder den Heiner sein Körber gredt, sondern von an „Boddy“.

Am nächsd Dooch bein Kaffeedringn had des Auchnschdernla dann ihrn Heiner des VHS-Biechla zeichd und wos sie alles angschdrichn hodd, wos edserdla auf den Heiner zukummd.

Des Biechla hodd fasd 200 Seidn. Do schded auf knabb 50 Seidn wos ieber Beruf, Gesellschafd und Leben und ieber Kuldur. Obber auf ieber 100 Seidn findst wos ieber Gsundheid und Fiddness. Wie der Heiner des alles gsäng und aa nu glesn hodd, is des denn ganz schwindlerd woärn, wos do bei der Marchared ihrn Gsundheidswahn auf ihn zukomma kennerd. Der Heiner hodd neer nu midn Kubf gschiddeld wie er die Kabbiddel glesn hodd: Gesundheitswissen, Entspannung und Achtsamkeit, Massage, Yoga, Aerobic, Qigong/TaiChi, Pilates, Zumba Fitness, Smovey und lauder su a Woär hodd doo drin gschdandn, wu der Heiner goär nedd gwissd hodd, wos des alles bedaidn dud.

Der Heiner hodd sie dann die ganzn Kurse angschaud und hodd neer nu sein Kobf gschiddeld. „Naa, des mooch iech nedd!“ hodd der Heiner seiner Marchared erklärd, wie die gmaand, däss doch des „Hatha-Yoga“ wos fier ihn weer, walls do ghaaßn hodd „Wir üben mit nach innen gerichteter Aufmerksamkeit und werden sensibel für Körperempfinden und Atemgeschehen“. Der Heiner hodd doo neer nu gmaand: „Do wassd ja noochn Lesen wergli nedd, woosd du do machen sollsd.

Und dann wolld die Marchared ihrn liebsten Moo aa nu des „Smovey“ eiredn. „Do muss mer mit an Swing-Ring-System des von Menschen für Menschen gmachd worn is“, su hassd des in der Werbung, mit die Arm hie und her schwinga, däss der Kreislauf angreechd werd.

Und außerdem hodd die Marchared bei den nächdlichn Dreffen in der Kichn ihrn Heiner aa nu des „Zumba Fitness“ embfohln. „Des is a work out wu jeder midmachn kann und seinem eichenen rhythmischen Embfinden folgen kann“, hodd sie zu den Heiner gsochd. Und in su an Kurs „Heinrich“ – sie hodd wergli zu den Heiner Heinrich gsachd, ghn mir zwaa demnächsd nei!“

Do is den Heiner ganz schwindlerd woärn, obber nedd wecher die zwaa, drei Schnäbsli, wu er gedrungen hodd, sondern wall er die Rumhubferei mid Musigg nedd mooch. Und dann hodd er zu der Marchared ganz schnell nu amoll „Gud Nachd“ gsochd und hodd in sein Board neibrummeld „wennsd sichsd und liesd, wos do heidzerdooch alles machen sollsd, dassd hunnerd Joär ald wersd, do dud dä fei der Oäsch weh!“

Und iech frooch mich, langerd den Heiner nedd neer sei Schbaziergang naus nooch Ober-Memba ins Wärdshaus odder a Wärdshausdour mit sein Fohrädla, däss der fidd blabbd? Muss der su moderns Zeich midmachn und a nu a Geld derfier ausgebn?

Iä sechd scho: Froogn ieber Froogn!             Klaus Bedä

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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