Oäsch 267

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Glotzen

Herzogenauracher Gschichtn 267

„Do dud dä fei deä Oäsch weh“

Fragen eines nachdenklichen Franken, frei nach nach B. Brecht

Also die Gschichd, die wu iech eich heit derzell, is amoll widder vo mein Freind Heiner, der wu a echder Frank is. Und die Gschichd spield aa amoll widder in Heiner seiner Lieblingswärdschafd - drin bein Hellers Hans und handeld vo den scheena Werdli „glotzn“.

Mir woärn allzamm am Schdammdiesch ghoggd und ham Widsli derzelld, bis aaner zer unsern Schammdieschbruder Gerch gsachd hodd; „Schau neer amoll, wie dei Bier glodzd!“

Do hodd der Thorben, der wu am Schdammdiesch gliedn is und aus Breißn kummd und erschd nu frängisch lerna will, gmaand: „Das habe ich jetzt aber nicht verstanden!“Do hodd der Heiner den daitschschbrachichn Ausländer aufklärd. Also horch amoll her: “Glotzn“ is a alder frängischer Ausdrugg, den wu mer ganz underschiedli anwendn kann. Glotzn hassd eichendli suvill wie „mit aufgrissna Aagn, also Augen, schauen“.

Und dann is der Schbrachkurs weiderganga. „Mir soogn aa „glotz nedd su bleed!“ odder „wos glotztn su bleed?“, wenn aaner verwunderd schaua dud. Odder mir soogn „der glotzt wie a Katz, wenn´s blidsd odder der glotzt wie a gschdochns Kälbla!“ Und wenn aaner bsuffn is, hassd aa: „der glotzt wie a Bock odder wie a Schdier“, wall der hald „schdiern dud“.

Do hodd der Thorben ganz verwunderd gschaud und hodd gmaand , däss er neili aufn Clubb-Blads gheerd hodd, „wie die Zuschauer zu einem Brille tragenden Schiedsrichter gerufen haben „du Brillnglotzer mach´ hald die Glodzer auf, dann mussd doch säng, däss dees abseids woär!“

Mir ham dann den arma Breißn in die Geheimnisse des frängischen Zuschauers eigweiht und ham ihm des alles iebersedzd. „Also „Glotzer“ senn ganz einfach die „Augn“ und wenn aaner a Brilln aufhodd, dann is dees hald a Brillnglotzer!“

Und fürn Schiri hodd des hald bedeud, däss er genauer noo schaua soll. Und „Brillnglotzer“ is ka Schimpfword, sonder a Koseword in Frankn, für ann, der wu Brilldräger is.

Wenn aaner neigieri schaua dud, froochd mer den aa „Wos glotztn su“ oder mer sochd „glotz mi fei nedd su ooh!“Der Thorben hodd Augn, Ohr und Maul aufgschberrt und hodd ganz ungäubich glotzt. Und der Hanni, aaner vo unsere Schdammdischbrieder hodd nu aans draufgleechd und hodd derzelld, däss sei Schwesder, als Madla aa immer glotzt hodd. Und dann hodd der aa des iebersedzd und hodd den Thorben erklärd, däss die Klaa „geschmollt“ hat, wenn derer ergndwos nedd bassd hodd. Uind wenn die alles gsängn hodd, wos die nedd hädd sängn soll hodd mer a gsochd „die glotzt durch zehr boär Husn.“

Doo hodd der Heiner zern Schluss nu a Bier bschdelld und hodd zer der Gitti, der Bedienung, gsochd, däss er obber a Bier mecherd, das wu nedd glotzt. „Das Bier kann doch nicht beleidigt sein“, hodd do der Thorben drauf gsochd. Und do ham mir den erklärd, däss mer zer an Bier, wenn´s daab ausn Glos rausglotzt und wenn ka Borddn, also ka Schaum drauf is, sochd: Des glotzt obber!“

Mir ham dann nu scheena Underhaldung ghabbd, ham nu a Boär Bieli drungen, die wu nedd glotzt ham. Obber wie mir hamkumma senn, ham den Heiner sei Marchared und mei Bärbl fei ganz schee glotzt.

Und iech frooch mich: Ham eds die zwaa Waggerli bsuffn gschaud odder woärn die goär beleidichd, wall mir zwaa a weng schbeder ham kumma senn als wie sunsd?

Iä sechd scho, Frogn ieber Frogn!

Klaus Bedä

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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