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Festvortrag

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1. Vorsitzender Klaus-Peter Gäbelein:
Festvortrag zur Geschichte des Heimatvereins.

(Da zahlreiche Herzogenauracher im Ausland leben, aber regelmässige Besucher unserer Website sind, um sich über Neues aus ihrer Heimat zu informieren, geben wir Klaus-Peter Gäbeleins Vortrag ungekürzt wieder.)

Kultur um die Wende vom 19. zum 20. Jh.
Kultur um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war noch keine Massenkultur. Sie wurde getragen von immer breiter werdenden und sich differenzierenden Mittelschichten, deren Kern das Bürgertum gewesen ist. Bürgerlicher Herkunft war die überwiegende Zahl der schöpferischen Gelehrten, Künstler und Schriftsteller und auch der Laienkünstler, die sich in Herzogenaurach zum sog. Dilettanten Verein, einem Verein von Kunstliebhabern und Laienkünstlern zusammenschlossen. Während sich an den untergehenden höfischen Residenzen unkonventionelle bürgerliche Kunstvereine etablierten, entstand der o.g. Verein in der Aurachstadt.

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In einer Zeit, in der die Mittel der Informationsverbreitung sich fast ausschließlich auf das gedruckte Wort konzentrierten, wurde die Kenntnis von Lesen und Schreiben eine unentbehrliche Voraussetzung für die Selbstbehauptung des Einzelnen an seinem Arbeitsplatz, im täglichen Leben und bei der Vertretung seiner sozialen und politischen Interessen. Legt man die Rekrutierungsstatistiken zugrunde, so ergibt sich, dass in Deutschland auf zehntausend zum Militär ausgehobenen im Jahr 1890 51 Analphabeten fielen, im Jahr 1912 nur noch einer.

Drei Faktoren prägten die deutsche Gesellschaft und Kultur in der Wilhelminischen Zeit, in der wir uns befinden, wenn wir das Umfeld der Vereinsgründung des Herzogenauracher Heimatvereins untersuchen (Dtl. Ein historisches Lesebuch S. 323ff.) die bürgerliche Kultur mit ihren Grundwerten und -strukturen, nämlich Arbeit, Familie und Bildung, Tugend und Leistung und sozialer Disziplin mit ihren gemeinsamen Lebensformen, Sitten und Werten und ihrer gemeinsamen Sprache; zweitens die relative Loyalität zum politischen System (der Monarchie) und schließlich der ökonomisch-soziale Erfolg, der Lbensstandard und -aussichten verbesserte. Man war voller Hoffnung auf mehr Glück, mehr Sicherheit, mehr Rang und ein besseres Leben. Im Vergleich über die Jahrzehnte war alles besser geworden, Arbeit und Ehrgeiz lohnten sich, Erfolge waren in der täglichen Erfahrung präsent und das gab der Gesellschaft Stabilität, gab dem Leben einen Sinn.

Vereinsgründungen
Auf Anregung König Ludwigs I. waren bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts historische Vereine entstanden. Heimatkunde und Heimatpflege auf wissenschaftlichem Wege wurden auf höchster Ebene gefördert. Doch auch in der Provinz regte sich vor allem seit der Reichsgründung von 1871 das Bewusstsein für lokale Geschichte, für die Erhaltung von Traditionen und die Konservierung der Lokalgeschichte, von Alltags- und Zeitgeschichte.

Auf dieser Ebene müssen wir die Gründung des Heimatvereins Herzogenaurach sehen. Eine Welle von Vereinsgründungen schwappte um die Wende zum 20. nach Herzogenaurach. Rund 50 Vereine waren zwischen 1870 und 1910 in dem Städtchen mit seinen 3000 Einwohnern entstanden. Das Deutsche Reich schlitterte 1906 in die 1. Marokko-Krise, in Kiel lief das erste deutsche U-Boot vom Stapel, in Berlin erregte der "Hauptmann von Köpenick" ddie Gemüter, die deutsche Kunstscene entdeckte den Maler der Romantik, Caspar David Friedrich neu und im beschaulichen Herzogenaurach machte sich eine Handvoll Heimat liebender Männer daran, den "Historischen Verein Herzogenaurach" zu gründen. Das war am Montag, 2. April 1906.

Motor und Initiator des Vereins war der in der Stadt bestens bekannte "hostorische Christoph", Christoph Dassler vom Hirtengraben. Seine beiden Söhne Adolf und Rudolf sollten es später zu Weltruhm bringen und den Namen unserer Stadt als "Adidas" und "Puma" in alle Kontinente tragen. Er selbst versuchte immer wieder seine Mitmenschen durch Gedichte und kritische Beiträge im "Herzogenauracher Tagblatt" wach zu rütteln, aber auch zu erheitern. Weitere bekannte einheimische Familien, die den Verein in den Anfangsjahren tatkräftig unterstützten waren die Schürr (Stadtschreiber und Lehrer), die Baumeisterfamilie Kurr sowie die Familien Bitter und Fröhlich. Weitere, noch heute bekannte Familien waren die Denkler, Hubmann und Peetz.

Oberste Ziele des Vereins waren die Fixierung der Stadtgeschichte, die Erhaltung wertvoller Kulturgüter sowie nach heutigem Begriff der Denkmalschutz.

Mit Feuereifer ging man daran, das erste Ziel zu erreichen und das war die Errichtung eines Stadtmuseums im "Fähnleinsturm", wie man damals den Fehnturm in der östlichen Hauptstraße nannte. Mit tatkräftiger, auch finanzieller Unterstützung, trugen die Verantwortlichen der Stadt zum Gelingen dieses Vorhabens bei. So wurde damals der Grundstock für den Fundus unseres heutigen Stadtmuseums gelegt. Als Bürgermeister Hans Maier 1962 den Gedanken hegte, die Bestände des Museums einem anderen überörtlichen Museum zur Verfügung zu stellen, um sie besser präsentieren zu können, stieß er verständlicherweise auf wenig Gegenliebe bei den Mitgliedern des Vereins.

Da die Herzogenauracher im Feiern schon immer groß waren und Durchhaltevermögen bewiesen wurde am 28. Juni 1908 unter reger Beteiligung der Bevölkerung das Museum seiner Bestimmung übergeben. Der "Dichter des Aurachtals", der Falkendorfer Bürgermeister Michael Kreß, verfasste eine längere Ode auf das neue Werk. Die letzte Strophe möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

Es ziemt sich wohl,
dass man das Alte,
das von vergangner Zeit erzählt,
in Einzelbildern forterhalte,
damit sich dran die spätre Welt
belehren möge und ergötzen!
Und allen dann, die sich erfreun
an ihrer Heimat alten Schätzen,
mag diese selbst auch teuer sein!

Mit Volldampf ging der 1. Vorsitzende, Amtsrichter Berhard Loritz, ein Altbayer übrigens, an neue Aufgaben: Herzogenaurach sollte schöner und für den Fremdenverkehr präsentiert werden: die Misthaufen vor den Häusern sollten verschwinden, das Gelände zwischen Stadtmauer und Stadtweiher als Verschönerungsanlage entstehen und ein Aussichtsturm am Buck den Blick in die Fränkische Alb ermöglichen. Dass manch Einheimischer glaubte, nun die "Alpen" sehen zu können, macht die Sache höchst amüsant, mit dem Begriff "Alb" für das östliche Mittelgebirge konnte man offensichtlich vor 100 Jahren wenig anfangen.

Auch archäologisch wollte man sich betätigen. Auf Anregung vom späteren Bürgermeister Dr. Valentin Fröhlich und Peter Seeberger sollten im Wald bei Burgstall auf dem Grundstück des Landwirts Landauer Grabungen vorgenommen werden, weil man dort auf prähistorische Funde hoffte. Der Besitzer untersagte jedoch die Grabungen, weil die Burgstaller Bevölkerung angeblich "Angst vor Hexen habe". Auch die Regierung in München untersagte 1924 Grabungen im Burgwald.

Den überaus aktiven Mitgliedern des Heimatvereins war es zu verdanken, dass die Stadt nach dem 1. Weltkrieg aus dem Hauptstaatsarchiv in der Landeshauptstadt die ältesten Urkunden mit den Ortsbezeichnungen "URAHA" erhielt, freilich nur in Kopien. Man setzte sich außerdem für eine "Kriegergedenkstätte", und zwar in der ehrwürdigen Marienkapelle ein, wo sie sich noch heute befindet, pflanzte in echt treu deutscher Gesinnung zusammen mit der Lehrerschaft und den Schulkindern am Fröhlichs Keller (Flughafenstraße), im Luitpoldhain (Postplatz), im Weihersbach und an der Dreifaltigkeitskapelle (Welkenbacher Kirchweg) vier sog. "Schmachlinden" aus Protest gegen den "Schmachfrieden von Versailles" (1919).

1925, Reichspräsident Friedrich Ebert war verstorben, Charly Chaplin feierte mit seinem Film "Goldrausch" Welterfolge und der dunkelhäutige Kohlenträger Louis Armstrong wurde als Trompetenspieler entdeckt, in diesem Jahr 1925 wurden erstmals die Herzogenauracher Heimatblätter herausgegeben. Als Autoren dieser fundierten lokalhistorischen Schriften zeichneten sich die Heimatforscher Luitpold Maier, Bernhard Dietz, sowie die Lehrer Stadter, Welker und Wachter aus. Auch die eingangs erwähnten Persönlichkeiten wie der "historische Christoph Dassler" und Michael Kreß, der "Dichter des Aurachtals", trugen mit ihren Beiträgen zu einer historisch fundierten und wertvollen Zeitschrift bei.

Die genannten Personen, an ihrer Spitze der unvergessene Ehrenbürger Luitpold Maaier, haben sich Verdienste bezüglich der Stadtgeschichte erworben, die nicht genug gewürdigt werden können. Dass ihnen Straßennamen gewigmet wurden, zeigt, dass auch der Stadtrat ihre Verdienste zu würdigen wusste. Trotz der angespannten finanziellen Lage in den 20-er Jahren förderte der Heimatverein die Freilegung der Fachwerkgiebel an den verputzten Häusern und begann, eine Chronik anzulegen. Auf sie einzugehen, meine Damen und Herren, würde den Rahmen der heutigen Veranstaltung sprengen.

Und trotzdem hatte der junge Verein seine erste Krise zu bestehen und befand sich kurz vor der Auflösung. Auf Antrag von Lehrer Welker erfolgte eine Umbenennung in
"Verein für Heimatkunde"

und arbeitete in den vorgebenen Bahnen weiter. Am Ende der Weimarer Republik gedachte man mit dem von Pfarrer Rathgeber verfassten Theaterstück "Die Rose vom Aurachtal" der sagenhaften Gründung des Klosters Münchaurach und der 300sten Wiederkehr des Schwedeneinfalls von 1632.

Infolge der Gleichschaltung ab dem Jahr 1933 wurden dem Verein die Hände gebunden. Dennoch engagierte man sich in der Folge nach der Fusion mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein als
"Heimat- und Verschönerungsverein"

bei der Errichtung des Kilians Brunnens sowie bei der Durchführung von Brauchtumsabenden im Vereinshaus. Und rund 100 in Nürnberg lebende "Herziaurier" gründeten in der Noris 1935 eine "Ortsgruppe Nürnberg des Heimat- und Verschönerungsvereins Herzogenaurach".

Und dann kam der große Krieg.
Am 02. Dezember 1947 fanden sich 23 Bürger zur "Wiedergründungsversammlung" des Vereins in der Gaststätte Walfisch am Fehnturm ein. Ich freue mich, dass von den 23 Neugründern noch vier am Leben sind: Konrad Willert und Hans Glass; Nikolaus Schaub und Rudi Welker sind heute Abend noch bei uns und werden eine verdiente Ehrung erfahren.

Erneut bemühte man sich um die Verschönerung des Stadtbilds, trat dafür ein, dass der Hirtengraben nicht zur Bebauung freigegeben wurde, initiierte die Anstellung eines Stadtgärtners und erreichte, dass der Heimatverein bei städtebaulichen Veränderungen - leider im Gegensatz zu heute - mit einbezogen wurde.

Nach der Währungsreform 1948 engagierte man sich weiter, präsentierte Vorträge und Filmabende, damals durchaus interessant für die Einwohner und die zahlreichen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, und beteiligte sich an den Vorbereitungen für das große Fest anlässlich der 600ten Wiederkehr der Stadterhebung.

11951 wurde der Vorschlag, den Verein in
"Heimat- und Verkehrsverein"

um zu benennen, einstimmig abgelehnt.

Das Vereinsleben blühte in den 50er Jahren. Man unternahm gemeinsame Fahrten und Ausflüge, anfangs per LKW später mit Bahn und Bus. Die Lehrer Höfner, Wachter und vor allem der spätere Kreisheimatpfleger und 2. Vorsitzende Richard Tille hielten den Verein ebenso am Leben, wie der Architekt Kurr, Heinz Bittner und Klaus Nowke. Seit dem Beginn der 80er Jahre hat sich der Heimatverein mit einer neuen Satzung, mit der Eintragung in das Vereinsregister, dem Beitritt zum Frankenbund und mit einer Vielzahl von Aktivitäten einen Namen in der Stadt, in der Region und in Franken geschaffen.

Wir alle, Sie verehrte Mitglieder, die Vorstandschaft, aber auch die Stadt Herzogenaurach kann stolz auf den Heimatverein sein, der ohne den unermüdlichen Einsatz der Verantwortlichen und der aktiven Mitglieder in der erweiterten Vorstandschaft nicht imstande gewesen wäre, das Niveau und die Popularität zu erreichen, die den Verein zu einem wichtigen Kulturträger in unserer Stadt gemacht haben.

Sehr verehrte Gäste, die Vereinsarbeit, der rege Zuspruch bei unserer Jubelfeier und der heutige Abend mit all seinen Höhepunkten beweisen
Der Heimatverein hat ein Herz für seine Heimatstadt "Herziaura"!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Autor: AdministratorE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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