Mit dem Heimatverein bei Martin Luther

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Landesausstellung in Coburg „Ritter – Bauern – Lutheraner“

Herzogenaurach. Unter dem vielsagenden Titel „Ritter-Bauern-Lutheraner“ findet derzeit auf der Veste Coburg die große Bayerische Landesausstellung zur Erinnerung an den Thesenanschlag Luthers in Wittenberg mit ihren weitreichenden Folgen statt. Für den Heimatverein war ein Besuch der Lutherstadt Coburg, der Ausstellung und der Morizkirche, in der Luther im Jahr 1530 mehrfach gepredigt hat Ziel einer Studienfahrt.

Coburg, um 1500 ein wichtiger Ort im Heiligen Römischen Reich: an der wichtigen Fernhandelsstraße Nürnberg-Erfurt gelegen, war die Stadt ein Handelsstützpunkt, ein bedeutendes Nachrichtenzentrum und gehörte zu einem der mächtigsten Territorien des Reichs: dem Kurfürstentum Sachsen. Kurfürst Friedrich der Weise galt als mächtiger Gegenspieler des allmächtigen Habsburger Kaisers Karl V. Er „deponierte“ den Reformator und damaligen „Bestsellerautor“ der deutschen Sprache, Martin Luther, während des Augsburger Reichtags von 1530 auf der Veste. Von Karfreitag 1530 bis Anfang Oktober desselben Jahres verfolgte Luther von seinem sicheren Zufluchtsort aus fünf Monate lang die Augsburger Ereignisse, die dem Reich die endgültige Religionsspaltung brachte.

Von Coburg aus war Luther über die Ereignisse des Reichstags laufend informiert, schließlich lieferten ihm kursächsische Schnellreiter innerhalb von drei Tagen neueste Beschlüsse zu seinem „Krähen- oder Dohlennest“ auf die Veste. Folglich sind die beiden Lutherstuben, in denen der Reformator logierte, auch das „emotionale Zentrum“ der Landeausstellung.

Aber diese bietet noch wesentlich mehr, nämlich ein anschauliches Bild der Lebensumstände und der gesellschaftlichen Struktur des 16. Jahrhunderts. Der Besucher kann anhand der zahlreichen anschaulichen Exponate das Leben des „kleinen Mannes“, also der niederen Bevölkerungsschichten, der Tagelöhner und einfachen Bauer,n ebenso nachvollziehen wie die Lebensumstände und die soziale Situation des aufstrebenden städtischen Bürgertums und des niederen Adels. Rund 150 Vitrinen und 250 Infotafeln bieten auf rund Metern Ausstellungsfläche ein lebendiges zeitgeschichtliches Bild.So ist eine Nachbildung der „eisernen Hand“ des rebellischen Reichsritters Götz von Berlichingen ebenso zu bewundern wie ein Lutherporträt des Malerkünstlers Lucas Cranach d. Ä.. Der Besucher kann anhand Nachdrucke von Flugblättern pro oder contra Luther den damaligen Medienkrieg pro und contra Glaubensfragen nachvollziehen. Luthers überaus bildreiche neuhochdeutsche Sprache mit zahlreichen Wortneuschöpfungen des Reformators werden zusätzlich präsentiert. Sie alle haben im 16. Jahrhundert in die hochdeutsche Sprache Einzug gehalten haben. Wörter wie Lückenbüßer oder Lästermaul gehen auf Luther zurück und sein Kirchenlied „Eine feste Burg..“ wurde bald auch in den Kirchen mit dem alten (allumfassenden= katholischen) Glauben gesungen.

Die Ausstellung auf der Veste wird ergänzt durch Bild- und Schrifttafeln in der Morizkirche, benannt nach dem Coburger Stadtheiligen, dem nordafrikanischen Heiligen und Märtyrer St. Mauritius, stets als Dunkelhäutiger (Mohr) dargestellt und noch heute im Coburger Stadtwappen vertreten.. In der großen Coburger Stadtkirche waren schon 1524 Gottesdienste im neuen Ritus gehalten worden und während seines Aufenthalts hat Luther hier nachweislich mehrfach gepredigt. Beeindruckend in St. Moriz ist vor allem auch das über 13 Meter hohe Epitaph des Coburger Herzogs Friedrichs II., das anstelle eines „papistischen“ (katholischen) Hochaltars geschaffen worden ist und den Herzog samt Familie zeigt und das von biblischen Szenen überragt wird.

Martin Luther ist derzeit in Coburg allgegenwärtig, ob als Spielfigur der Firma „playmobil“ oder als übergroße Gartenfigur; er lässt sich eben derzeit bestens vermarkten und sei es nur mit seinem Porträt auf einer Kaffeetasse. Die lohnenswerte Ausstellung ist noch bis zum 5. November auf der Veste und in der Stadtkirche St. Moriz täglich von 9-18 Uhr zu sehen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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