Sagen: Der Schatz im Eichelmühlgässlein

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Sagen sind in nahezu allen Völkern nachweisbar und gehören zu den literarischen Gattungen, die im Gegensatz zum Märchen auf einen historischen Kern zurückgehen. Sie knüpfen an geschichtliche Begebenheiten oder Persönlichkeiten, an landschaftliche Eigenheiten, Gebäude, Naturerscheinungen und dergleichen an. Sagen wurden ursprünglich von Mund zu Mund weiter gegeben und dadurch verständlicherweise oft verändert.

Der Ursprung der Sagen ist häufig im Bedürfnis des Volkes nach einer Deutung von Erscheinungen zu suchen, die man aufgrund des jeweiligen Wissenstandes nicht erklären konnte. Die dämonischen Gestalten der Sagen, wie Riesen, Zwerge, Nixen, Wassermänner unterscheiden sich von Volk zu Volk und von Landschaft zu Landschaft.

In den Ortssagen ist das Geschehen an eine Landschaft, eine Stadt, einen Fluss ein Gebäude oder ein besonderes Naturdenkmal oder an eine besondere Begebenheit gebunden. Auf die Götter- oder Heldensagen der Völker wird bei den Ortssagen kein Einfluss genommen.

Seit Jahrzehnten ist in Herzogenaurach die Sage vom „Schatz im Eichelmühlgässchen" bekannt. Fakt ist, dass im Mittelpunkt ein armer Taglöhner steht, der sich und seine Familie kaum ernähren kann. Ihm soll Folgendes widerfahren sein:

„Im Eichelmühlgässlein arbeitete einst um die Mittagszeit ein armer Taglöhner.

Plötzlich stand ein Männlein neben ihm, das dem Fleißigen eine Weile zuschaute. Dann deutete es auf eine bestimmte Stelle und sagte:" Grab´ da hinein, da drinnen steckt etwas!" Gleich darauf war das Männlein verschwunden. Unterdessen läutete die Mittagsglocke und der Taglöhner ging nach Hause.

Er erzählte das Erlebnis seiner Frau.  Darauf beschlossen sie hinaus zu gehen und an der besagten Stelle weiter zu graben. Weil sie aber fürchteten, das Männlein könnte ein böser Geist gewesen sein, nahm die Frau das Johannesevangelium mit. Dadurch glaubten sie, vor bösen Geistern und dem Teufel geschützt zu sein.

An der besagten Stelle angekommen, gruben die beiden und fanden tatsächlich einige alte Münzen, welche die Armut des Tagelöhnerehepaars lindern halfen."

Typisch für diese Ortssage ist es, dass neben der Ortsbezeichnung (Eichelmühlgasse) eine dämonische Gestalt (Männlein) auftritt, das einem armen und fleißigen Menschen in seiner Bescheidenheit und Not Hilfe zuteil werden lässt. Mitentscheidend für die Wendung zum Guten ist die Tatsache, dass die Frau des Taglöhners fest im christlichen Glauben verwurzelt ist, was durch das Mitbringen der Heiligen Schrift untermauert wird.     gä

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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