Tag der Muttersprache

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Herzogenaurach. Seit 1999 hat die UNESCO den 21. Februar als den „Tag der Muttersprache“ erklärt. Dieser Gedenktag soll die Aufmerksamkeit auf Minderheitssprachen mit weniger als 10000 Sprechern lenken, denn viele Sprachen werden nicht mehr an die nachfolgenden Generationen weitergegeben und geraten in Vergessenheit.

In Franken leben zwar meh als 10000 Menschen, die das Fränkische schätzen und sprechen, doch ihre Zahl wird ständig geringer. In den Schulen, in Büros oder in internationalen Unternehmen ist die Muttersprache, ist der Dialekt größtenteils außer Mode, wird ganz einfach nicht mehr gesprochen, weil ihn kaum jemand mehr versteht. Auch wenn das Bayerische Unterrichtsministerium in den Lehrplänen der Schulen darauf hinweist, dass die regionalen Sprachen gepflegt werden sollen: vielfach ist das alles nur ein mehr oder weniger lästiges Anhängsel.

Werfen wir einen Blick in den Landkreis und auf die Herzogenauracher bzw. Höchstadter Sprachsituation. Der 2. Weltkrieg mit anschließender Flucht und Vertreibung, der Zuzug fremder deutschsprachiger und ausländischer Volksgruppen hat unsere Sprache total verändert. Hinzu kommen starke Einflüsse des Englischen. Das „Denglisch“ ist eine neue Modesprache geworden. Immer mehr englische Ausdrücke haben Einfluss in unsere Sprache gefunden und prägen die „Umgangssprache“, unser “Neu- Deutsch“ und die moderne Werbung tut ein Übriges.

Sprache ist und war schon immer etwas Wandelbares. Reines Hochdeutsch hat es wohl nie gegeben, weil immer unterschiedliche Mundartausdrücke in die Sprache eingeflossen sind. Das waren anfangs lateinische Begriffe, bevor die große Franzosenwelle seit dem 18. Und 19. Jahrhundert hereinschwappte. Meine Großmutter, eine waschechte Fränkin, fuhr mit der Eisenbahn vom „Perron 1“ (Bahnsteig 1) nach Nürnberg oder Bamberg und „retour“ (zurück), kaufte am Bahnhof ein „Billett“ (Fahrkarte), das sie dem „Condukteur“ (Zugführer) zeigen musste. Wie ihre Zeitgenossen war sie vom Französischen voll beeinflusst, schließlich stand bei ihr zu Hause auch ein bequemes „Chaiselonge“ oder Kanapee.

Trotz allem war das Fränkische ihre Muttersprache. Und wenn ich mal weinerlich eine Strafe ertragen musste oder ein kleines Wehwehchen, hatte und jammerte, dann war ich „a Greinmaicherla“ gemäß dem Spruch „grein Maicherla grein, steck dei Pfeufla ein , steck´s nei der Westentaschn, hast den ganzen Dooch (Tag) zu naschn! Und meine Schwester bekam kein Kopftuch umgebunden, sondern „a Maichala“, und jeder hat damals gewusst, was damit gemeint war.

Und dann kamen mit der US-Besatzern die ersten englischen Wörter und Begriffe in die deutsche Sprache. Anfangs bettelten wir noch nach „chewing gum“, sprich nach Kaugummis, die Erwachsenen rauchten „lucky strike“ Zigaretten und prägten sich diese Begriffen ein und statt des Rauchens sprach man vom „smoken“ Und heute: da rennen wir nicht mehr durch den Wald, nein, wir „joggen“, wir benutzen kein tragbares Telefon mehr, wir besitzen ein „handy“ (ein Wort, das kein Amerikaner kennt, weil das jenseits des großen Teichs ein „mobile“ ist). Wir verschicken „mails“ oder „sms“ Nachrichten anstelle von Briefen und gehen mit einem Pappbecher in der Hand, also mit einem „coffee to go“ durch unsere Stadt oder zu einem „meeting“ (sprich „Mieting = Treffen). Und selbst die Schüler wissen was ein „beamer“ ist, auch wenn das entsprechende Wort „Projektor“ eigentlich ein eingedeutschter Begriff ist. Und noch schlimmer wird es in und mit unserer Sprache, wenn man alte deutsche Redensarten ins Englische übersetzt! Beispiele gefällig? „I fall from the clouds“ (ich falle aus allen Wolken), „you go me on the alarm clock“ (du gehst mir auf den Wecker) oder „I believe, my pig whistles“ (ich glaube mein Schwein pfeift!) – Aber jeder und jedem, wie es ihr oder ihm gefällt.

Altmodisch wie ich bin, verwende ich immer noch die altfränkischen Ausdrücke, wie ich sie als Kind gehört und gesprochen habe: ich kenne noch das „Stäfferla“ (die Stufe), für mich ist der kleine Eimer immer noch „des Amerla“, ein dummes Gerede ist „a Gschmarri“, ein Durcheinander ist „a Gwerch“, wenn jemand alleinstehend ist, dann ist er oder sie „aaschifdi“, das kleine Kind oder das nette Mädchen ist und bleibt bei mir „a Waggerla“.

Lasst uns nicht nur am „Tag der Muttersprache“ an unsere Wurzeln denken und pflegt das Fränkische, auch im Umgang mit „Preußen“ also „Nicht Franken“ oder Altbayern. Wir können stolz auf unser Fränkisch sein, denn es trifft oft besser als jedes eingedeutschte Fremdwort. Beim Heimatverein Herzogenaurach findet man im Jahresprogramm mehrere Gesprächsabende, an denen das Fränkische gepflegt, gesammelt und wiederbelebt wird: Besucher oder Lernwillige sind herzlich willkommen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD