1946 – 2016 die ersten freien Wahlen nach dem Krieg

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Herzogenaurach/Höchstadt

Vor 75 Jahren war im Landkreis Höchstadt ein wenig von Normalität zu verspüren, wenngleich der Kreis, weitgehend landwirtschaftwirtschaftlich geprägt und von großen Kriegsschäden verschont, noch sehr magere Jahre zu überstehen hatte.

Trotz allem gab es Engpässe in der Versorgung, große Wohnungsprobleme infolge der des Zuzugs von Flüchtlingen und Heimatvertrieben und die Sorge um all diejenigen deren Schicksal nach den sechsjährigen Kriegswirren noch ungeklärt war.

Der demokratische Aufbau hatte in allen Gemeinden nach der Besetzung durch die US Truppen im Herbst/Frühjahr 1945/46 begonnen und zwischen Regnitz, Aurach, Aisch und dem Steigerwald begonnen, als am 28. April 1946 die Bevölkerung zu den ersten freien Wahlen nach 1933 zu den Urnen gerufen wurden, um den Kreistag zu wählen.

Drei „Wahlvorschläge“, identisch mit Parteien, standen den Wählern zur Auswahl: die SPD (28 Wahlvorschläge, darunter 1 Hausfrau), die CSU (37 Vorschläge) und die KPD (1 Frau und 8 Männer). Heute noch bekannte Persönlichkeiten fanden die Wähler auf den Listen: Hans Maier und Josef Winkelmann (beide amtierende Bürgermeister und späteren Bürgermeister von Herzogenaurach bzw. Niederndorf- beide zogen für die SPD in den Kreistag ein. Seitens der CSU waren es Dr. Valentin Fröhlich (der frühere Herzogenauracher Bürgermeister und amtierende Landrat)), der Höchstadter Stadtpfarrer von Pöllnitz, die Gutsbesitzer von Gagern (Neuenbürg) und von Seckendorf (Weingartsgreuth), der bekannte Bauernführer Peter Weber aus Falkendorf oder Landwirt Johann Hirschmann aus Mühlhausen.

Schließlich zogen 28 Kandidaten der CSU, 7 von der SPD sowie der Herzogenauracher Fritz Dehling für die KPD in den frei gewählten Nachkriegskreistag ein.

Die Versorgungslage

Ebenso wichtig wie die Wahlergebnisse waren im Amtsblatt vom 17. Mai 1946 für die einfache Bevölkerung jedoch Veröffentlichungen über ganz profane Dinge: da ging es um die Zuteilung von Nägeln! (wie viele, welche Art, wofür?- Schuhnägel, Hufnägel, Industrienägel). Schließlich gelangten Mahlkarten an die einzelnen Haushalte: für Roggen, Weizen, Hafer usw. und sog. Mangelwarenkarten für 1 Stück Kernseife oder 1 Stück Einheitsfeinseife, für 1 Stück Kinderseife (bis zu 3 Jahren) sowie

250 g Waschpulver pro Karte. Schließlich konnten zwischen 06.Mai und 18. Mai Vorbestellungen für Eier (aber nur mit einer „Eierkarte“) eingereicht werden.

Schließlich werden heutige Verbraucher über folgenden Hinweis im Amtsblatt verwundert den Kopf schütteln, denn da heißt es “Wie bereits durch Rundfunkdurchsage (Radio München) bekanntgegeben wurde, berechtigen die 200g Kaffee-Ersatz-Abschnitte nur zum Bezug von 100g Kaffee-Ersatz“. -. Man kann sich vorstellen, wie frustriert Hausfrauen und Kaffeetrinker diese Nachricht aufnahmen.

Der Vollständigkeit halber muss eine weitere Vorschrift vom 15. Mai 1946 an diese Stelle erwähnt werden: Dabei geht es um die Viehzählung am 03. Juni 1946. Da heißt es: „ Die Zählung erstreckt sich auf Pferde, Maultiere, Maulesel, Esel, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen, Federvieh, Bienenstöcke und Kaninchen. In jeder Viehbesitzenden Haushaltung muss am Tag der Zählung (3. Juni 1946) eine Person anwesend sein, die über den Viehbestand, insbesondere auch über die Zahl der Hühner, genau unterrichtet ist….“

Stadtratssitzung

“Zur heutigen Sitzung wurden sämtliche 13 Mitglieder richtig und rechzeitig geladen..“ heißt es im Amtsblatt vom 16. Mai 1946. In dieser Sitzung unter der Leitung von Bürgermeister Hans Maier ging es vor allem um den städtischen Etat. Immer wieder hieß es „strengste Sparsamkeit hat Vorrang“. Grundsätzlich mussten Ausgaben von über 100 Mark vom Stadtrat genehmigt werden (unsere aktuellen Damen und Herren Volksvertreter mögen sich diese Satz gut einprägen!)

Außerdem ging es um die Probleme mit dem „Übernachtungsheim im Schlossgebäude“ sowie um die Eintrittspreise für das Städtische Sportbad. (siehe unten!“)

Als Städtisches Übernachtungsheim einigte sich der Stadtrat auf die ehemalige Kapelle (St.- Georgskapelle) im Westflügel des Schlossgebäudes- Folgende Öffnungszeiten   wurden

festgelegt: Einlass: 21.00 bis 22.00 Uhr; das Heim ist bis spätestens 7.00 Uhr wieder zu verlassen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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