Vor 150 Jahren: Abbruch des Ansbacher Tores

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Das fürstbischöfliche Städtchen Herzogenaurach bot bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein äußerst wehrhaftes Bild. Zwei Mauerringe, zwei mächtige rund 30 Meter hohe Stadttürme neben kleineren Mauertürmen und sieben stark bewehrte Stadttore standen etwaigen Angreifer im Wege. Herzogenaurach war eben eine Grenzstadt im südlichsten Teil des Fürstbistum Bamberg gelegen und jenseits der Aurach standen als fast übermächtiger Konkurrent die finanzkräftige Reichsstadt Nürnberg und dazu kamen noch die nach Macht und Ausdehnung strebenden Burg- und späteren Markgrafen der Hohenzollern.

Unsere Stadt war bekanntlich mit dem inneren sowie dem äußeren Mauerring sehr gut gesichert. Der innere Mauerring umfasste das Städtchen fast kreisförmig: Vom Schlossgraben führte die Mauer zu den inneren Stadttoren: im Westen das Tor am Türmersturm, im Osten das am Fehnturm und schließlich das „mittlere Tort“ mit einem steinernen Brücklein oberhalb der Bäckerei Römmelt (Fundamente wurden bei den Grabungen vor Jahresfrist freigelegt).

Und als die Stadt ab dem 15. Jahrhundert expandierte, musste der äußere Mauerring erbaut werden: Im Norden entstand die Mauer vom Wiwa-Weiher über den Hirtengraben bis hinunter zur Würzburger Straße. Dazwischen wurde in der Bamberger Straße das „Bamberger Tor“ gebaut, beim Abgang zum heutigen Freibad stand das Würzburger Tor und gegenüber der Steinernen Brücke am Ausgang der Steggasse mussten Besucher die Stadt durch das Ansbacher Tor betreten oder verlassen. Und dann stand im Osten der Stadt, am Ende der Hauptstraße (dem früheren „Hohen Pflaster“) das Nürnberger Tor gegenüber der Einmündung zur Reytherstraße (heutiger „Nürnberger –Tor-Platz).

Das Ansbacher oder Stegtor auf der Südseite der Stadtbefestigung war, wie es in den alten Aufzeichnungen heißt, „das vorletzte (der Stadttore) dahier, das dem Untergang geweiht war“. Angeblich stand es dem Verkehr im Wege. Zur Geschichte: 1409 wird der Ausgang aus der Stadt in Richtung zur Aurach „bei den Stegen“ genannt“ weil hier ein hölzerner Steg hinüber ins „Nürnberger Ausland“ oder „Ansbacher Ausland“ führte. Vor dem genannten Tor führte eine hölzerne, später eine steinerne Brücke über den äußeren Stadtgraben zur Aurach. Dieser Aurachsteg wurde 1725 durch die erste „Steinerne Brücke“ ersetzt, die bis zur Sprengung kurz vor Kriegsende (14. April 1945) Bestand hatte.

Wie alle Stadttore, war auch das Ansbacher Tor von einem Torwächter bewohnt. Diese „Torhüter“ hatten eigentlich einen verantwortungsvollen Posten (Kontrolle des Eintritts von Fremden, des Eingangs der Waren usw.). Allerdings gab es immer wieder Klagen wegen ihrer allzu laschen Dienstauffassung. Unsere Stadtväter, als Verantwortliche für die Sicherheit nahmen den Dienst an den Toren sehr gewissenhaft. Im Oktober 1622 im 30jährigen Krieg wurde zusätzlich ein Ratsherr zu den Toren abkommandiert, der beim Bürgermeister jeweils den Schlüssel für das Tor abholen musste. Für die Bürgerschaft gab es in Krisenzeiten immer wieder eine besondere Steuer zu bezahlen, das sog. „Torhutgeld“ (hut von hüten!).

In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das „Stegtor“ in „Ansbacher Tor“ umbenannt. Bei Einführung der Hausnummern im Jahr 1804 erhielt das Ansbacher Tor die Hausnummer 67. Bereits seit 1788 ist unter den städtischen Besitzungen eine Wohnung auf dem Tor bezeugt samt einem „Wachthäuslein“ sowie einem kleinen Garten am gegenüberliegenden Bräuhaus.

Heimatforscher Luitpold Maier bedauerte vor 90 Jahren, dass nach 1800 mit dem „Beginn des sog. Fortschritts“ wertvolle historische Bausubstanz zerstört worden ist. Damals entfernte man u.a. den überdachten Wehrgang entlang der Stadtmauern, der bis dahin den Bürgern, welche die Stadt verteidigten, wertvollen Schutz geboten hatte. In den Folgejahren ging es mit der Zerstörung alter Bausubstanz weiter. Dem Zeitgeist entsprechend wollte man in Zukunft frei sein von persönlicher und somit auch baulicher Einengung. Daher wurden die Torbögen am Fehn- und am Türmersturm abgetragen. Dieses Schicksal traf am 18. März 1869 schließlich auch das Ansbacher Tor. Für ein Gebot von 148 Gulden erhielt der benachbarte Tuchmacher Georg Fischer den Zuschlag für den Abbruch des Tores mit der Auflage, den Knopf auf dem Turm und den Stein mit dem eingehauenen Wappen zu erhalten, ebenso das Bild mit der heiligen Dreifaltigkeit. Es wurde später an der Gaststätte „zum Ansbacher Tor“ angebracht. Das Torhaus wurde auf die Höhe des angrenzenden Hauses der Familie Fischer bis auf die Höhe von 18 Schuh (ca. 5,5 m) abgetragen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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