FFW Herzogenaurach Teil 4

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Ging in Herzogenaurach ein Feuerteufel um?

Sie sind perfekt und ordentlich geführt: Die Protokollbücher der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Herzogenaurach und sie geben Auskunft über Brände und Einsätze im Städtchen. Danebenfinden sich im Stadtarchiv Eintragungen über Brände in der Stadt.

Lob gab es im Oktober 1834 für einen vorbildlichen Einsatz der Bevölkerung bei einem Brand in der Werkstatt und im Wohnhaus des Schmiedemeisters Kugler. Die Bevölkerung musste immer wieder zu größer Vorsicht und Aufmerksamkeit ermahnt werden. Für seine Nachlässigkeit wurde der Tagelöhner Georg Schmidt 1840 mit 36 Stunden Arrest bestraft, weil er zum Abdichten seiner Tür einen alten Stofffetzen angebracht hatte, der Feuer gefangen und einen Brand verursacht hatte.

Wesentlich schlimmer war ein Brand in der Heinrichsmühle in der Nacht vom 25. Januar 1852 .Unglücklicherweise hatte der Brand auch Auswirkungen auf 12 Tuch- und Zeugmacher („Zeug“ war die Bezeichnung für einfaches, dünnes Leinen), weil beim Brand eine von ihnen finanzierte Webmaschine zerstört worden war und weil zusätzlich wertvolle Rohstoffe verbrannten. Es verging fast kein Jahr, in dem es nicht zu Bränden in Wohnhäusern oder Werkstätten kam.

Aus diesem Grund beschloss der Magistrat (Stadtrat) 1874 neben dem Nachtwächter einen Feuerwächter einzustellen. Ihm wurde eine freie Wohnung auf dem „Thürmersturm“ angeboten. Im kam die Aufgabe zu, die Uhr am Turm aufzuziehen und im Notfall die Bevölkerung mit dem Ruf Feurio und dem Blasen eines Signalhorns sowie dem Schenken einer Fahne zu warnen.

Dem letzten namentlich bekannten „Türmer und Feuerwächter“, dem Schuhmacher Andreas Fischer, wurde zur Auflage gemacht, das „Ausweisen“ (weißeln) seiner Stube selbst zu übernehmen und auf das „Halten jedweden Viehs, insbesonders das Halten von Tauben“ zu verzichten.

Extrem häufig und schlimm waren schließlich Brände in den Jahren 1932 – 1937.Zunächst äscherte eine Feuersbrunst im Januar 1932 eine Scheune des Landwirts Konrad Welker (Hauptstraße) ein. Am 2. September brannte das Anwesen des Metzgermeister Johann Welker (heute Hauptstraße 39) „während die Hausbewohner in bestem Schlafe waren“. Nur der Aufmerksamkeit des Uhrmachermeisters Daigfuß war es zu verdanken, dass der Brand rechtzeitig entdeckt wurde und die Hausbewohner gerettet werden konnten und nur der Sohn der Familie Welker Brandwunden davontrug.

Vier Monate später (5. Januar 1933) ertönten kurz nach 12 Uhr in der Nacht Feueralarm. In einem Nebengebäude der Gastwirtschaft „Ansbacher Tor“ (Besitzer Heinrich Körner) brach Feuer aus und ergriff im Handumdrehen auch das benachbarte Gebäude der Familie Ploner (damals Schuhgeschäft). Trotz des raschen Eingreifens der Feuerwehr brannten die Gastwirtschaft und das Anwesen Ploner (siehe Bild   kann ich gerne liefern). Im Feuerwehrbericht heißt es: „Beide Häuser waren in kurzer Zeit eingeäschert. Inzwischen war auch die Feuerwehr Erlangen mit ihrer Motorspritze am Brandplatze erschienen. In den beiden Häusern wohnen zehn Familien, deren Habe fast vollständig mitverbrannt ist. Beim Abholen der Herzogenaurach Motorspritze ereignete sich auch ein Unglücksfall. Der Feuerwehrmann Freudenberger kam zu Fall und geriet unter die Motorspritze. Er trug erhebliche Verletzungen an den Beinen davon. Die vom Brande betroffenen Familien sind versichert. Über die Brandursache selbst lässt sich bis jetzt noch nichts Genaues feststellen, es wird jedoch Brandstiftung vermutet.“ (Danksagung der Familien Körner und Ploner kann evt.. mit abgedruckt werden!)

.Knapp fünf Jahre später (7. Dezember 1937) ist übrigens die wieder aufgebaute Scheune das Landwirts Johann Welker (hinter dem oben genannten Schuhgeschäft Ploner) erneut abgebrannt.

Drei Wochen später, am 28. Januar 1933 um Mitternacht, kam es zum fünften Brand innerhalb eines halben Jahres. Diesmal wurde die Scheune des Stadtmüllers innerhalb von 15 Minuten ein Raub der Flammen. Große Mengen Heu und Stroh, zum Teil von Nachbarn hier eingelagert, verbrannten. Es bestand Gefahr, dass die Flammen auf die benachbarte Brauerei Zimmerer übergreifen würden (später Polsterbräu, und zwar der „Untere Polster“). Eine Brandmauer zwischen den Anwesen verhinderte Schlimmeres. Die Presse berichte zu diesem Brand Folgendes „Die Bezeichnung „verbrecherisch“ dürfte jetzt bald Berechtigung finden, denn hier kann nur eine verbrecherische Person am Werke sein.“

In einem Aufruf „An die Gesamtbevölkerung“ teilte Bürgermeister Dr. Fröhlich sein Bedauern über die Brandfälle mit, die seit dem 6. November 1932 die Menschen in der Stadt beunruhigen. Er ordnete für die gesamte Stadt mit Wirkung vom 28. Januar 1933 Nachtwachen als „öffentlichen Gemeindedienst“ an. Hierzu waren alle Einwohner verpflichtet, die einen eigenen Hausstand führten.

In der Stadt hat sich später eine makabre Geschichte erzählt. Angeblich ist etwa um die Tage der Martinikirchweih im November 1933 ein Zettel gefunden worden auf dem Sinn nach zu lesen stand: Heute brennt es nicht, weil Kirchweih ist!

Trotzdem blieb die westliche Hauptstraße weiter im Focus des oder der Brandstifter/s. Am 16. November 1933 brach in dem Doppelhaus der Konditorei Adler und der Gastwirtschaft Römmelt (gegenüber der heutigen Gaststätte La Vecchia Trattoria) Feuer aus und äscherte das ganze Anwesen in kürzester Zeit vollständig ein.

Und es vergingen keine zwei Monate, als es in der Engelgasse brannte. Gastwirt Peter Schmitt rechnete am 8. Januar 1934 in seiner Wirtsstube mit Mitgliedern der Dreschgenossenschaft gegen Mitternacht noch ab, als das Gasthaus und die beiden benachbarten Scheunen in Flammen aufgingen. Eine der Scheunen gehörte zur benachbarten Gaststätte „Weißer Hahn“ (heute Apotheke am Markt). Lediglich das Auto von Gastwirt Schmitt und sechs Kühe konnten trotz des raschen Eingreifens der Feuerwehr gerettet werden. Dass auch in Herzogenaurach inzwischen eine andere Zeit angebrochen war, beweist der Zeitungsbericht über den Brand. Dort heißt es u.a. „Das handgezeichnete Bild unseres Führers konnte erfreulicher Weise gerettet werden“!

Trotz aller Bemühungen, eines Aufrufs in der Tageszeitung vom 11. Januar 1934 und des Einsatzes von Kriminalbeamten konnte keiner der hier aufgeführten Brände aufgeklärt werden. Im Gegensatz: Im Dezember 1934, im November 1935, November 1936 sowie im Dezember 1937 brannten weitere Häuser und Scheunen Zwischen Türmersturm und Würzburger Tor im Westen der Stadt bis auf die Grundmauern nieder.

In der Stadt wurde immer wieder von einem „Feuerteufel“ gemunkelt, bewiesen oder aufgedeckt wurde jedoch trotz aller Anstrengungen nichts!.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD