Dettelbach 2017

Herzogenaurach. Am kommenden Wochenende ist es wieder soweit: zahlreiche Herzogenauracher Christen von beiden großen Konfessionen starten zur bekanntesten Wallfahrt der Stadt ins unterfränkische Dettelbach am Main.

Es ist überliefert, dass 1738 Herzogenauracher Gläubige erstmals in den unterfränkischen Gnadenort zogen, um bei der wohltätigen Muttergottes für ihre Familien und für ihre Heimatstadt um Gnade und Beistand zu bitten. Ursache war damals „eine ziemliche Teuerung und folgende Not wegen leidiger Ungewitter“ die viele Jahre unsere Herzogenauracher Vorfahren geplagt hatte.

Die Verehrung Mariens in Dettelbach geht zurück auf eine wundersame Heilung in den Jahren 1504/1505. Damals war nach einer Kirchenweihe der „Inwohner des Dorfes Melkendorf, Nikolaus Lemmerer“ nach einer Wirtshausschlägerei so schwer verletzt worden, dass er „des Gebrauchs seiner Glieder...unfähig war...und auch kein Wort mehr reden konnte.“

„Doch der allmächtige Gott erbarmte sich seiner und bei einer Erscheinung erfuhr er, „wenn du zum Bilde Unserer lieben Frau nach Dettelbach ...wallfahrtest und eine Wachskerze zu opfern versprichst, wirst du wieder gesund werden.“ Nun, der Kranke tat wie ihm aufgetragen, wurde gesund und nachdem in der Folge weitere Heilungen nach dem Besuch des Gnadenbildes und nach Gebeten zur Gottesmutter erfolgt waren, entwickelte sich reger Wallfahrtsverkehr zu dem Bild und der bald errichteten Wallfahrtskirche. 1613 wurde dank der Unterstützung des bekannten Fürstbischofs Julius Echter eine größere Wallfahrtsbasilika gebaut, die dann nach dem 30-jährigen Krieg ihr heutiges Aussehen erhielt.

Die Wiederbelebung der Fußwallfahrt

Nur Kriegswirren konnten die hiesigen Wallfahrer in den Folge (ab 1738) von ihrem viertägigen Bittgang nach Dettelbach abhalten. Die Stationen wiederholten sich dabei: Über Großenseebach, Hesselberg und Höchstadt zog man über den „Elsendorfer Steg“ nach Schlüsselfeld und schließlich zum Nachtquartier in Geiselwind.

Die „Vorsteher“, wie man einst die Wallfahrtsleiter nannte, mussten dabei ein achtsames Auge auf ihre „Schäflein“ werfen, „dass in Höchstadt nicht überflüssiges Essen und Trinken überhand nehme“ und dass in Geiselwind „die jungen Leute beiderlei Geschlechts abgesondert liegen“, zu deutsch, dass sie getrennt schliefen. Über Wiesentheid ging es dann weiter in den Wallfahrtsort.

Nach der Übernachtung in Dettelbach trat man nach der Hauptmesse am drittenTag den Rückmarsch in Richtung Heimat bis nach Schlüsselfeld an, bevor es nach einer weiteren Übernachtung zurück in die Heimatstadt ging.

Mit der Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Nürnberg-Würzburg (1865) wurde die Wallfahrt um zwei Tage verkürzt. Man wallte jetzt durch den Aurachgrund nach Emskirchen (ca. 15 km), nutzte dann die Bahn bis Mainstockheim und zog von hier die restlichen 8 km zu Fuß zur Wallfahrtskirche.

Als nach dem 2. Weltkrieg der Autoverkehr in Richtung Neustadt/Aisch immer stärker wurde, zog man den sicheren Fußweg nach Puschendorf vor und nutzte dann von hier aus die Bahn in Richtung Unterfranken.

Anlässlich der 250-jährigen Wiederkehr der Wallfahrt 1988 sammelte Helmut Fischer eine kleine Schar von Gleichgesinnten und regte die Fußwallfahrt wieder an. Es war das „Fähnlein der 7 Aufrechten“, das erstmals wieder auf den „Spuren der Väter“ in Richtung Dettelbach zog: Helmut Fischer, Dieter und Gerhard Hagen, Heinz Frenzel (+), Erwin Hacker, Klaus Süß, Klaus-Peter Gäbelein. Seither hat die Fußwallfahrt immer mehr Anhänger gefunden, die ihren Glauben auf diese Weise bekunden.

Bis zu 50 Teilnehmer haben sich in den letzten Jahren bei Helmut Fischer gemeldet, denn er ist der unermüdliche Motor und Organisator der Fußwallfahrt. Er ist „Mädchen für alles“, kümmert sich um die Quartiere und das Versorgungsfahrzeug, mit dem das Gepäck der Teilnehmer ins Unterfränkische gebracht wird und spricht sich mit den Bahnwallfahrern und Pfarrer Helmut Hetzel bezüglich des Ablaufes der Feierlichkeiten in Dettelbach ab. Die Zeiten, in denen mehrere Franziskanerpatres die Wallfahrer begrüßten und begleiteten sind vorbei. Es gibt keine Franziskaner in Dettelbach mehr. Das Kloster ist baufällig und geschlossen, ein Käufer und Investor noch in weiter Ferne: „sic transit gloria mundi“ – so vergeht der Ruhm der Welt!“

Wie nach dem Vorbild der Väter pilgerten alle Herzogenaurach Wallfahrer früher immer Ende Juli/Anfang August zur Muttergottes im Sand. In den letzten Jahren hat sich die Herzogenauracher Wallfahrt terminmäßig verschoben. In diesem Jahr findet sie bereits am kommenden Wochenende vom 23. bis zum 25. Juni statt. Dann ist das bekannte Weinstädtchen unterhalb der Weinlagen „Honigberg und Cyriakusberg“ wieder fest in Herzogenauracher Hand.

Neben den 39 Fußwallfahrern (darunter 19 Frauen) haben sich 35 Radfahrer angemeldet, darunter zahlreiche Firmlinge. 30 Personen ist die Gruppe der Fuß- und Buswallfahrer stark, die nach Puschendorf zieht und von hier aus per Bus bis Mainstockheim fährt, bevor man den Main mit der Fähre in Richtung Dettelbach überquert. Doch da laut Wallfahrtsleiter und Organisator Thomas Kotzer derzeit der Fährbetrieb über den Main wegen Bauarbeiten eingestellt ist, hat diese Gruppe vom Wasser- und Schifffahrtsamt Schweinfurt die Sondergenehmigung erhalten, den Fluss bei der nahegelegenen Schleuse zu überqueren.

Schließlich liegen derzeit weitere 16 Anmeldungen für eine reine Buswallfahrt vor. Es sind Pilger, die direkt zur Wallfahrtskirche gefahren werden. „Erfahrungsgemäß kommen da aber sicherlich noch einige Kurzentschlossene hinzu,“ soweit Thomas Kotzer Mitfahrer dazu. Die Anmeldung ist im Pfarrbüro möglich. Und nicht vergessen werden darf, dass zahlreiche Gläubige im eigenen PKW am Sonntag anreisen, um das Wallfahrtsamt (um 9.00 Uhr), zelebriert von Stadtpfarrer Helmut Hetzel, mitfeiern zu können.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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