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Sebastianverehrung und Bruderschaft in Herzogenaurach

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Der heilige Sebastian

Offizier und Märtyrer

Sebastian war der Überlieferung nach ein mustergültiger Offizier der Leibwache Kaiser Diokletians (284 – 305 n.Ch.). Der kluge junge Mann, dessen Namen „der Erhabene“ bedeutet, genoss die besondere Gunst des Kaisers , der nicht ahnte, dass Sebastian getauft war. Seine hohe Stellung nutzteSebastian, um verfolgten Christen zu helfen. Er wurde jedoch verraten und zum Tode verurteilt. Man fesselte ihn nackt an einen Pfahl und ließ ihn von Mauretanischen (afrikanischen ) Bogenschützen mit Pfeilen durchbohren. Die fromme Witwe Irene entdeckte, dass sein Herz noch schlug und pflegte iihn gesund.

Vor dem Jupitertempel des damals (288) noch heidnischen Kaisers soll er diesem unerschrocken gesagt haben:“ Christus machte mich wieder lebend, damit ich dir das Unrecht vorhalte, seine Diener zu verfolgen.“ Daraufhin wurde Sebastian gegeißel tund zu Tode gequält. Sein Leichnam wurde in eine Kloake geworfen, aus der ihn die fromme Christin Lucinia barg. Ihr erschien er im Traum und beschrieb die Stelle in den Katakomben, an der er begraben werden wollte, nämlich dort wo die Gebeine der Apostelfürsten Petrus und Paulus eine Zeitlang geruht hatten. Im Jahr 367 ließ Papst Damasus hier die Kirche San Sebastiano bauen.

Seit dem Jahr 354 feierte man sein Gedenken am 20. Januar. Man rief ihn zu Pestzeiten um Hilfe an, weil die Pfeile mit denen er gemartert wurde als Sinnbild unberechenbaren göttlichen Zorns galten. Der Kult um seine Person verbreitete sich bald über Italien, Spanien, Nordafrika, Frankreich und den deutschen Sprachraum, sogar bis nach Nordafrika. Seine Reliquien wurden teilweise nach Soisson (Frankrecih) gebracht, die Hirnschale wird in der oberbayerischen Abtei Ebersberg aufbewahrt.

Als nach 1348 die Pest in Europa wütete wuchs dem hl. Sebastian noch größere Bedeutung zu. In Mailand (1575) und Lissabon soll die Fürsprache des Heiigen die verheerende Seuche zum Stillstand gebracht haben.

Die Darstellung

Obwohl die Bogenschützen seinen Tod nicht herbeiführen konnten, ist diese Folter zur häufigsten Darstellung und Abbildung geworden. Nur mit einem Lendentuch bekleidet, unter Verrenkungen an einen Baum gebunden und von Pfeilen durchbohrt, so stellten ihn die Künstler immer wieder dar.

Auch am Seitenaltar in der Pfarrkirche St. Magdalena in Herzogenaurach, auf zwei Gemälden im Stadtmuseum, einer Statue an der östlichen Wand des Kirchleins in Haundorf und an der Marienkapelle finden wir – wie eingangs erwähnt – den Heiligen in dieser Pose.

Schutzherr

Die Schützen und Büchsenmacher, aber auch die Zinngießer, Nadler, Eisenhändler und Gärtner, vor allem aber Soldaten haben sich den Heiligen zum Patron gewählt.

Reliquien im Bamberger Dom

Kaiser Heinrich II. erwarb für sein Kreuzreliquiar im Bamberger Dom ebenfalls Reliquien des hl. Sebastian. Zahlreiche Kirchen in Mittel-und Oberfranken sind ihm geweiht.

Herzogenaurach. In Herzogenaurach lässt sich die Verehrung Sebastians bis ins späte 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Hier wütete 1496 die Pest und der Stadt drohte die Entvölkerung. Der Chronist berichtet, dass „täglich mehrere Leichen zu Grabe getragen wurden.“

Da nahm die Bevölkerung Zuflucht zu Sebastian. Man errichtete einen Altar und „trat in ein Bündnis“ ein, die „Sebastianibruderschaft“. Initiator dieser Bruderschaft war war wohl der damalige Pfarrer Trossler, der auch „eine allwöchentliche Messe“ gestiftet hat, die jeweils freitags gelesen wurde.

1505 wurde an der Südseite der Kirche ein Altar für den hl. Sebastian errichtet und vom Würzburger Weihbischof Grünwalder am 02. Oktober 1505 geweiht (Die Pfarrei Herzogenaurach gehörte damals noch zum Fürstbistum Würzburg).

Spuren der Verehrung des Heiligen lassen sich sogar noch weiter zurückverfolgen. Pfarrer Johann Wydhössel (auch Widhössel, Pfarrer bis 1532) förderte die Bruderschaft nach Kräften. Er legte auch eine Chronik an, aus der man entnehmen kann, dass die „Friedhofskapelle“ (heutige Marienkapelle) 1401 zu Ehren der Heiligen Kunigunde, Heinrich, Laurentius, Sebastian, Georg, Otto und Ottilie geweiht worden ist.

1460 ist von einem “Märtyreraltar“ zur Rechten des Chores die Rede und 1475 wird erwähnt, dass unter Pfarrer Johann Berger (auch Perger genannt) ein größerer Betrag für ein Bildnis des heilgen Sebastian gestiftet worden ist.

Auch während weiterer Pestepidemien suchten die Herzogenauracher Christen Zuflucht beim heiligen Sebastian. Pfarrer Wydhössel musste miterleben, wie 1520 608 Personen aus seiner Pfarrei (das waren mehr als 20 Ortschaften) von der Pest hinweggerafft wurden. 1607 wütete der „schwarze Tod“ ein weiteres Mal. Damals starb auch Pfarrer Johann Fischer, der sich für seine erkrankten Pfarrkinder geopfert hatte. Er wurde inmitten des Chors in der Pfarrkirche beigesetzt.

Nach dem 30-jährigen Krieg wurde die in Vergessenheit geratene Sebastiani Bruderschaft wieder belebt. Pfarrer Ruppert, der auch die Wallfahrt nach Gößweinstein einführte, war der Initiator. Ab 1670 wurde der Tag des Heiligen offiziell von der Kirche bestätigt und zum hohen Feiertag erklärt. Eine festliche Prozession zog fortan jährlich durch die Stadt, wobei die Schützengesellschaft (1399 als ältester Verein der Stadt erwähnt) den Zug anführte.

Auch wenn die Bruderschaft im Laufe von Jahrzehnten immer wieder schwächelte, sie wurde dennoch stets zu neuem Leben erweckt und erinnerte mit Bildnissen und Plastiken an ihren Namenspatron. 1722 und 1785 wurden Bilder Sebastians in Auftrag gegeben.

Im 3. Reich wurde durch Stadtpfarrer Franz Rathgeber die Sebastianibruderschaft reaktiviert. Dies war eine mutige Entscheidung des streitbaren Stadtpfarrers, der damit den Nationalsozialisten Widerstand leistete.

Gerade in Notzeiten erinnerte man sich in Herzogenaurach des Heiligen und seiner Fürsprache.

Noch nach dem 2. Weltkrieg war der 20. Januar ein hoher Feiertag, an dem die Kinder schulfrei hatten und die Arbeit in der Stadt weitgehend ruhte. Zahlreiche Auswärtige, vor allem aus dem Seebachgrund besuchten die Goittesdienste und nutzten den Tag, um zur Beichte zu gehen. Selbst im Pfarrhaus spendeten Geistliche der überfüllten Kirche wegen das Bußsakarament.

Mit dem Wirtschaftswunder ab den 50-er Jahren ließ die Beteiligung an diesem Festtag seitens der Bevölkerung merklich nach. Zu einem Eklat wäre es fast gekommen, als die Freiwillige Feuerwehr in jenen Jahren ihren Faschingsball am Sebastiani Tag abhielt. Ab 1968 wurden Überlegungen angestellt, den Gedenktag auf den folgenden Sonntag zu verlegen, um der arbeitenden Bevölkerung die Möglichkeit zur Teilnahme an den Feierlichkeiten zu geben, denn für einen Feiertag am 20. Januar war in der modernen Industriegesellschaft ganz einfach kein Platz mehr. Lediglich die Schulkinder hatten bis Anfang der 70-er Jahre unterrichtsfrei.

Helmut Fischer und dem Heimatverein ist es letztlich zu verdanken, dass seit dem 500-jährigen Jubiläum der Bruderschaftsgründung (1996) am Sonntag vor oder nach dem Gedenktag des heiligen Sebastian der alten Herzogenauracher Tradition entsprechend mit einer Lichterprozession durch die Altstadt gedacht wird. Fischer hat damals auch ein Andachtsbüchlein aufgelegt. Seit der 1000-Jahr-Feier (2002) ist es Tradition geworden, dass auch der Bürgermeister (damals Hans Lang) mit dem Stadtrat an der Prozession teilnimmt.

 Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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