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Kriegsende und Neubeginn 1945/46 Teil2

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Herzogenaurach. Acht Tage nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde die Stadt mit weiteren Truppen belegt. Für die Lösung der Quartierfrage und die Wohnungsangelegenheiten wurde ein besonderes Referat im Rathaus gebildet, das auch die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz übernahm.  Oberinspektor Schürr, Hauptlehrer Barnickel und Brauereibesitzer Hubmann wurden mit der Betreuung dieses Ressorts beauftragt.

1945 war es noch durchaus üblich, dass Hausfrauen das Trink- und Brauchwasser von den öffentlichen Brunen in der Stadt nach Hause holten.Zwar hatte man 1933 mit dem Bau der Wasserleitung begonnen, doch waren mit Ausbruch des Kriegs längst nicht alle Häuser und Wohnungen an das öffentliche Netz angschlossen. Badezimmer mit Wannen oder Duschen sowie Spültoiletten waren längst noch keine Selbstverständlichkeit. Die US-Besatzer, vor allem „die Herren Offiziere" quartierten sich mit dem Einmarsch in die „Feudalwohnungen" ein und beschlagnahmten beispielsweise die Dassler Villa, das Schuftenhaus (am heutigen Kreisl), die Erhardts Villa  und einige Wohnungen in der ehemaligen Berthold Siedlung (Hans-Sachs-Straße), in denen fließendes Wasser gab.

 Die Mannschaften waren anfangs in Fabrikgebäuden, wie in der Firma Weiler untergebracht, bevor die Kasernengebäude am Flugplatz „umgerüstete" worden waren.

In der Schuften Villa wohnte damals die Familie Lang. Tochter Emmi (später verheiratete Nahr) besuchte in Erlangen das „Lyzeum" und lernte dort Englisch. Als sie gegenüber US-Offizieren allen Mut zusammennahm und diesen mittels einer Visitenkarte erklärte „that´s me, ....upstairs is my own...there is my piano.." (Das bin ich, das ist meine/unsere Wohnung und oben steht mein Klavier) , waren die Amerikaner begeistert, hatten Respekt vor der jungen Dame wgen ihrer Englischkenntnisse und die Folge war, dass die Langsche Wohnung ab Oktober bereits wieder geräumt und für die Familie freigegeben wurde.

Die Frauen waren es, die in den Anfangsmonaten und -jahren das Stadtbild bestimmten, denn die Männer waren noch nicht von den Kriegsschauplätzen zurückgekehrt, waren teilweise gefallen oder in Gefangenschaft. Engere Kontakte zwischen Einheimischen und Besatzern gab es daher zunächst hautsächlich über die Frauen. Die Amerikaner suchten beispielsweise Wäscherinnen. Schon am 24. April war an der Anschlagtafel zu lesen:...."Für die Truppenwäsche werden heute 30 weibliche Kräfte zur Reinigung benötigt. Sie haben sich bei der Wäscherei Welker (heute Sonnen Apotheke) einzufinden.

Manche Hausfrauen konnten sich in der Folge über Essbares, Seife oder den größten damaligen Luxus freuen, das waren Zigaretten, die heimliche Währung der späten 40-er Jahre. Und mit „Camel- oder Lucky Strike" Glimmstängeln ließen sich herrliche Tausch- und Kompensationsgeschäfte treiben: Man tauschte Seife oder Zigaretten gegen andere wertvolle Güter.

Beim Heimatverein wurden vor vielen Jahren Gespräche mit Zeitzeugen geführt und die Ergebnisse festgehalten. Frau B.M. hat dabei berichtet, dass viele Herzogenauracher Hausfrauen für die US-Offiziere auch Hemden bügelten. Und mit dem Bügeln nahmen es die Amis sehr genau, „da mussten die Bügelfalten ganz akkurat passen!" Als Lohn gab es u.a. Dosen mit „corned beef" (das man damals in Deutschland noch nicht kannte), Schokolade  - welche Köstlichkeit! - oder Bohnenkaffee. Essbares und Genussmittel  - eine wunderbare Entlohnung!

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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