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Auswanderer 2.Teil

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Herzogenaurach. Das Thema „Auswanderer aus Herzogenaurach" hat uns zuletzt beschäftigt. Anfragen von Lesern sind die Ursache dafür, noch einen zweiten Teil zu diesem Thema nachzuliefern.

Bekanntlich haben in den Jahren 1850 -1870 über 100 Herzogenauracher die Stadt verlassen, um in der „Neuen Welt" einen neuen Anfang zu machen und ihr Glück zu finden.

In der langen Liste jener Auswanderer finden wir Herzogenauracher Familiennamen, die heute in der Stadt noch geläufig und bekannt sind. Da gibt es die Namen Adler, und Glas, Hetzler und Fischer, Freudenberger und Zimmerer, Dorsch, Gumbrecht und Maydt. Unter denen, die ihrer fränkischen Heimat „ade" sagten waren Fischer, Römmelt und Welker, Bitter, Ploner und Habermeier,Biermann, Lochner und Seeberger, aber auch Dörrfuß, Dickas oder Haid/Haydt sowie Schürr oder Dengler.

Wir befinden uns damals in der Zeit der „Industriellen Revolution". Kohle und Dampfkraft bestimmen diese Epoche. Und die Dampfmaschine beginnt ihren Siegeszug, wie es in England bereits seit einigen Jahrzehnten der Fall ist. Das trifft vor allem die hiesigen Weber und Tuchmacher besonders hart, ersetzt doch ein automatischer Webstuhl zehn und mehr Handweber . Diese neuen Maschinen arbeiten ganz einfach schneller, akurater und in erster Linie preiswerter als der kleine Tuchmacher am hölzernen Handwebstuhl, der am oberen oder unteren Rahmberg seiner Arbeit nachgeht.

Und der „Rahmberg" hat ja bekanntlich seinen Namen von den Spannrahmen, an denen die Tuch in die richtige Form gebracht worden sind. Ebenso hat auch der Wiwa-Weiher (Weber-Weiher) seinen Namen von den Webern und vom „Webbach", der seinen Zufluss von der Nutzung her in den „Weber-Weiher" hat.

Doch nun zu einigen Namen und den Gründen für ihre Auswanderung. Da sind einmal jene, die es zu Verwandten in die Staaten gezogen hat, wie der Badergeselle Johann Georg Hübschmann, gerade einmal 19 Jahre alt, den es zu seinem Vater zog oder wie die 21-jährige Anna Margarethe, Tochter des verstorbenen Bäckermeisters Konrad Alois Freudenberger , die bei Verwandten unterkommen wollte. Der verwitwete Tagelöhner Konrad Fischer wanderte aus, um seine Kinder zu besuchen. In den Akten ist vermerkt: „Der Reiselustige besitzt die erforderlichen Geldmittel".

Die Überfahrt kostete einschließlich der Gebühren für den „Auswanderungsagenten Leonhard Hertlein in Erlangen"  ca. 100 - 110 Gulden. Bleibt die Frage nach dem Wert bzw. der Kaufkraft eines Gulden: Konkrete Zahlen liegen hierfür nicht vor, doch war der Währungsverfall vor 150 Jahren genauso gegeben wie heute. Ein Meister musste zwei Tage arbeiten, um einen Gulden zu verdienen; beim Gesellsellen waren es sogar 2 ½  Tage und ein Tagelöhner buckelte drei Tage lang jeweils 13 ½  Stunden für einen Gulden.

Viele der Auswanderungswilligen  verkauften ihr Hab und Gut oder - soweit vorhanden das Äckerchen aus dem Familienbesitz.

Der ledige Schuhmachergeselle Konrad Welker reiste zu seinen Verwandten nach St. Louis, die ihm das Geld für die Überfahrt „übermittelt" hatten. Ebenfalls nach St. Louis zu ihren Geschwistern zieht es Josepha Fischer mit ihrem außerehelichen Knaben Peter.

Immer wieder finden wir in den Aussiedlerlisten ledige Frauen mit Kindern, wie die elternlose ledige Metzgerstochter Eva Dörrfuß mit ihren drei Kindern: Johann Georg 8 ½ Jahre, Dorothea 6 Jahre und dem vier Monate alten Säugling Konrad. An Vermögen besaß sie 260 Gulden bares Geld und 50 Gulden aus der Auflösung ihres Haushalts. Mit ihr reiste „ihre Liebe", der Wagnersgeselle Johann Haid. Er besaß 60 Gulden Ersparnisse vom Verkauf seines Handwerkszeugs. Das fehlende Reisegeld erhielt er von seiner Geliebten Eva Dörrfuß. 

Recht gut betucht waren die Brüder Dorsch, so Lorenz Dorsch, ein 18-jähriger Sattler- und Tapeziergehilfe, der mit seinem zwei Jahre älteren Bruder, dem Konditoreigehilfen Christoph im März 1853 sein Glück in Übersee suchte. Beide hatten „von ihrem wohlhabenden Vater die zur Reise erforderlichen Geldmittel und zwar nach dessen Angabe 1 000 Gulden" erhalten. Ihr Bruder Johann Wolfgang, 24 Jahre alt , folgte seinen Geschwistern 1854 zusammen mit den beiden Weißgerbergesellen Johann Wolfgang und Georg Ludwig Maydt im Jahr 1854.

Die gesamte Familie des Schneidermeisters Karl Hetzler reiste 1852 aus. Aus dem Verkauf seiner Güter blieben zur Tilgung der Schulden 100 Gulden in bar.

Dazu bekam er von seinem Bruder, dem Tuchmachergesellen Heinrich Hetzler 350 Gulden geliehen. Ein Sohn der Familie Hetzler, der Schuhmachergeselle Johann, befand sich zur Zeit der Abreise seiner Familie auf der „Walz" (Wanderschaft); sein Aufenthaltsort konnte nicht ermittelt werden. Für ihn deponierte der Vater 50 Gulden Reisegeld beim Magistrat, damit er nach seiner Rückkehr den Eltern nachfolgen könne. Im Februar 1853 kam er aus der Fremde zurück. Die Stadt zahlte ihm die fehlenden 60 Gulden zur Hälfte aus der Kämmerei (Stadtkasse) und zur Hälfte aus der Armenkasse, so dass er seinem Vater nachreisen konnte, der sich inzwischen in Rochester, im Norden des Staates New York niedergelassen hatte.

Ob der Tuchmachermeister Georg Johann Fischer seine Familie, die Ehefrau und vier halbwüchsige Kinder tatsächlich in die Staaten nachgeholt hat (wie versprochen), darüber geben die Unterlagen keine Auskunft. Fischer war 1847 heimlich in die Staaten gereist, im August 1851 zurückgekehrt und 1854 wieder über den großen Teich verschwunden.                

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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