Helmut Fischer´s Heimatkalender 2022
Ab sofort bei allen bekannten Verkaufsstellen erhältlich
Der neue Stadtschreiber ist da!
Erhältich bei Bücher & mehr und Ellwanger
Bayerischer Heimatpreis 2018
geht an den Heimatverein 23.07.2018
Der alte Schloßgraben
Unser Central Park von Herzogenaurach
Der Türmersturm
Einer unserer Stadttürme
Der Wiwaweiher
Der See mitten in unserer Stadt
Die Altstadt
Das Herz unserer Stadt

Nächste Veranstaltung:

Stammtisch

Montag 10 Okt 2022
19:00 - Uhr


Postkarten 1. Weltkrieg Teil 3

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Herzogenaurach. Mit dem Wunsch: „Bis Weihnachten sind wir wieder zu Hause" (Parolen bei Kriegsausbruch im August/Sepotember 1914) sollte es nichts werden, wie der Kriegsverlauf gezeigt hatte. Trotz aller Anfangserfolge der deutschen Kriegsführung im Westen und im Osten war 1915 längst keine Ende des Kriegs in Sicht.

Dennoch lief die deutsche Propaganda auf Hochtouren, auch wenn am 10. September 1914 der deutsche Vormarsch nach Westen gestoppt worden war. Später stellte sich heraus, dass dieses Datum eigentlich das Ende des Kriegs hätte bedeuten können. Über den Austritt Italiens aus dem Bündnis mit den Mittelmächten (Mai 1915) spottete man anfangs noch, doch bald musste man erkennen dass an der italienischen Front wichtige Kräfte gebunden wurden, die man besser an der Westfront hätte einsetzen können.

Ab 1915 wurden erstmals die Lebensmittel knapp. In Köln ließ der 1. Beigeordnete der Stadt und spätere Nachkriegsbürgermeister Dr. Konrad Adenauer ein „Sparbrot" aus Mais-, Gerste- und Roggenmehl  entwickeln.

Trotz einer Rekordkartoffelernte (1914/15) mussten im Ruhrgebiet Kartoffeln rationiert werden.Und in Herzogenaurach? Hier war vor allem Fleisch Mangelware. Beim Gastwirt Drescher im Roten Ross (heute Sparkassengebäude) wurde (1916/17) schwarz geschlachtetes Fleisch beschlagnahmt und an die Lazarette im Liebfrauenhaus und im einstigen Kurhotel Monopol zu 1/3 verteilt; der Rest wurde an kranke Personen in der Stadt verteilt.

Es ist sicher mehr als Ironie, dass in dieser schwierigen Situation  Karten gedruckt wurden, auf denen über die Not und die Enthaltsamkeit flotte Sprüche geschrieben wurden. Tatsache war, dass ab Januar 1915 Brot-, Fleisch- und Zuckerkarten  ausgegeben wurden und wenig später auch solche für Milch, Butter, Eier, Fett, ja sogar eine Seifenkarte war in Umlauf. Ursache hierfür waren die britische Seeblockade, die mit Kriegsausbruch das Reich von Importen abschnitt. Und weil sehr viele Bauern zum Kriegsdienst eingezogen worden waren, schwächelte auch die Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten.

Am 19. Mai 1916 schreibt Christoph Daßler eine Karte aus Nürnberg an seine Frau Pauline. „Kriegsgebote für Hausfrauen" heißt es auf der Vorderseite und im Schaufenster der „Butter-Handlung" stehen Schilder mit der Aufschrift „Butter, Käse, Milch - ausverkauft." Daßler teilt seiner Frau Pauline mit, dass er (in Nürnberg, wo er immer noch gearbeitet hat)  ¼ Pfund Butter für die nächsten 14 Tage erhalten hat. Sein Wunsch „...schau, dass bald Frieden wird" weist dabei recht utopische Züge auf.

Auf weiteren Karten werden die „fleischlosen Tage" angeprangert. Die Karte mit einem überdimensionalen Fisch und einem ebensolchen Kartoffelmännchen enthält das folgende Gedicht:

Fleischlose Tage.

Wir trugen in der schweren Zeit gar willig alle Lasten,

Wir werden willig ebenso, wenn´s not tut, alle fasten.

Wird knapp das Fleisch, so richten wir uns ein mit unserem Mahle,

Und eilen zu dem Hering  - hier Kartoffeln in der Schale."

Und auf einer anderen farbigen Karte lesen wir die folgende Durchhalteparole:

„Fleischlose Tage.

  Ob Fleisch, ob Wurst, Kartoffeln, Kohl,

Daran soll uns nichts liegen,

Wir werden mit dem Schwert sowohl

Als mit dem Magen siegen."

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD