Bierstreik

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Herzogenaurach (gä) Gehen die Biertrinker in Bayern schlechten Zeiten entgegen? Nach Auskunft des Brauerbundes sind die Tanks und Lager zwar  gut gefüllt, aber die Arbeiter und Angestellten im Braugewerbe sind mit der Lohnentwicklung nicht zufrieden. Die von den Arbeitgebern angebotenen 1,7 % Lohnerhöhung sind ihnen zu wenig.

Bierstreiks sind in der fränkischen und bayerischen Biergeschichte nichts Neues. Vor knapp 100 Jahren standen die Zeichen auf Sturm, als  in Bayern der Bierpreis von 50 Pfennigen auf 52 Pfennige, ja mancherorts sogar auf 58 Pfennige  pro Liter erhöht werden sollte. Während 1910 die Biertrinker auf die Barrikaden gingen, sind es 2009 die Mitarbeiter der Brauerein.

1910 war in Bayern durch neue Steuergesetze eine allgemeine Einkommensteuer eingeführt worden. Sie hatte zur Folge, dass die Brauereien den Bierpreis um zwei Pfennige erhöhten. Ein  Sturm der Entrüstung ging durchs Land. Auch in Herzogenaurach wurde „das gesamte biertrinkende Publikum" zum „Bierstreik" aufgerufen. Da die letzte Bierpreiserhöhung erst ein  Jahr zurück lag, wollten die Verbraucher  durchsetzen, dass die neue Gemeindebiersteuer von 2,60 Mark pro Hektoliter nicht auf die Verbraucher abgewälzt werde. Im genannten Aufruf  werden die Biertrinker aufgefordert „durchzuhalten um jeden Preis" und auf einem weiteren Plakat heißt es „Herzogenauracher, Geschäftsleute, Arbeiter und Arbeitslose! Die Gerechtigkeit ist auf Eurer seit! Haltet zusammen Laßt auf einige Wochen das Biertrinken vollständig sein! Die beiden Gewerkschaftskartelle."

Die extrem heißen Tage im Sommer 1910 brachten jedoch die die besten Vorsätze der Streikenden ins Wanken. In der Tageszeitung war schließlich zu lesen „Stärker als der gute Wille der Boykottierenden hat sich die Hitze und der dadurch erzeugte Durst erwiesen." Es gab viele geheime Sünder, das sich an Bier labten, das Frauen und Kinder teilweise unter Kleidern oder in Körben versteckt, heimlich in die Wohnungen bringen mussten.

1923 stieg der Bierpreis auf 140 Mark für den Liter  und erreichte am 20. November die Schwindel erregende Summe von 520 Milliarden Mark Mit Einführung der neuen Währung, der „Rentenmark" festigte sich der Bierpreis wieder. 1927 lag er bei 46 Pfennigen für den Liter, erhöhte sich aber bis 1930 auf 60 Pfennige.

Und wo liegen die Bierpreise in der Stadt heute? In der Brauerei Heller kostet die „echte Halbe Pils" noch 1,80 Euro , in anderen Gaststätten muss man für das Glas Pils mit einem Inhalt von 0,4 Litern zwischen 2,40 und mehr auf die Theke legen. Mit Engpässen in der Bierversorgung ist aber nicht zu rechnen, selbst wenn die Brauer in einen Streik treten sollten.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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