FCH 100 Jahre (3)

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Herzogenaurach. interessant und amüsant sind die Einträge zwischen 1929 und 1942, die sich im "Kassa-Buch" des ältesten Herzogenauracher Fußballvereins, des 1. FC von 1916 finden lassen. Die Verantwortlichen habe fein säuberlich alle Einnahmen und Ausgaben festgehalten, so wie es für eine ordentliche Kassenführung notwendig und wichtig ist. Da wurden die Schiedsrichterkosten ebenso aufgelistet, wie wichtige oder nebensächliche Ein- und Ausgaben.
Die höchsten Kosten verursachten damals die Auswärtsfahrten. Man war zum Wohle der Aktiven längst vom Fahrrad auf Omnibusse umgestiegen, wenn es zu den Auswärtsspielen ging. Und dabei fielen dann jeweils  Summen zwischen 20 und 30 Mark (Reichmark = RM)) an.  "Schlachtenbummler" - so nannte man damals die Fans - konnten für 50 Pfennige oder  eine Mark Fahrgeld ihre Mannschft zu den Auswärtsspielen begleiten. Man fuhr übrigens mit dem einzigen hiesigen Busunternehmen, nämlich "Auto Peetz" und wenn dessen Bus bereits vergeben war, sprang das Forchheimer Unternehmen "Hofmann und Söhne" ein. Hin und wieder nutzte man auch die Eisenbahn. Die Fahrt nach Nürnberg war allerdings umständlicher und die Kosten allein für die Mannschaft betrugen 22 RM.
 Die höchsten Einnahmen  verzeichnete man verständlicherweise bei den Heimspielen, wenn Derbys anstanden. 1930 freute sich der Kassier über 64,32 RM  im Heimspiel gegen den TSV Höchstadt.  1931 zählte man sogar 164,04 RM nach der Partie gegen die Spielvereinigung Erlangen; das war eine satte Einnahme, auch wenn man mit 1:5 den Kürzeren gezogen hatte. Ins Geld gingen auch die Anzeigen, die man im Herzogenauracher Tagblatt geschaltet hat; freilich waren die 12 Reichsmark, die man 1933 für  Annoncen  ausgeben musste gering im Vergleich zu heute.
Und weil es damals weder gepflegte englische Rasenplätze noch Kunstrasenplätze gab, kam es immer  wieder zu blutenden Schürfwunden auf den harten "Kartoffeläckern". Folglich  benötigte man Pflaster und Binden. Man bezog sie beim  "Bader" (Friseur), dem Schrepfers Fritz. 1936 stellte er 4,68 Reichsmark für Verbandsmaterial in Rechnung.
Bei vielen Vereinen war es üblich, dass die Spieler ihre Hosen, Trikots und Stutzen zum Waschen mit nach Hause nahmen. Beim FC war man da bereits fortschrittlicher: man gab die durchgeschwitzte und schmutzige Sportkleidung geschlossen zum Waschen. Die Familie Freudenberger erhielt dafür jedesmal 2,50 RM. Im Jahr der Olympischen Spiele (1936) leistete man sich 13,15 RM für einen neuen Ball, einige Wochen sogar 17,50 Mark  für einen Spielball. Im gleichen Jahr kaufte man bei der Fa. Eisert in Erlangen 10 neue Trikot (der Torwart bekam ein eigenes), die allesamt 17 RM kosteten und der Torhüter bekam ein Paar neue Knieschützer  vom Sportgeschäft Eisert für 3,25 Mark. Da fiel die
1 Mark für eine Ballpumpe sicherlich nicht sehr ins Gewicht.
Auch an den DFB musste man 1936 bereits Gebühren entrichten:  4,30 RM waren es im August 1936.
Dass auch die Schiedsrichter vor 80 Jahren nicht umsonst pfeifen mussten, erfahren wir aus dem Kassa-Buch. Doch das waren minimale Kosten. Für ein Jugendspiel erhielt der Unparteiische in der Regel 20 - 25 Pfennige, für das Spiel der Reservemannschaft 50 Pfennige und bei der 1. Mannschaft fielen normalerweise 2,50 Mark an. Zum Vergleich: eine Flasche Limonade kostete 10-15 Pfennige, eine Zigarette drei Pfennige.
Was aber trotz aller Aufzeichnungen über Einnahmen und Ausgaben für den Sportfreund das Interessanteste sein dürfte: für jedes Spiel der 1. Mannschaft wurde das Ergebnis festgehalten und da schnitt die 1. Mannschaft  stets überduchschnittlich gut ab.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD