Fußballserie 8 Lutz Braun

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„Soll ich weiterhin Fußball spielen oder mich lieber auf Basketball beim TSH konzentrieren?" Vor dieser Frage stand vor rund 30 Jahren ein junger Herzogenauracher. In beiden Ballsportarten glänzte Mitte der 80er Jahre Lutz Braun. Sein Sportlehrer attestierte dem 184cm großen Schlacks überragende Fähigkeiten im Umgang mit Fuß- und Basketball.

Schließlich entschied sich der begeisterte Sportler für das Kicken, spielte weiterhin in der FC-Jugend, blieb seinem Stammverein, dem FC Herzogenaurach treu und kickte im Mittelfeld unter Spielertrainer Dieter Nüssing in der Landesliga. Abstieg und Wiederaufstieg im Juni 1987 gegen den TUS Feuchtwangen (4:1auf neutralem Platz in Ansbach) waren weitere Höhepunkte in der Fußballkarriere des Kopfball starken und Schuss gewaltigen Mittelfeldspielers.

Dann lockte ihn der bezahlte Fußball. Es zog ihn an den Untermain zum nördlichsten aller höherklassigen bayerischen Fußball verein: zur Viktoria nach Aschaffenburg. Als „Vertragsamateur" kickte er im Stadion am Schönbusch für die „Ascheberger" in der 2. Liga und nach deren Abstieg in der Hessenliga, bevor er an die Isar wechselte, zum Münchner Vorortverein, der Spielvereinigung Unterhaching. 19mal trug er in der Saison 1992/93 das Trikot der Hachinger, fiel durch seine faire aber kompromisslose Spielweise auf und das war ausschlaggebend, dass ihn der neue Löwen Coach Werner „Beinhart" Lorant zu den Münchner Löwen holte. Der gnadenlos harte Trainer war mit den Münchner Löwen zu einem Durchmarsch von der Bayernliga in die 1. Liga gestartet.

Neben Torhüter Rainer Berg absolvierte der Herzogenauracher als einziger alle 38 Zweitligaspiele 1993/94 für die Münchner und stieg mit den 60ern in die 1. Bundesliga auf. Fußballkennern sind die Namen der Aufstiegsmannschaft um Lutz Braun sicher ein Begriff: Reiner Maurer, Roland Kneißl, Thomas Ziemer, Bernhard Trares und vor allem die Sturmführer Bernhard Winkler (übrigens auch ein Franke) und der Österreicher Peter Pacult. Die beiden Top-Stürmer brachten es dank der starken Abwehrleistung der Löwen mit Verteidiger Lutz Braun auf zusammen 34 Treffer im Aufstiegsjahr.

Die 1. Bundesligaparty in Dortmund im Sommer 1994, als man mit 4:0 unter die Räder kam, sollte für Lutz Braun das erste und letzte Erstligaspiel sein. Trainer Lorant verbannte den Jungstar auf die Bank. Hier schmorte er bis zur Winterpause und wechselte dann zum damals Krisen geschüttelten Nürnberger Club. Unter Trainer Sebert trug er als Abwehrrecke in der Rückrunde 16mal das rote Clubtrikot und zog dann zu den Gelb-Schwarzen nach Dresden weiter.

„Eigentlich ist Dynamo ein wundervoller Verein" erinnert sich Lutz Braun an seine Zeit im Elb-Florenz. „Aber im Umfeld stimmte manches nicht", so der heute 43-Jährige. „Zudem warfen mich Kreuzbandriss und Meniskusverletzungen aus der Bahn. Als sich dann auch noch eine bakterielle Infektion im Knie einstellte, war meine Profikarriere zu Ende".

Gerade einmal 31-jährig rang Lutz Braun nun darum, als Sportinvalide anerkannt zu werden. Sieben Jahre lang kämpfte er nun - nicht mehr auf dem grünen Rasen -  gegen die Berufsgenossenschaft um die Anerkennung, bevor er wieder in fränkisch-hessische Gefilde an den Main zurückkehrte.

Doch der Sport hat das Herzogenauracher Fußballtalent nicht mehr losgelassen. Sein Weg führte ihn zunächst zum Sportsender DSF und über Regionalsender 2007 zum Hessischen Rundfunk. Aufgrund seiner Erfahrung, seiner Fachkenntnisse und intensiver, akribischer Arbeit schaffte er den Sprung zum Redakteur in der Sportabteilung des HR. Somit konnte er sein Hobby zum Beruf machen und blieb dank seines großen Fachwissens zumindest dem Fernsehpublikum erhalten.

Heute lebt der „Fernsehmann" mit Gattin Sandra „immer noch mit der gleichen Frau, die ich 1992 geheiratet habe", wie er betont, dem 14-jährigen Lorenzo und Tochter Francesca im beschaulichen fränkischen Mainaschaff, nur einen Steinwurf von der bayerisch-hessischen Grenze entfernt.

Kontakte nach Herzogenaurach? Seit dem Tod der Eltern sind die so gut wie abgerissen, aber mit seinem Ex-Trainer, dem unverwüstlichen Dieter Nüssing kickt Lutz Braun noch in der Traditionself des Nürnberger Clubs. „Vielleicht kann ich mit dieser Truppe auch einmal wieder am Clubplatz in Herzogenaurach spielen", so Lutz Braun.

                                                Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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