Höchstadter Heimatverein zu Gast in Herzogenaurach

„Flacken und Roidl“ festigten Freundschaft!

Herzogenaurach. Es gab Zeiten, da waren sich Höchstadter und Herzogenauracher nicht grün, teilweise artete das Verhältnis sogar in Feindschaft aus. Doch diese Zeiten sind vorbei, seitdem die beiden Vorsitzenden der Heimatvereine Freundschaft geschlossen haben. Georg Römer, der große Vorsitzende an der Aisch und Klaus-Peter Gäbelein von der Aurach verstehen sich bestens und helfen sich gegenseitig, wenn es gilt, den Heimatgedanken zu festigen und auszubauen. Der „Römer Schorsch“ist ein gern gesehener Gast in der Schlappenschuster Stadt und bereichert die hiesige Musikszene mit seiner Hornochsenband und Gäbelein revanchiert sich mit historischen Vorträgen oder Lesungen.

Die einstige Rivalität geht zurück bis ins 19. Jahrhundert, als die bayerische Obrigkeit das hiesige Amtsgericht dem in Höchstadt unterordnete und die Herzogenaurach sich weigerten, Akten an die Höchstadter auszuliefern. Man bezeichnete an der Aisch fortan die Nachbarn von der Aurach abfällig als „Flacken“. Der fränkische Begriff „flacken“ oder sich „hin flacken“ bedeutet nichts Anderes, als sich locker auf eine Liegestatt (Couch oder Bett) hinlegen. Außerdem beinhaltet der Begriff „die Flacken“ so viel wie „Tauben, die in fremden Nestern oder Schlägen übernachten“. Ob nun die Herzogenauracher Burschen nach Kirchweihbesuchen im Aischgrund tatsächlich den Heimweg scheuten und lieber im „fremden Taubenschlag“ nächtigten, ist zwar nicht bewiesen, aber behauptet worden.

Die Herzogenauracher wiederum, ebenso erfinderisch wie die Höchstadter bezeichneten ihre Kollegen aus Höchstadt derb als “Roidl“, worunter man im Fränkischen so viel versteht, wie einen ungehobelten, derben Klotz! Wie dem auch sei, die Rivalität zwischen den beiden Städten wuchs, zumal die politische Bedeutung der Aisch Metropole nach dem Krieg die von Herzogenaurach überflügelte.

Auch wenn beide Bürgermeister bisweilen auf ihre Kollegen respektvoll oder gar neidvoll schielen, man respektiert sich ohne neidisch zu sein. Als Höhepunkt des gegenseitigen Verstehens stattete der Höchstadter Heimatverein am Sonntag den Kollegen in Herzogenaurach einen Besuch ab. Dieser beschränkte sich aber nicht auf den Vorstandsebene. Die Freunde von der Aisch reisten mit einem Traktor und einem von Vorstand Römer umgebauten überdachten Planwagen an.

Über Wälder und Nebenstraßen kamen 25 „Aischgründer“ auf einem vom „Römer Schorsch“ perfekt umgebauten Traktoranhänger zum Bratwurstessen und Bierverkosten in die Brauereigaststätte Heller, erhielten vom Seniorchef Hans Heller eine Brauereiführung und anschließend vom hiesigen Heimatvereinsvorsitzenden eine kurzweilige Stadtführung, die mit einer Brotzeit im ältesten Haus der Stadt, im Steinweg, mit einer Brotzeit endete. Dass der Abgeordnete Walter Nussel den Höchstadter Gästen einen freundlichen Willkommensgruß überbrachte, war dabei eine willkommene Abwechslung und Überraschung zugleich. Und zusätzlich stieß das exotische Gefährt aus dem Aischgrund auf großes Interesse bei den Passanten in der Herzogenauracher Innenstadt.

Klaus-Peter Gäbelein

Hier geht´s zu den Bildern

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD