Zu Besuch bei den Schönborn in Pommersfelden

Herzogenaurach. Ausflugsfahrten und Besichtigungstouren werden beim Heimatverein akribisch vorbereitet. Für die Studienfahrt nach Pommersfelden am kommenden Wochenende hatte man zu einem Einführungsvortrag über die Geschichte des bekannten Schlosses Angela Nusser von der Schönbornschen Schlossverwaltung eingeladen. Seit 15 Jahren arbeitet die Historikerin im Dienst der Grafenfamilie; ihr Vortrag faszinierte die rund 50 Zuhörer.

Rund 50 interessierte Teilnehmer lauschten aufmerksam ihren Ausführungen zur Geschichte der bekannten Schlossanlage im Ebrachgrund. Der Erbauer des Schlosses Weissenstein bei Pommersfelden, der Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn betitelte seinen ländlichen Sommersitz als „Campus pomeransis“ – als Pommeranzengarten, denn er ließ im Schloss und im Schlossgarten verschiedene Sorten von Zitronenbäumchen, eben Pomeranzen, heranziehen. Dennoch geht der Ortsname Pommersfelden nicht auf die goldgelben Zitrusfrüchte zurück, sondern sehr wahrscheinlich auf den Eigennamen „Bodemar“ oder „Bodmar“ zurück und bdeutet wohl so viel wie „dem Bodemar sein Feld“. Noch bis ins 16. Jahrhundert wurde der Ortsname auch als „Bomersfelden“ geschrieben.

Lange bevor Lothar Franz seinen Prachtbau errichten ließ, stand am heutigen Ortsrand von Pommersfelden ein Wasserschloss der Truchsesse von Pommersfelden. Ein Truchsess gehörte zu den vier Hofämtern am Kaiserhof und war als Küchenmeister tätig. Die Herrschaft der Truchsesse von Pommersfelden endete im Jahr 1710 mit dem Tod des letzten Truchsess Friedrich Ernst. Käufer seines verschuldeten Besitzes war die Familie von Schönborn. Lothar Franz war nicht gewillt das marode Wasserschloss, das er als Räuberhöhle bezeichnete, um- oder auszubauen. Doch bevor er seine eigenen Pläne und Wunschvorstellungen verwirklichen konnte, musste er als der ranghöchste Fürst im Reich erst einmal die nächste Kaiserwahl zu leiten und durchzuführen. Im April 1711 war Kaiser Josef I. verstorben und die Kurfürsten einigten sich unter der Leitung von Lothar Franz auf Karl VI. als Herrscher, den Vater von Maria Theresia. Lothar Franz ließ sich die Durchführung der Wahl entsprechend entlohnen und verfügte so über die finanziellen Mittel, einen Schlossbau nach seinen Wünschen und Plänen durchzusetzen, und zwar auf einer sonnigen Anhöhe südlich des Ortes Pommersfelden.

Konzipiert wurden der Neubau und die Gartenanlage vom Hofbaumeister Balthasar Neumann (Schloss) und von Justus Heinrich Dientzenhofer (Gartenanlagen) Konzipiert wurde nun nicht mehr nur ein Schlossbau, sondern eine komplette Residenzanlage mit Stallungen, Nebengebäuden und einem ausladenden Garten. Dieser war am Ende 330m lang (3 Fußballfelder) und 630 m breit (12 Fußballfelder). Lothar Franz bezeichnete diesen Garten als sein „irdisches Paradies“. Überall im Garten, auch im Garten und im Gartensaal ließ er Orangenbäumchen züchten, die auf den barocken Menschen große Faszination ausübten. Man bezeichnete sie als „Pomeranzen“ (lateinisch poma aurantia = goldener Apfel; aurantia = Orange oder „Goldfrucht“). Doch nicht nur die Optik, auch ihre besonderen Eigenschaften faszinierten die Menschen im Barockzeitalter. Sie ist die einzige Pflanze, welche gleichzeitig blühen und Früchte tragen kann. Neben gold-orangenen und gelben Früchten trägt die Pflanze immergrüne Blätter, die besonders schön glänzen – wie es sich für einen „Sonnenkönig“ gebührt – und deren weiße Blüten einen betörenden Duft versprühen, der auch als Parfüm äußerst beliebt war, in einer Zeit, da das Wasser als schädlich für die Haut galt.

Beim Tod von Lothar Franz (Januar 1729) waren die wesentlichsten Bauten von Schloss Pommersfelden weitgehend fertig gestellt, so dass für seinen Nachfolger und Erben, seinen Neffen Friedrich Karl von Schönborn, keine Veranlassung bestand wesentliche Veränderungen vorzunehmen. Im Laufe der Jahrhunderte wich der ursprünglich symmetrisch angelegte Schlossgarten lediglich einer englischen Parkanlage, während heute noch das Treppenhaus, die Muschelgrotte sowie der Marmorsaal dem ursprünglichen barocken Bau entsprechen.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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