Sagen: Die vier Brüder im Birkenbühl

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Im Birkenbühl stehen vier Steine, die im Volksmund als die „vier Brüder" bezeichnet wurden und werden.

Einst soll an dieser Stelle ein großer Bauernhof gestanden haben. Als der alte Bauer im Sterben lag, kehrten seine vier Söhne, die sich in der Fremde aufgehalten hatten, in die Heimat zurück.

Bald starb der Vater. Nachdem die Familie ihn begraben hatte, gingen die Söhne an das Teilen des Erbes. Dabei gerieten sie dermaßen in Streit, dass sie sich alle Vier so schwer verletzten, dass sie letzten Endes starben.

An diesen Erbschaftsstreit erinnern die vier Steine im Birkenbühl.

Erklärung: Als „Bühl" oder „Bühel" bzw. „Pichl" bezeichnet man seit dem

16. Jahrhundert einen Hügel oder eine mittlere Erhebung. Der Birkenbühl im Herzogenauracher Norden ist 710 Tagwerk groß (1 Tagwerk entspricht ungefähr 3 Hektar; ein Hektar sind 100 mal 100 Meter, also etwa zwei Fußballfelder), wird vom Hammerbacher Wald im Westen und vom Membacher Gemeindewald im Osten eingerahmt. Spaziergängern und Wanderern in Richtung Obermembach sind die leichten Anstiege im Wald sicherlich bekannt.

Die Birke ist ein anspruchsloser Baum und mag magere, aber auch feuchte Böden. Doch wuchsen im Herzogenauracher Birkenbühl in früheren Jahrhunderten auch zahlreiche Buchen und Eichen, deren Früchte im Herbst ein willkommenes Futter für die Schweinemast darstellten.

Mit Beschluss vom 15.01.1856 und der Beurkundung vom 17. April 1856 erwarben über 200 Herzogenauracher und fünf Welkenbacher Einwohner die drei Waldungen Birkenbühl, Donwald und Burgwald vom bayerischen Königreich (König Maximilian II.) und schlossen sich zur „Waldkorporation" zusammen, die heute noch die Waldungen hegt und pflegt.

Die vier Brüder, sprich vier Grenz- oder Markierungssteine, gibt es tatsächlich. Draußen, am Ende des Birkenbühls an der alten Hochstraße nahe der Abzweigung in Richtung Reuth/Weisendorf und Obermembach/Großenseebach sind sie zu sehen. Und sie wurden wohl gesetzt, weil hier vier Gemarkungen aneinander stießen.

Der Volksmund konnte sich wohl keinen Reim auf diese vier Steine machen. Da Erbschaftsstreitigkeiten auch in unserer Zeit nichts Außergewöhnliches sind und weil man früher an Stätten, an denen Unglücksfälle geschehen sind Sühnekreuze errichtet hat, wurden die Marksteine wohl kurzerhand zu Gedenksteinen für eine Bluttat umgedeutet.

                                                               Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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