Vortrag: Dr. a: Kluxen, Festtagsschmaus und Einheitsbrei

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Festtagsschmaus und Einheitsbrei

Wie lebten unsere Vorfahren? Wie sah ihr Alltag aus ,wie ihre Kleidung und vor allem: was kam bei „den Alten“ auf den Tisch? Auf letztere Frage hatte die oberste Heimatpflegerin Mittelfrankens, Dr. Andrea Kluxen, bei ihrem Vortrag „Festtagsschmaus und Einheitsbrei“ beim Heimatverein eindeutige und interessante Antworten.

Die Referentin startete ihre Ausführungen mit dem wichtigsten Gerät, das dem mittelalterlichen Menschen früher bei seinen Mahlzeiten zur Verfügung stand: dem Löffel. Er war gleichzeitig ein Statussymbol und wurde gehütet wie der Augapfel. Wer „den Löffel abgab“, mit dem war es geschehen und deshalb war er häufig auch eine Grabbeigabe.

Essen ist und war früher gewissermaßen ein Statussymbol und gleichzeitig mit einem Heimatgefühl verbunden. Man aß immer das, was einem die Natur anbot. Und das war bei der weitgehend bäuerlichen Bevölkerung Gemüse und Getreide. 80 % der Haushaltsausgaben wanderten in die Tageskasse für den täglichen Bedarf, um den Magen zu füllen. Getreidebrei und Brot waren das Übliche. Lediglich an Feier- und Festtagen und bei den privilegierten Schichten wurde etwas mehr und etwas Außergewöhnliches auf den Tisch gebracht. Da wurde auch mit heimischen Kräutern gewürzt, und es kam auch Fleisch auf den Tisch.

Sehr beliebt waren schon im Mittelalter die fränkischen Bratwürste, die man in allen fränkischen Regierungsbezirken, in Thüringen sowie in der Oberpfalz besonders schätzte. Bereits im 14. Jahrhundert hatte der Nürnberger Rat festgelegt, dass sie nur aus Brät (klein gehacktem Fleisch) und festgelegten Gewürzen hergestellt werden dürfen. Auch die Gewürzzutaten waren genau reglementiert und gleiches galt für die Größe, die jedoch regional schwankte: in Nürnberg waren sie groß und dick wie ein Finger, in Coburg durften oder mussten sie 30 cm lang sein und in Sulzfeld am Main kann man heute noch die Meterbratwurst genießen, die geringelt in der Pfanne gegart wird. Was dem Nürnberger seine 6 Würste oder gar neun oder zwölf sind, das ist den Menschen in unterfränkischen Sulzfeld seine Meterbratwurst. Als diese Meterbratwurst erfunden wurde, lag der Rekord bei 4,25 m, 1982 schraubte ein tüchtiger Esser den Rekord auf 5,15m und heute liegt er bei 6,30 Metern – allerdings ohne jegliche Beilagen. Legendär war die fränkische Bratwurst bereits zu Goethes Zeiten. Er ließ sich sein Lieblingsgericht von Nürnberg aus nach Weimar bringen und der Dichter Jean Paul schwärmte in seiner Heimat Bayreuth ebenfalls von dieser „edlen Wurst“.

Wichtig im christlichen Mittelalter war der Karpfen als Fastenspeise; bis zu 150 Tage kannte der mittelalterliche Kalender, an denen die Menschen aufgefordert waren das Fastengebot einzuhalten. Auch wenn sich der „kleine Mann“ es sich nicht leisten konnte, Fische zu kaufen, so gewann die Karpfenzucht gerade in unserer Region mehr und mehr an Bedeutung. Wieder einmal es die Römer, die nördlich der Alpen den Tisch mit Karpfen bereicherten und vor allem die Klöster förderten die Fischzucht. Rund 200 Fischküchen zählt man heute noch in Franken, die ca. 750 Tonnen Karpfenfische auf die Tische bringen.

Abwechslung auf dem herkömmlichen Mittagstisch brachten lediglich Fest- und Feiertage, Kirchweihen sowie die reichhaltigen Gelage nach Begräbnissen. Beim Leichenschmaus wurde nicht gespart, ebenso wenig an Kirchweihen oder hohen Feiertagen. Da duftete es in den Küchen schon ab und zu nach Rinder- oder Gänsebraten, nach Küchle, die in Fett (Butterschmalz) ausgebacken wurden.

Außergewöhnlich waren die Festessen bei städtischen Ratswahlen. 1671 tafelte man in Herzogenaurach 5 Tage lang und 1710 wurden u.a. zwei Lämmer, „zwei Ferklein“, 11 junge Hühner, zwei Gänse, 4 Paar Tauben, verschieden Vögel (z. B. Lerchen!), Schnepfen und Wildbret serviert. Daneben gab es 16 Pfund Karpfen, drei Hechte und man trank 125 Maß Tischwein, zwei Eimer zu 22 Maß Bier und weitere 42 Krüge zu zwei Maß Bier.

Und wer sich einen Festtagsschmaus leisten konnte, der führte auch entsprechende Tischmanieren ein, wie der Adel. Dass dann keine irdenen Teller mehr genügten, wissen wir beispielsweise vom Nürnberger Georg Philipp Harsdörfer, unter dessen Empfehlung die Mahlzeiten zur „Tischkultur“ wurden und Geschirr aus Zinn oder später aus Porzellan kamen auf den Tisch. Neben dem Löffel wurde jetzt auch das Messer hoffähig und kurze Zeit später zusätzlich die Gabel. “ Essen zu Hofe“ wurde seit dem 17. Jh. zum Staatsakt bei den feinen Herrschaften. Das große „Nürnberger Friedensmahl“ ziert heute noch als Gemälde das Festessen, das anlässlich des Endes des 30jährigen Krieges im Nürnberger Rathaussaal serviert wurde. Und wenn man nach 1648 „tafelte“ artete das häufig in große Schauessen aus, bei denen sich die Köche mit üppigen Besonderheiten überboten.

Dies alles berührte den einfachen Bürger jedoch weniger. Für ihn war es wichtig, dass im 18. Jahrhundert eine neue Frucht die Haushalte eroberte: die Kartoffel. Im oberfränkischen Pilgramsreuth soll die Geburtsstunde des größer flächigen Kartoffelanbaus geschlagen haben. Die gefürchteten Hungerkatastrophen gehörten in Zukunft der Vergangenheit an. Und bald standen schon die ersten Klöße auf den Tischen, ohne die kein üppiges Mahl in Franken üblich ist. Wesentlich zur verbesserten Ernährung haben auch die „Sparherde“ beigetragen. Sie ersetzten die Kessel, die über dem Feuer hingen, besaßen eine Herdplatte mit verstellbaren Ringen, eine Bratröhre und einen Auffüllbehälter für Wasser, das sog. „Wasserschiff“, welcher der Hausfrau viele Tätigkeiten erleichterte.

Man entwickelte im 19. Jahrhundert Konservierungs- und Kühlmethoden (Eisschrank mit Stangeneis) wie das Einweckglas oder die Konservierungsdose. Nicht nur Speisen wurden nun gekühlt und haltbar gemacht, auch die Bierbrauer profitierten davon. In Nürnberg stieg der Bierverbrauch pro Kopf im 19. Jh. auf 200 Liter im Jahr. Selbst in der Literatur fand das gute fränkische Bier Erwähnung, das im 19. Jahrhundert bis in die USA geliefert wurde: Karl Mays Held Old Shatterhand verlangte in einem seiner Romane nach „dem guten Erlanger Bier“.

Und schließlich erlebte auch der fränkische Wein eine Renaissance im 19 Jahrhundert, nachdem die Weinlagen infolge der eingeschleppten Reblaus durch die kleine Eiszeit im 16./17. Jh. arg zurückgegangen waren. Die Weinanbaufläche in Franken betrug im Mittelalter 40 000 ha, heute sind es trotz fortschreitenden Anbaus nur noch ca. 6250 ha.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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