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Dr. Günter Dippold: Beutekunst

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Herzogenaurach. Professor Dr. Günter Dippold, oberster Denkmalschützer in Oberfranken und engagierter, bisweilen streitbarer Verfechter fränkischer Belange, begeisterte einmal mehr seine Zuhörer beim Heimatverein Herzogenaurach mit einem hinreißenden Vortrag.

Diesmal setzte er sich mit dem Thema „Beutekunst? Fränkische Kunstwerke in der Fremde" auseinander. Und man kann es vorweg nehmen: Dippold rückte manches Vorurteil zurecht, was den vermeintlichen Raub fränkischer Kunstwerke in den letzten beiden Jahrhunderten betrifft.

Zum Begriff Beutekunst". In der Geschichte gibt es immer wieder Beispiele, dass nach erfolgreichen Kriegen die Sieger sich an den Unterlegenen bereicherten. Dies geschah, um den Gegner zu demütigen , sich selbst, die eigene Partei oder den eigenen Staat zu bereichern Das war im 30-jährigen Krieg nicht anders als bei Napoleons Kriegszügen in ganz Europa und noch heute sind russische Museen gut bestückt mit Gemälden und Kostbarkeiten aus dem im Krieg unterlegenen Deutschland.

Was die fränkische und bayerische Geschichte betrifft, so erregt eine Frage die Gemüter stets aufs Neue: Was hat das bayerische Königshaus, sprich: was haben die Wittelsbacher bei der Übernahme Frankens durch die bayerische Krone nach 1806 und in der folgenden Säkularisation aus fränkischen Kirchen oder Schlössern mitgenommen und sich widerrechtlich angeeignet?- Zumindest wird Letzteres immer wieder behauptet. Der Streit um die Herausgabe von Dürer Bildnissen in jüngster Vergangenheit (Dürer-Ausstellung 2012 mit dem Streit um Dürers Bild „Der Mann im Pelzrock") zur Präsentation bei Ausstellungen in Nürnberg ist ein beredtes Beispiel.

Andrerseits fragte Professor Dippold zu recht: Was ist fränkische Kunst?  Sind Bilder von Lukas Cranach, die dieser nach seiner Übersiedlung von Oberfranken nach Sachsen geschaffen hat, fränkische Kunst? Sind Bilder von Matthias Grünewald, die zwar in Franken entstanden sind, aber für das „Außerfränkische Aschaffenburg" bestimmt waren, „fränkische Kunst"? Und sind Kunstwerke, die der spätere Kaiser Heinrich II.(1002 - 1024) nach seinem Regierungsantritt nach Bamberg hat bringen lassen, fränkische Kunst? Auch der fromme Kaiser Heinrich hat Kunstschätze in seiner fränkischen Metropole Bamberg gehortet, die heute als fränkische Kunst gelten, auch wenn sie (nicht unbedingt rechtlich erworben) hier aufbewahrt wurden.

Über Jahrhunderte hinweg haben sich außerdem europäische Fürsten, weltliche wie geistliche, stets bemüht, ihre Kunstsammlungen zu erweitern.  Die Schatzkammern in Dresden, München oder Wien und an den Bischofskirchen sind voller wertvoller Kunstschätze. Bekannte Herrscher erwarben Gemälde und Pretiosen, auch Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn, der 500 Gemälde für seinen Prachtbau, das Schloss Weißenstein in Pommersfelden, erworben hat oder der bayerische Kurfürst Maximilian, der zwischen 1598 und 1607 Dürer Bildnisse gekauft, außerdem die berühmten " Vier Apostel" geschenkt bekommen hatte. Auch die fränkischen Hohenzollern erwarben für ihre Residenzen in Bayreuth oder Ansbach, was der Markt damals hergab.    

Was den Verlust von fränkischer Kunst zu Beginn des 19. Jahrhunderts betrifft, so steht fest, dass ein Teil nach München abgegeben werden musste, ein weiterer Teil verkauft oder verschenkt worden ist, wie ein Flügelaltar aus der Hofer Michaeliskirche, den die Bürger dem Regenten freiwillig zukommen ließen. Manches ist zudem verschollen. So sind beispielsweise von 46 Gemälden, die um 1810 aus dem Kloster Ebrach verschwunden sind, nur acht in Münchner Archiven, der Rest wanderte in den Privatbesitz des Ebracher Abtes und ist seitdem spurlos verschwunden.

Gleiches gilt für wertvolle Reliquiare oder Messgeräte, die oft eingeschmolzen worden sind, - von wem auch immer dies angeordnet worden war. Fazit nach Dr. Dippold:  Vieles der sogenannten Beutekunst blieb erhalten, wanderte in Kunstsammlungen oder wurde infolge eines einsetzenden Preisverfalls von Spekulanten aufgekauft, ein Teil wanderte in Archive und Depots in der Landeshauptstadt. Nach Meinung Dippolds ist die Forderung „Gebt uns zurück, was uns gehört!" überzogen. Wichtiger wäre es, aus Franken entfernte und in Archiven der Landeshauptstadt eingelagerte Kunstschätze in kleineren lokalen fränkischen Museen der Allgemeinheit zu präsentieren.

                                                                                             gä

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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