Herzogenaurach vor 75 Jahren (1946)

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„Der größte Lump im ganze Land, das ist und bleibt der Denunziant“,

fett gedruckt stand dieser Satz auf der ersten Seite des Amtsblatts des Landkreises Höchstadt in der 21. Ausgabe vom Donnerstag 11.April 1946.Der Verfasser des lesenswerten Aufsatzes war Dr. Hans Schregle, der damals als Ministerpräsident für Mittel- und Oberfranken die Regierungsgeschäfte führte.

Er erinnerte mit dem in der Überschrift genannten Zitat an den Germanisten A. Hoffmann von Fallersleben der sich 1844 vehement gegen die gewandt hatte, die ihre Mitmenschen –aus welchen Gründen auch immer „angeschwärzt“ oder verleumdet hatten.

Nun, in den Jahren unter der US-Besatzung und wirtschaftlicher Not, sind vor allem die Beamten die Leidtragenden. Ihre Arbeitskraft und –zeit werden geschmälert durch unbegründete, bösartige und verleumderische Behauptungen und Unterstellungen. Sie sind diejenigen, die im Gegensatz zu den raschen Überläufern der 30er Jahre diejenigen, die im demokratischen Sinn die begonnene Arbeit für den Wiederaufbau leisten. „Die Männer, die heute unermüdlich und opferwillig ….. dem Staat und dem Volk dienen, verdienen unseren Dank und unsere Achtung…!“ Soweit Regierungspräsident Schregle.

Und Landrat Dr. Valentin Fröhlich (von den braunen Machthabern 1933 als Bürgermeister abgesetzt), unterstützt Dr. Schregle mit dem in der Überschrift genannten Zitat von Hoffmann von Fallersleben. Schließlich bricht in jenem Amtsblatt auf der 1. Seite der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Dr. Blaum) eine Lanze für die Aufbauarbeit der Amerikaner und der deutschen Zivilverwaltung. Die Kriegsziele der US-Amerikaner waren es „….den Nationalsozialismus und den deutschen Militarismus zu zerstören, aber sie waren immer bestrebt,(die) Deutschen nicht mehr leiden zu lassen, als wir die Ursache dazu selbst verschuldet haben.“

Polizeistunde und Sperrstunde für Jugendliche

Die folgenden Anordnungen vom 11. April 1946 erinnern uns an die derzeitige Corona-Situation. Da heißt es u.a. „Nach einer Verordnung des Bayer. Staatsministeriums des Innern ist des Innern ist „.Beginn der Polizeistunde um 23 Uhr und Ende um 6 Uhr morgens..“.Für Jugendliche galt folgende Regelung: Für die unter 18ährigen war der Aufenthalt auf öffentlichen Straßen und Plätzen nach 21 Uhr verboten. Für sie war auch das Rauchen in der Öffentlichkeit untersagt.

Für die Stadt Höchstadt wurde angeordnet, dass sich alle „jugendlichen“ vom 20. bis 25. Lebensjahr sich am Sonntag, 14. April vor dem Rathaus einzufinden haben, „zwecks Aufstellung einer Ortsfeuerwehr“. Und die Bevölkerung von Herzogenaurach erfuhr, dass fortan die Steinerne Brücke für den gesamten Verkehr gesperrt werde. Die einzige Verbindung zwischen der Innenstadt und der jenseits der Aurach gelegen Wohnungen war der hölzerne Steg, den man als Notbehelf bei der Tuchwarenfabrik Wirth errichtet hatte. (Foto !?)

Am Ende weist Landrat Dr. Fröhlich darauf hin, sich im Landkreis noch Personen aufhalten, die nicht polizeilich gemeldet sind. Schon wegen der Lebensmittelversorgung sei nötig, dass man sich hier melden, „weil sich herumvagabundierende Personen erfahrungsgemäß oft als lang gesuchte politische Verbrecher entpuppten.“

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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