Herzogenaurach Jahreswechsel und der Januar vor 75 Jahren

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Herzogenaurach. Endlich Frieden, Weihnachten und Neujahr ohne Kriegsangst – aber waren die Menschen damals glücklicher als heute? Ihnen saß die Angst vor der Coronapandemie zwar nicht im Nacken, aber es gab genügend Unsicherheiten und die Menschen im Landkreis Höchstadt sowie in der größten Stadt des Kreises, in Herzogenaurach, standen vor vielerlei Problemen zum Jahreswechsel 1945/46 und zum Beginn des Jahres 1946. Millionen trauerten um gefallene oder vermisste Familienangehörige und die Angst um Vermisste sowie um die eigene Zukunft nagte an Millionen unserer Vorfahren.

Werfen einen Blick in die offiziellen Schreiben von damals und der Einfachheit halber in die „Amtsblätter der Militärregierung und des Landkreises Höchstadt a.d. Aisch“ mit dem Untertitel „This publication is authorized by the Military Government“ (Diese Bekanntmachung ist von der Militärregierung genehmigt), dann erahnt man, was die Menschen damals an Einschränkungen und Auflagen erwartet hat.

Im Amtsblatt Nr. 1 vom Samstag, 5. Januar 1946 (Kaufpreis 10 Pf.) schreibt unter der fett gedruckten Überschrift Militär-Regierung folgendes: „Ich benutze diese Gelegenheit, um der Bevölkerung des Landkreises Höchstadt/Aisch im Namen der Militärregierung für ihr großes Entgegenkommen und ihre freundlichen Aufmerksamkeiten während der Weihnachtsfeiertage zu danken. – Diese Aufmerksamkeiten zeugten von einer freundlichen und großmütigen Bevölkerung, die bei uns eine anhaltende, angenehme Erinnerung an Weihnachten 1945 hinterlassen hat.

                                           Robert J. Hanford

                                               Major, CAC

                                               Director

Und als Erstes heißt es (und für bierselige Franken von heute sicherlich wohltuend zu lesen, wenngleich nicht für jedermann leicht zu verstehende Formulierung) Betreff: Herstellung von Bier für Deutsche Zivilpersonen

„Das Verbot der Erzeugung von Bier für deutsche Zivilpersonen wird mit Wirkung vom 15. Februar 1946 aufgehoben wegen der Wichtigkeit der Brauhefe als Nahrungszusatz und Backgährungsmittel,,,“

Unterzeichnet hat das Ganze

                                         Mr. Mc NARNEY:

Er verweist allerdings auch darauf, dass „nicht mehr als 2 Sude von den Zivilbrauereien hergestellt werden dürfen“ und „dass seitens der Militärregierung kein Beistand zur Beschaffung von Brennmaterialien oder anderem Material geleistet werden darf“.

Anschließend geht es um BEKANNTMACHUNGEN DES LANDRATS HÖCHSTADT, Landrat Dr. Fröhlich (Versorgung mit Leder und Schuhreparaturmaterial).

Breiten Raum im 1. Amtsblatt nach dem Krieg nimmt die Beschaffung von Petroleum bzw. die Bezugsausweise für dasselbe ein. Das BRK sowie der Flüchtlingskommissar (Max Brehm) erhalten breiten Raum für ihre Veröffentlichungen. Brehm verweist darauf, „dass der Zuzug jeglicher Personen nur mit seiner Genehmigung möglich sei“ und dass im Landkreis „jene Räume beschlagnahmt werden, die nicht für eigene Bedürfnisse benötigt werden. Gleiches gelte für Öfen.“

In einer ausführlichen Stellungnahme fordert der „Bayerische Bauernverband“ Bauern, Dienstboten und Landarbeiter auf, sich unter seiner Führung zusammenzuschließen, „denn der Bauer muss wieder ein freier Mensch werden auf eigener Scholle“.

Eine Woche später (12. Januar 1946) geht es vornehmlich um die Rationalisierung von Strom und Gas für Haushaltungen sowie um die Maßnahmen der Alliierten bezüglich der „Ausschaltung und des Verbots der militärischen Ausbildung“. Demnach werden Nazi-Uniformen, Abzeichen und „nazimilitärische Grußformen“, NS-Propaganda sowie die Verherrlichung des Krieges verboten.

Die „Herren Bürgermeister“ werden aufgefordert, die Schulbücher zu sammeln und sie bis zum 18. Januar 1946 beim Landratsamt in Höchstadt abzugeben.

Und schließlich warfen die ersten Gemeindewahlen im Landkreis ihre Schatten voraus. In Herzogenaurach kandidierten Bürgermeister Hans Maier und Adam Herberger, in Niederndorf Joseph Winkelmann und Philipp Gebhardt, in Burgstall Johann Nussel, in Steinbach Johann Baier, und für Hammerbach standen Jakob Körner und Johann Mayer, , in Zweifelsheim Paul Weghorn und in Höfen Joh. Kolb auf dem Stimmzettel,

Hausfrauen und hungrige Normalbürger interessierte dagegen wesentlich mehr, dass jedem Landkreisbürger künftig 62,5 g Fett, ebensoviel Käse, , 125 g Zucker, 750 g Weizenmehl und 100 – 200 g Kaffee-Ersatz (je nach Karte) zustanden.

Der Regierungspräsident Dr. Schregle ermunterte die Menschen, „den eingeschlagenen demokratischen Weg weiter zu verfolgen, damit Deutschland wieder genesen und Kraft gewinnen könne.

Und während sich Herzogenaurachs Dr. Valentin Fröhlich (inzwischen neuer Landrat) und Höchstadts Bürgermeister über die zuchtlose Jugend ereiferten, weil sie die neuen Freiheiten „übermäßig ausnutzten“, ordnete der Bayerische Ministerpräsident Dr. Wilhelm Högner an, dass allen Mitgliedern der verbotenen NSDAP der Führerschein entzogen werde.

Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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