Herzogenaurach – 210 Jahre bayerisch

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Herzogenaurach. „Hand aufs Herz, verehrte Leser: Fühlen Sie sich als Bayern? Oder schlägt in Ihnen ein fränkisches Herz, fließt in Ihren Adern fränkisches Blut? Wie ist das mit Franken und Bayern im fränkischen Landkreis ERH?

Werfen wir einen Blick in die Geschichte. Unsere Vorfahren waren ab 1002 mit der ersten urkundlichen Erwähnung von URAHA, dem Ort am Auerochsenwasser und seiner Zugehörigkeit zum Bistum Bamberg schlicht und einfach „bambergische Untertanen“. Und das gilt fast für alle Gemeinden im heutigen Teil des früheren Altlandkreises mit dem damaligen Autokennzeichen HÖS.

Herzogenaurach und das Höchstadter Umland haben bewegte Jahrhunderte hinter sich: Kriege, Hungersnöte und Naturkatastrophen suchten die Gegend heim und dann kamen ab 1792 noch unruhigere Zeiten, als der französische Eroberer Napoleon statt Ruhe und Ordnung noch mehr Durcheinander in und über die Gegend brachte. Ab 1792 befanden sich französische Truppen auf deutschem und fränkischem Boden. Bündnisse und Koalitionen wechselten einander ab und die Menschen wussten nicht mehr, ob sie denn bambergische oder preußische, französische oder „bairische“ oder gar österreichische Untertanen sind.

Im Juli 1796 vermerkte der hiesige Amtmann (das Stadtoberhaupt), dass die „laufenden Durchzüge, Gefechte, Kontributionen (Abgaben), Erpressungen, Spann- und Krankenfuhren, Brandschatzungen, Futter- und Lebensmittellieferungen (Fouragierungen) usw. …kein Ende nehmen. Die Stadt und der Landkreis litten unter französischen, österreichischen Einquartierungen, mussten 1796 71.000 Gulden an Kriegskosten berappen, dazu brach noch eine Viehseuche aus, so dass die Lebensmittelpreise um das Drei- bis Vierfache stiegen und Napoleon brachte neue französische Truppen ins Land und der französische General Angerau schlug sein Hauptquarttier in Herzogenaurach auf. Der Bevölkerung blieb nichts erspart!

Was war aus der fruchtbaren Region geworden, die Joh. Baptist Roppelt in seiner Beschreibung des „kaiserlichen Hochstifts und Fürstentums Bamberg“ aufs Höchste lobte? Dort heißt es: die Gegend liefert Korn an Überfluss, „womit Handel nach Erlangen, Fürth und Nürnberg getrieben wird. Der Hopfenbau ist so ergiebig, dass ein namhafter Teil nach Fürth und Vach verkauft wird. Das Land hat auch einen starcken Tabackanbau, der aber seitt kurzem sehr abgenommen hat. Es hat Rind-, Pferde- und Schweinezucht und von seinen Fischen, welche meistens nach Fürth verkauft werden, zieht es eine schöne Summe…“

1799 kündigte sich weiteres Unheil für die Stadt an: ein Gewitter schlug in den Kirchturm ein, zündete aber zum Glück nicht, ein, aber das bedeutete nichts Gutes! Ein Jahr später hat die Blatternseuche „in dem hiesigen Pfarrspiel“(in der Pfarrei) 70 Kinder hinweggerafft. Schließlich quartierte sich der französische General mit seinem Generalstab und 21 Mann für 14 Tage im Pfarrhaus ein. Die geringeren Häuser waren mit 10 Mann,. die größeren mit 40 Mann belegt. Jeder Metzger musste 70-80 Mann Feldposten verköstigen,“ wo das Fleisch und die Suppe in Butten zugetragen wurde….“ Die Hiobs Botschaften nahmen kein Ende.

Im Pariser Vertrag vom 28. Februar 1810 übergab Napoleon die Provinz Franken nach dem Zustand vom 1. April an das Königreich Bayern; am 30. Oktober wurde das Amt Herzogenaurach übergeben. Doch erst nach 1815 kehrten Ruhe und Ordnung wieder ein.1812 wurde das Königliche Landgericht Herzogenaurach errichtet, um wieder Ordnung herzustellen.. Zu seinem Bereich gehörten das Kammeramt Frauenaurach, die Steuerdistrikte Büchenbach, Frauenaurach, Möhrendorf, Röttenbach, Thurn und Sintmann. Und nachdem in unserer Gegend auch eine Gebietsreform durchgeführt worden war ,gehörten unsere Vorfahren nun zum bayerischen Rezatkreis, dem späteren Mittelfranken, bevor man dann 1837 dem „Obermainkreis“, dem heutigen Oberfranken zugeteilt wurde (bis zur großen bayerischen Gebietsreform von 1973 waren Herzogenauracher und Höchstadter sowie die Bewohner der westlichen Landkreisgemeinden also Oberfranken! ).

Nach der Verkündigung einer weiteren neuen bayerischen Verfassung entstand auch in Franken so etwas wie ein „bayerisches Nationalgefühl“. Mit dem Aufschwung der Wirtschaft ab 1818 (Planung und Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals und der Eisenbahn Richtung Norden) schrieb der kritische Jurist Anselm von Feuerbach über die Stimmung in unserer Gegend: „Es ist in sehr vieler Beziehung jetzt eine große Freude, Bayern anzugehören: der Himmel ist heiter, die Lüfte wehen frisch, die Sümpfe sind bewegt und die Nachteulen fliegen in der Finsternis: Jetzt soll man einmal kommen und uns zumuten, eine andere Farbe als blau und weiß zu tragen.“
Vergessen waren die Belastungen aus der Besatzung durch die preußischen Truppen. Man war mit Leib und Seele bayerisch geworden! Bald darauf feierte man an der Konstitutionssäule im unterfränkischen Gochsheim die bayerische Verfassung und in Würzburg soll ein überzeugter fränkisch-bayerischer Priester sogar von der Kanzel gepredigt haben; „Wer einen Preußen erschlägt, kommt sofort in den Himmel!“

 Klaus-Peter Gäbelein

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Koordinator für den Steinweg
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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