Das Haus im Graben

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5145Herzogenaurach. Es ist ein Blickfang in Herzogenaurachs guter Stube: Das „Haus im Graben“ in der Hauptstraße 12 gegenüber dem Fehnturm. Wo man heute achtlos vorbeischlendert, fällt dem Besucher höchstens ein dunkler Pflasterstreifen auf und dann eigenartigerweise sind da noch Steintreppen, die gegenüber dem Turm nach unten führen zu dem Häuschen, in dem die Herzogenauracher bis 1978 ihren Lebensmittelbedarf decken konnten. Der dunkle Pflasterstreifen zeigt an, dass hier das Städtchen einst zu Ende war. Hier floss der innere Stadtgraben, vom WIWA-Weiher (Webbachweiher) gespeist, in Richtung Aurach. Nur über eine Zugbrücke konnte man in den Ort gelangen oder in Richtung Osten (Nürnberg) verlassen. Erst ab dem 13./14. Jahrhundert verlagerte sich die Stadtgrenze in Richtung Nürnberger Tor (heutiger Nürnberger-Tor-Platz).

Blättern wir in der Geschichte des kleinen Anwesens mit dem markanten Fachwerk und den hübschen Blumenkästen an den Fenstern. Es ist in den alten Plänen als „Haus bei der Fischgrube“ oder auch als „Haus im oberen Schulgraben“ eingetragen. Zum besseren Verständnis: Hier befanden sich Fischkästen im Graben, schließlich war der Fisch eine begehrte und beliebte Speise an den zahlreichen Fasttagen und an den Freitagen. Später befand sich hier vorübergehend auch die Knabenschule, bevor diese in das Haus Ecke Hauptstraße/Marktplatz 2 verlegt wurde.

Blicken wir in die lange Reihe der Besitzer, so erfahren wir: 1718 wurde das Haus von einem Friedrich Leininger neu erbaut, 1744 ist seine Witwe als Besitzerin eingetragen. Nach einem Brand erbaute Kaspar Weickert das Haus neu. 1844 kaufte der „Zeugmacher“ Franz Josef Bitter das Anwesen. (Zeugmacher waren Weber die Stoffe aus reiner Schafwolle herstellten.) Seit dieser Zeit waren die Bitter bzw. deren Tochter Ursula Schürr die Eigentümer. Ursula Schürr betrieb hier ein „Koloialwarengeschäft“. In einem solchen Laden konnte man ursprünglich Waren aus den Kolonien erwerben, wie Kaffee, Tee, Gewürze usw. es waren die Vorläufer der „Lebensmittelgeschäfte“, die ab den 60er, 70er Jahren zu Supermärkten aufstiegen. Ursula Schürr vererbte das Haus an ihre Schwester Margarete Schramm, die es an ihre Tochter Reta Schramm übereignete. Bis 1978 waren „Die Schramms Madli“ die bevorzugte Einkaufsquelle in der Herzogenauracher Innenstadt, dann war der kleine Laden gegen die „Supermärkte“ nicht mehr konkurrenzfähig. Die heutige Eigentümerin (Regina Kreis geb. Bucher) vermietete hier eine Zeitlang die schmucken Räume als Fremdenzimmer.

Der Heimatverein wird am kommenden Sonntag, am „Tag des offenen Denkmals“, zwischen 10 und 12 Uhr zu jeder vollen Stunde kostenlose Führungen anbieten. Treffpunkt hierfür ist der gegenüberliegende Fehnturm.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

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