Wetterkapriolen

1 1 1 1 1 Bewertung 0.00 (0 Stimmen)
Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

Herzogenaurach. Heiße Sommer, aber auch verregnete Sommer, Dürrekatastrophen und Unwetter, alles hat es in früheren Jahrhunderten gegeben. In Herzogenaurachs Chroniken erfahren wir von diesen Extremen, aufgezeichnet hat sie Hans Tony Hummel 1922. Er hat festgehalten, welche Unwetter das Städtchen bedroht haben.

Für das Jahr 1706 war eine Sonnenfinsternis vorhergesagt worden, die dann tatsächlich auch eintraf. „Herr Amtmann proportioniert (stellt fest), was für große Gefahr künftige Sonnenfinsternis, so Mittwoch, den 12. August geschehen wird, mit sich bringe. Deretwegen man wegen des Viehes, Wassers und dergleichen große Vorsorge zu tragen habe, die Brunnen zu verwahren (abzudecken), um solchem Unheil etwas vorzubeugen“, wie es an anderen Orten auch geschehe.

Eine Sonnenfinsternis bedeutete für unsere Vorfahren etwas Fürchterliches. Man vermutete verseuchtes Wasser und zunehmende Viehseuchen, gegen all das half nur inständiges Beten. Und deswegen ordnete der Amtmann an: „Man soll künftigen Mittwoch des vorkommenden Unglücks (des zu erwartenden Unglücks) das Vieh auf wenigstens 2 oder 3 Tagen zu Hause lassen, auch die Brunnen wohl verwahren und zudecken, damit kein Gift möge einfallen und würde einem jeden obliegen (zur Aufgabe gemacht werden) dem Gottesdienst beizuwohnen.“ Und der damalige Stadtschreiber, Moritz Steeger, notierte: „Den 12. Mai war vormittags, gleich nach 9.00 Uhr eine solche Sonnenfinsternis, dass ich Stadtschreiber, als ich eben uffm Rathaus im schreiben begriffen war, wegen der Sonnenfinsternis nicht mehr habe schreiben können, es war eine so erbärmlich und höchst betrübte , ja fast ohnbeschreibliche Finsterniß gewesen, daß man seit Menschengedenken von dergleichen niemals gehöret, geschweige denn, daß man die Sterne am Firmament gesehen…“

In den weiteren Aufzeichnungen über besondere Ereignisse zur Stadtgeschichte ist immer wieder von Wetterstürzen die Rede. Bereits am 6. Mai 1696 abends 5 Uhr ist „ ein solch schreckliches Kieselwetter (Hagelschauer) gewesen…. , dass die Flur mit Winterbau (Wintergetreide) gegen Peuteldorf total ruiniert war und niemand sah, daß vorher eine Frucht gestanden.“

An Christi Himmelfahrt 1733 hatte es ein solch starkes Unwetter gegeben, dass sämtliche Stege über die Aurach weggerissen wurden und die Stadtmauer beim Sandtor (Nürnberger Tor an der Schütt) sowie der Stadtweiher stark beschädigt wurden. Und schließlich herrschte 1739/40 ab dem 13. November 1739 ein extrem kalter Winter, der bis zum Mai 1740 andauerte. Soweit die Wetterextreme vor knapp 400 Jahren.

Klaus-Peter Gäbelein
Autor: Klaus-Peter GäbeleinWebsite: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_G%C3%A4beleinE-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
1. Vorsitzender Heimatverein Herzogenaurach
Klaus-Peter Gäbelein (Pseudonym: Klaus Bedä) ist ein deutscher Autor, Historiker, Kolumnist, Mundartdichter und Moderator mit einem Schwerpunkt auf fränkischer Geschichte und Brauchtum sowie fränkischer Mundart. Er ist der Verfasser zahlreicher Werke zu Themen der Regionalgeschichte Frankens, dem fränkischen Brauchtum, sowie von Schulbüchern. Seit 1981 schreibt Gäbelein regelmäßig Artikel für die Regionalteile der in Herzogenaurach (Mittelfranken) erscheinenden Tageszeitungen und seit 1992 die Glosse „Do dud dä fei deä Oäsch weh!

Design by WD